Isarhunde lesen: „Hilfe, dieses Buch hat meinen Hund gefressen”

Richard Byrne: Hilfe, dieses Buch hat meinen Hund gefressen! (Beltz & Gelberg)

Vorsicht Buch! Einige werden bei dieser Warnung sofort an die Kampagne der deutschen Buchbranche und die witzigen Werbematerialen denken. Im Fall von Richard Byrnes Bilderbuch ist die Warnung jedoch absolut ernst und vor allem wörtlich zu nehmen. Denn dieses schmale Buch hat Bellas Hund gefressen. Kann nicht sein? Von wegen!
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Isarhunde lesen: Auf den Hund gekommen

Ernst Kahl / Eva Muggenthaler: Papa, ich will einen Hund

Der Hund ist der beste Freund des Menschen, das weiß jedes Kind. Und Kinderbuchmacher wissen sich die Faszination, die von den schnüffelnden Vierbeinern ausgeht, zu Nutze zu machen: So weit das Auge reicht, tummeln sich Hunde in Kinder- und Bilderbüchern.

Welches Kind wünscht sich nicht irgendwann einmal ein Haustier. Bei den meisten stehen dabei Hunde ganz oben auf der Wunschliste. Und so gibt es zahlreiche Kinderbücher, die den jungen Hundefan beziehungsweise den potentiellen Hundehalter mit Sachinformationen versorgen, etwa „Der Hund“ von Claudia Toll und Ilka Sokolowski. Wer es aber lieber etwas verspielter und weniger sachlich mag, dem sei das „Hunde-WARUM?“ von Lila Prap empfohlen. Dieses Sach- und Spaßbuch ist ein humorvoll und ansprechend gestalteter Einstieg in die Welt der Hunde und Hunderassen.

Das Who’s Who der Hunderassen

Mit sprühendem Sprachwitz setzt sich das Künstlerpaar Ernst Kahl und Eva Muggenthaler in seinem Bilderbuch „Papa, ich will einen Hund!“ mit den unterschiedlichen Hunderassen und deren Eigenarten auseinander. „Papa, ich will einen Hund!/Du kriegst einen Zierfisch, und Ruhe ist am Biertisch.“ Mit diesen Sätzen nimmt das fröhliche und nicht ganz ernst zunehmende Reimspiel seinen Lauf: „Der Labrador steht hinterm Tor. Der Shibainu pupst und macht die Augen zu.“ Mit liebevoller Hingabe porträtiert Muggenthaler in unterschiedlichsten Zeichen- und Malstilen bekannte und weniger bekannte Hunderassen. „Flecken ziern den Dalmatiner. Fässer schleppt der Bernadiner. Er ist bekannt als Lebensretter. Trends der Mode setzt der Setter.“ Die Hunde, die Muggenthaler zu den Versen malt, sind ein absoluter Augenschmaus für Hundeliebhaber. Und wer jetzt wissen will, ob das Mädchen am Ende einen Hund oder doch einen Zierfisch von seinem Papa bekommt, darf gespannt sein.

Der Hund als Held

Abgesehen von Büchern, die auf informative oder witzige Weise (Fakten-)Wissen über die geliebten Fellnasen vermitteln wollen, gibt es eine große Anzahl Kinder- und Bilderbücher mit tierischen Protagonisten. Hunde haben – und das wissen wir nicht erst seit Lassie – das Zeug zum Helden. Sie sind dank ihrer Spürnasen perfekte Detektive, sind Retter in der Not, geben ihren kindlichen Freunden und Begleiterinnen Kraft, Selbstbewusstsein und Mut. Nicht zu vergessen jene Bücher, die sich mit der kindlichen Angst vor Hunden (und deren Überwindung) beschäftigen. So auch das Wendebuch von Gudrun Likar und Manuela Olten „Keine Angst vor gar nichts“. Hier wird die Angst von zwei Standpunkten aus beleuchtet: Auf der einen Seite steht der Junge, der sich vor Hunden fürchtet. Auf der anderen der Hund, dem Jungs schreckliche Angst machen. Unterhaltsam und charmant erzählen Wort und Bild von der gegenseitigen Annäherung und davon, dass es gut tut, seine Vorurteile in Frage zu stellen: Wer seine Angst überwindet, wird belohnt.

Wie Hund und Katz

Schreiben Mutmachbücher wie „Keine Angst vor gar nichts“ gegen das Vorurteil vom bösen Hund an, spielen Bücher wie „Hund & Hase“ (Rotraut Susanne Berner), „Hund & Katze“ (Constanze Spengler) oder das in diesem Frühjahr erschienene „Saß ein Ungeheuer auf dem Dach“ mit dem Klischee, dass sich bestimmte Tierpaare einfach nicht verstehen (können).

Bei Spengler streiten Hund und Katze zwar nicht, dennoch wird gleich auf der ersten Doppelseite klar: Die beiden haben nicht viel gemeinsam. „Der Hund mag Streifen. Die Katze mag Punkte.” Doppelseite für Doppelseite werden nach diesem Schema in liebevoll verschmitzten Bildern und mit wohltuendem Augenzwinkern Eigenarten von Hund und Katze aufgegriffen. Dabei wird gezeigt, dass sich Gegensätze auch anziehen können.

Dorothea Lachner und Stefanie Harjes gehen in ihrem Bilderbuch „Saß ein Ungeheuer auf dem Dach“ noch einen großen Schritt weiter. Hier streiten Hund und Katz verbittert miteinander: Der Hund knurrt und kläfft die Katze an, die Katze zerkratzt die Schnauze des Hundes. Keiner kann es dem anderen Recht machen, die beiden sind sich spinnefeind – und mit jeder Auseinandersetzung wächst das schwarze Ungeheuer auf dem Dach des gemeinsamen Hauses. Die bedrohte Freundschaft von Hund und Katz findet in ihm seine düstere und bedrohliche Visualisierung. Erst, als sich die beiden wieder vertragen, verschwindet auch das Ungeheuer vom Dach. So macht dieses Buch deutlich, dass sich Streiten einfach nicht lohnt und dass eine friedliche Versöhnung und ein harmonisches Miteinander definitiv die bessere Wahl sind. Und so viel steht am Ende fest: Hunde sind wirklich gute Freunde, die ihr Lesepublikum durch Dick und Dünn des Bücherwalds begleiten.

Lila Prap
Das Hunde-WARUM*
Bajazzo, 2011
ISBN: 978-3-905871-25-8
40 Seiten, Hardcover
14,90 Euro (D)

Ernst Kahl
Papa, ich will einen Hund!*
Illustriert von Eva Muggenthaler
Kein & Aber, 2008
ISBN: 978-3-0369-5251-2
96 Seiten, Hardcover
16,90 Euro (D)

Gudrun Likar
Keine Angst vor gar nichts*
Illustriert von Manuela Olten
Tulipan, 2009
ISBN:978-3-939944-26-3
32 Seiten, Hardcover
12,90 Euro (D)

Rotraut Susanne Berner
Hund & Hase*
Jacoby & Stuart, 2009
ISBN: 978-3-941087-42-2
80 Seiten, Hardcover
14,95 Euro (D)

Dorothea Lachner
Saß ein Ungeheuer auf dem Dach*
Nilpferd in Residenz, 2011
ISBN: 9783701720804
32 Seiten, Hardcover
14,90 Euro (D)

Constanze Spengler
Hund und Katze*
Hinstorff, 2010
ISBN:  978-3-356-01357-3
32 Seiten, Hardcover
12,90 Euro (D)

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Isarhunde lesen: „Winni Winzig”

Astrid Pfeiffer: Winni Winzig

„Ein Buch über uns alle“ – so der Untertitel dieser Erzählung um den kleinen Jagdhund Grisu. Und wirklich: Es ist viel mehr als nur ein Hundegeschichte, die Grisu erzählt.

 
 

Begleitet Grisu, den kleinen Außenseiter aus einem Land im Süden...

Grisu kommt aus einem Land im Süden und ist der ‚geborene Verlierer’: Immer der Kleinste, Schwächste und Tollpatschigste, entgeht er dort mit seiner Mutter und seinen Geschwistern nur knapp dem Tod. Sein neues Leben führt ihn in ein Land im Norden, wo er bei den Zweibeinern Antonia und Paul mit ihrem Rudel Fetzi und Benni ein gutes Zuhause findet.

Doch für Grisu ist es alles andere als leicht, sich einfach über dieses unverhoffte Glück zu freuen: Die Erlebnisse aus seinem alten Leben sind  nicht spurlos an ihm vorbeigegangen, er ist ängstlich und mutlos, traut weder seiner Umgebung noch sich selbst. Schritt für Schritt, Pfotenlänge um Pfotenlänge tastet er sich mit Hilfe von Antonia an ihr gemeinsames Ziel heran: Grisu, der nun Winni heißt, soll glücklich werden!

...auf seinem Weg zu Winni, der gar nicht mehr so winzig, aber dafür umso glücklicher ist.

Grisu/Winni teilt in diesem Buch seine Sorgen und Ängste, seine Hoffnungen und Zweifel, seine Fortschritte und Rückschläge – und lässt den Leser langsam, aber sicher erkennen, was das eigentlich ist, dieses ‚Glücklichsein’. „Winni Winzig” ist ein Buch über ‚Angsthunde’, über den Tierschutz, die Liebe zu Hunden und den steinigen Weg, den Zwei- und Vierbeiner oft gehen müssen, um ein schönes Leben miteinander führen zu können.

Erzählt mit einem guten Schuss Selbstironie, ist „Winni Winzig” aber vor allem ein Buch über das Erwachsenwerden, über Hoffnung, über das Loslassenkönnen, über Vertrauen und den Glauben, an sich selbst wie auch an andere.

Ein spannende, berührende und menschliche Geschichte über den Weg zu sich selbst – nicht nur für Hundehalter.

Astrid Pfeiffer
Winni Winzig
Books on Demand
ISBN: 978-3-8391-5634-6
220 Seiten, Paperback mit Bildteil
14,90 Euro (D)

Das Buch ist über den regulären Buchhandel beziehbar. Die Autorin möchte jedoch mit dem Erlös Hundeschutzprojekte im In- und Ausland unterstützen und freut sich deshalb besonders über Direktbestellungen bei ihr.

Alle Infos findet ihr unter www.winni-winzig.de.

Isarhunde lesen: „Das Hunde-Warum”

Lila Prap: Das Hunde-WARUM?

WARUM NUR?

Warum bellen Hunde? Warum haben manche Hunde kurze Beine oder hängende Ohren? Und überhaupt: Warum riechen sich Hunde gegenseitig am Po?

Fragen, die jedes Kind und jeden (zukünftigen) Hundebesitzer interessieren. In ihrem Sach- und Spaßbuch lässt Lila Prap die Bulldogge Billy die Eigenarten der Vierbeiner erklären. „Wenn ein Hund knurrt, zeigt er an, dass er sich bedroht fühlt: »Geh weg, sonst könnte es ungemütlich werden«, warnt er.“

Solch kurze Antworten helfen Kindern (und Erwachsenen) dabei Hunde und ihr Verhalten besser zu verstehen und eventuell bestehendes Misstrauen abzubauen. Das „Hunde-Warum“ ist nicht zuletzt durch die eigenwilligen Katzenkommentare auf jeder Doppelseite ein humorvoller und ansprechend gestalteter Einstieg in die Welt der Hunde und Hunderassen.

Lila Prap
Das Hunde-WARUM*
Bajazzo, 2011
ISBN: 978-3-905871-25-8
40 Seiten, Hardcover
14,90 Euro (D) / 23,50 SFr (CH)
Ab 5 Jahren und für alle Hundeliebhaber

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Isarhunde lesen: „Sind das alles Ihre?!”

Franziska Feldsieper: Sind das alles Ihre?!

Wer kennt das nicht: Der eigene Fellbeiner verbreitet mal wieder Chaos und man muss einfach darüber lachen. Bei Hundetrainerin und Autorin Franziska Feldsieper von der Mensch-mit-Hund-Schule multipliziert sich das Chaos mit der Anzahl der Hunde. Das Ergebnis: exponentiell steigender Humor!

Bei Franziska Feldsieper heißt es Lachen hoch sechs. Denn mit ihrem „Sixpack“, bestehend aus alten und behinderten Hunden, gerät sie immer wieder in lustige, manchmal auch absurde Situationen.

Über ihre Erfahrungen und Erlebnisse hat sie nun ein Buch geschrieben. Darin berichtet sie aus ihrem Alltag als Hundehalterin und -trainerin. Ihre Geschichten sind teils nachdenklich, teils bissig, oft lehrreich. Nie fehlen jedoch das Augenzwinkern und die Leidenschaft für alle Sofawölfe. Ihre Anekdoten verpackt sie in eine flotte Schreibe. Sie erzählt geradeheraus, mit Wortwitz und einem guten Schuss Selbstironie. In Sind das alles Ihre?!* geht es vielen Vorurteilen auf amüsante Weise an den Kragen.

Ganz nebenbei kann man beim Lesen auch Gutes tun: Pro verkauftem Buch gehen je 50 Cent an den Verein „Hunde brauchen Hilfe” und an den „Gnadenhof für alte und in Not geratene Hunde e.V.”

Franziska Feldsieper
Sind das alles Ihre?!*
ISBN 9783000373343
136 Seiten, Paperback
12,95 Euro (D)

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Klappentext:

Wer eine Hundeschule hat, der kann was erzählen. Wer dazu noch sechs alte und/oder behinderte Hunde hat, der schreibt ein Buch. Über all die schrägen Situationen, die einem passieren, wenn man sein Leben mit so einer speziellen Hundetruppe teilt. Ob der stark sehbehinderte und demente Pekinese oder der blinde, aber trotzdem jagdbegeisterte Podenco aus Spanien, bei der Hundetrainerin Franziska Feldsieper geht’s rund. Der Titel „Sind das alles Ihre?!“ ist gleichzeitig der Satz, den sie und ihre Lebensgefährtin oft hören, wenn sie mit der ganzen Truppe unterwegs sind. Mit gekonntem Wortwitz erzählt Feldsieper in 22 Kolumnen, wie mal chaotisch und nervenaufreibend, mal zum Schreien komisch, aber immer spannend das Leben ist, wenn die eigenen Hunde blind, taub, geistig behindert oder einfach „nur“ alt und tüddelig sind. Aber auch umstrittene Themen wie „Alpha-Status“ und umstrittene Erziehungsmethoden nimmt sie sati(e)risch unter die Lupe. In Ihren äußerst amüsanten Kolumnen, die durch Fotos und Cartoons ergänzt werden, erkennt sich auch derjenige wieder, der „nur“ einen Hund hat. Vergessene Fischleckerchen in der Tasche der guten Jacke, pubertierende Junghunde, Betteln bei Tisch, Pannen bei der Erziehung — auch einer Hundetrainerin passieren Peinlichkeiten und dazu steht Franziska Feldsieper ganz offen. Erfrischend ehrlich und augenzwinkernd selbstkritisch bringt sie ihre Leser immer wieder zum Lachen und zum erleichterten Aufseufzen „Gott sei Dank passiert das auch den Profis!“. Über allem aber steht bei Feldsieper die absolute Liebe zu Hunden und das klare Bekenntnis, fair und freundlich mit den bellenden Vierbeinern umzugehen.

Leseprobe

Unser schöner Garten
oder Man kann nicht alles haben

„Guten Tag, mein Name ist Lydia-Lara Müller von der Verlagsgruppe XY. Spreche ich mit Frau Feldsieper persönlich?“ Ich hatte lange genug im Callcenter gearbeitet um nicht in weniger als einer Sekunde zu erkennen, dass dies ein Werbeanruf war. Die freundliche Dame bemerkte, dass ich ja schon sehr lange Kundin war und wollte schon zu weiteren, mich wohlwollend und kauffreudig stimmenden Nettigkeiten ausholen, als ich sie freundlich, aber deutlich unterbrach:“ Welche Sonderangebote haben Sie denn diesmal für mich?“ „Wir haben uns ein besonderes Schnäppchen für Sie ausgesucht, Frau Feldsieper, das Sie interessieren könnte. Haben Sie einen Balkon oder einen Garten?“
„Ja, beides, aber der Balkon ist winzig. Der Garten ist passabel. Aber vor allem habe ich sechs Hunde.“ „Oh, wie schön! Dann haben Sie ja sicher auch Interesse an kreativen Ideen zur Gestaltung und Verschönerung Ihres Gartens!“ freute sich Lydia-Lara Müller und mit diesem Satz outete sie sich als ganz klar unerfahren im Umgang mit vielen Hunden. Ich lachte und versicherte ihr, dass kein noch so begabter Fachredakteur oder Gärtner meinen Hunden in Sachen kreativer Gartengestaltung das Wasser reichen könne. Und dass mir ein einigermaßen übersichtliches Stückchen Landschaft schon reiche. Ob sie sich wohl vorstellen könne, wie ein Blumenbeet aussehe, durch das ein geistig behinderter und einseitig blinder Beaglemischling mit der Durchschlagskraft eines Panzers pflüge. Konnte sie nicht, wie auch, das musste man gesehen haben.

Unser Garten ist nicht wirklich groß zu nennen, so um die 150 Quadratmeter. Und er ist rein gestalterisch eher „urig und rustikal“ zu nennen. Wir haben viele Blumen und Büsche. Phlox, Rittersporn, Bauernrosen, Rhodendron, Himbeeren und noch etliche Sträucher, deren Namen ich nicht mal ansatzweise kenne. Jedenfalls haben wir Pflanzen in ganzer Pracht immer am Anfang der Gartensaison.

Doch je später das Jahr, desto zerrupfter die Rabatten. Nicht, dass unsere Hunde graben würden, nein, das tut keiner von ihnen und das würde ich auch ganz klar unterbinden. Auf dem direkten Weg nach Australien geht es schließlich nicht in unserem Garten, sondern am Flughafen. Aber sie nehmen halt ihre eigenen Wege durch den Dschungel. Warum außen herum laufen, wenn man am Rittersporn gepinkelt hat und wieder auf die Terrasse will? Der direkte Weg durchs Beet ist doch viel schneller und außerdem lustiger und man bekommt als Nasentier dann noch mal einen Schwung mehr Gerüche in den Rüssel. Und ehrlich gesagt sieht es schon zum Totlachen aus, wenn die Pflanzen schwanken wie bei einem Hurrikane und dann ein begeisterter Hund mit einem dicken Grinsen im Gesicht aus dem Urwald auftaucht. Und wenn ich Rasen mähe, was ja leider sein muss, bei unserer verwinkelten Ansammlung von Beeten aber eine eher diffizil zu nennende Aufgabe ist, dann schneide ich die Kanten auch nicht mit der Nagelschere. Da wird ratzfatz mal ein Stückchen ins Beet gefahren und schon ist der Rasen auch an der Kante kurz und die eine oder andere Pflanze fand einen frühen Tod. In den ersten Jahren unserer Beziehung hat Michi noch die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, denn sie steht prinzipiell auf gepflegte Rabatten, aber inzwischen hat sie es aufgegeben. Und spätestens seit dem Einzug Tacos in unser Leben ist es sowieso eine absolute Engergieverschwendung, sich über abgebrochene Pflanzen Gedanken zu machen. Er ist kein Rüpel, er ist ein Grobmotoriker und Meisterscharrer, so dass auch der Rasen regelmäßig gründlich, aber leider nur sehr oberflächlich vertikutiert wird. Auf dem rechten Auge ist er blind, so dass Pflanzen, die rechts vom ihm stehen, dann schon mal versehentlich umgenietet werden. Und mit Suertes Adoption ist es auch nicht besser geworden, denn so manchen Ast eines Busches bemerkt auch er erst, wenn er ihn abgebrochen hat. Der geneigte Leser darf dreimal raten, welches Schicksal dekorative Gartenkugeln, Zierigel aus Ton oder bunte Windräder ereilen würde.

Was wir dieses Jahr aber wohl höher legen sollten, sind die Nutzbeete für Kräuter und Salat. So unempfindlich wir in Sachen Rustikalgarten inzwischen auch geworden sind, so pingelig sind wir dann doch, was die Wahl der Gießflüssigkeit angeht. Wasser aus der Leitung ist okay, auch aus der Regentonne nehmen wir es gern, aber direkt aus dem Hund auf den Salat, das ist nicht so unser Ding. Bislang war es kein Problem, der größte Hund war Wonda und als Dame war sie des Pinkelns auf drei Beinen zwar durchaus mächtig, aber das machte sie nur außerhalb. Und selbst wenn sie versucht hätte, das Frühbeet zu markieren, hätte sie es vielleicht daran geschafft, aber auf keinen Fall hinein. Suerte hat 68 Zentimeter Rückenhöhe mit Wasserauslass in entsprechender Höhe… Es kann ja sein, dass Petersilie mit Naturbewässerung lecker ist, aber ich mag es nicht mal versuchen. Da bin ich eigen.

Ich schilderte Lydia-Lara die Lage. Sie sah ein, dass weitere Versuche, mir das Abo schmackhaft zu machen, fruchtlos sein würden und wir beendeten das Gespräch. Aber ich überlegte, ob ich nicht eine eigene Zeitung entwickeln sollte. „Hund und Garten“ oder so. „Wertvolle Tipps für ein harmonisches Miteinander von Hund und Grünzeug. Unser Topthema heute: „Buddeln, aber sinnvoll“.“ Das wär‘s doch, damit ließe sich doch Geld verdienen. Garten- und Hundefachleute würden zusammenarbeiten und sich Gedanken machen über Themen wie „Neuzüchtung ‘Ungiftiger Bux’, was wurde aus den Testhunden?“ oder „Der überspringsichere Zaun, taugt er wirklich was?“ oder „Stiefkind Löseplatz- pfiffige Verschönerungsideen fürs Geschäftseck“. Und im eigens dazu eingerichteten Onlineforum würden die User diskutieren, ob Selbstschussanlagen für Zaunkläffer nun tierschutzrelevant sind oder nicht.

Und ich dachte, wieviel einfacher es doch Hundler ohne Garten haben. Dass sie keine Küchenrollen neben der Eingangstür bereithalten müßten, um dem Weltmeister im „Ich bin so wichtig und muss nach dem Pinkeln immer mächtig scharren“ die Grass-Soden und Matschklumpen von den Krallen zu popeln. Dass sie nicht aufpassen müssen, dass ihr sprungkräftiger Hund lockeren Fußes über den Zaun hüpft um dem Nachbarhund Aug in Aug klarmachen zu können, dass er schon wieder viel zu dicht am Revier vorbeigelaufen ist und gefälligst seine Pipivisitenkarten woanders hinkleben soll. Dass Leute ohne Garten nicht in die Versuchung kommen, den Hund im Freien sich selbst zu überlassen und ihm erfolgreich beizubringen, dass man auch ohne seine Menschen viel Spaß haben kann mit adrenalinschubversprechenden Tätigkeiten wie Postboten verbellen, Nachbarskatzen aus dem Revier vertreiben oder Kuhlen graben und sich zum Dösen hineinzulegen. Was widerum dem Satz „Unser Hund schläft im Garten immer richtig tief“ eine ganz neue Bedeutung verleiht.

Ein Garten ist etwas Schönes, kein Zweifel. Ist doch herrlich, sich gemütlich die Sonne aufs Haupt scheinen zu lassen und dem ebenfalls dösenden Hund beim Träumen zuzusehen. Oder vor Schreck den Kaffee zu verschütten, wenn Bello der Nachbarkatze lautstark zeigt, wie schnell er von 0 auf 100 kommen kann, wenn sie versucht, das Erdbeerbeet zum Katzenklo umzufunktionieren. Aber Gartenbesitzer mit Hund sind im Interesse eines stabilen Nervenkostüms gut beraten, ihren Sinn für Perfektion etwas zu entschärfen und keine Energie darauf zu verschwenden, auf die abgezirkelte Umrundung der Rabatten zu bestehen und bei Abkürzungen mittendurch in Ohnmacht zu fallen oder gar den Hund drakonisch zu bestrafen. Ein wenig Gelassenheit ist angebracht. Es muss ja nicht so gelassen sein wie bei Bekannten von mir, deren zwei große Hunde den Garten mit kellertiefen Löchern versehen haben. Und die mir achselzuckend sagten „Wir haben jetzt „Mein schöner Garten“ abbestellt. Wir lesen jetzt „Truppenübungsplatz aktuell“.

Isarhunde lesen: „Pecorino. Weisheiten eines Hundes von Welt”

Toni Anzenberger Pecorino: Weisheiten eines Hundes von Welt

Mischlingsrüde Pecorino ist weit gereist und weiß ganz genau, wie die Welt funktioniert. Seine gesammelten Weisheiten gibt er in diesem beindruckenden Bildband zum Besten.

Wenn jemand von sich behaupten kann, ein Hund von Welt zu sein, dann der Mischlingsrüde Pecorino. Gemeinsam mit seinem Herrchen, dem Fotografen Toni Anzenberger, ist er zu den schönsten und beeindruckensten Orten gereist. Egal ob Natur oder Kultur: Pecorino liebt alle Reiseziele! Und er findet noch in der kleinsten Kleinigkeit seine besondere Wahrheit.

In diesem aufwendig und liebevoll gestalteten Bildband weiht uns Pecorino in Wort und Bild in seine Sicht der Dinge ein. Die Perspektiven der Fotografien überraschen dabei oft genau so wie die des tierischen Ich-Erzählers. Die visuellen und verbalen Beobachtungen verblüffen, erfreuen, bezaubern und inspirieren. Gemeinsam mit dem Vierbeiner gilt es die Schönheit und die Besonderheit in den Dingen zu entdecken, die Toni Anzenberger treffend, scharfsinnig und liebevoll in einzigartigen Bildmomenten festhält.

Olympiastadion, Monopteros oder Cuvilliés Theater: Auch die Isarmetropole stand auf Pecorinos Reiseplan. Ebenso wie Paris, Madrid, Lissabon, Rom oder London. Neben Stadtbildern finden sich viele Landschaftsaufnahmen, die die Fellnase entscheidend bereichert. Hund, Kultur, Natur – in diesem Bildband gehen sie eine wunderbare und absolut sehenswerte Symbiose ein

Reinschnüffeln erwünscht! Hier geht es zur Vorschau: http://b2l.bz/6EsoGT.

 

Toni Anzenberger Pecorino: Weisheiten eines Hundes von Welt

Über den Fotografen und seinen Hund: Toni Anzenberger ist Fotograf mit Schwerpunkt Reise- und Reportagefotografie. Er lebt in Wien. Seinen Mischlingshund Pecorino brachte er 1998 aus Italien mit. Seither reisen die beiden gemeinsam durch die Welt. Pecorino dient seinem Herrchen als Muse und Model, das sich in den unterschiedlichsten Gegenden und Situationen in Pose wirft.

Toni Anzenberger
Pecorino: Weisheiten eines Hundes von Welt*
Knesebeck Verlag
ISBN 978-3-86873-021-0
92 Seiten, Hardcover. Mit 110 farbigen Abbildungen.
19,95 Euro (D) / 33,50 sFr (CH)

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