Wandern im Herbst – eine Hassliebe

Der Herbst ist die wohl mit Abstand schönste Jahreszeit zum Wandern. Zugegeben: Ich kann auch, bis auf den Hochsommer, jeder anderen Saison etwas abgewinnen: den unberührten, in der Sonne glitzernden Schneedecken im Winter, dem zarten Grün im Frühjahr und den Sommerblumenwiesen im Sommer. Aber der Herbst mit seinem Farbenspiel, seiner frischen, klaren Luft und seinem goldenen Licht bleibt einfach etwas ganz Besonderes. Noch dazu sind ab Ende September die Kühe meist von den Almen runter, sodass auch die von mir liebevoll „behufte Mörder“ genannten Wiederkäuer einer schönen Bergrunde im wahrsten Sinne des Wortes nicht im Wege stehen.

Der Herbst mit seinem bunten Laub macht jede Umgebung noch viel schöner – wie hier am Hackensee

Wenn nicht … ja, wenn da nicht diese Dinge wären, die Menschen wie mir das Wandern durch die bunten Herbstlandschaften erschweren würden. Da wären zum einen die unzähligen Menschen, die den Herbst ganz genauso wie ich am liebsten draußen in der Natur genießen. Kaum ist stabiles, gutes Wetter angesagt, strömen die Menschen in Scharen in Richtung der schönsten Ausflugsziele, um sich zu bewegen und die schönen Aussichten zu genießen. Manchmal, so hat man den Eindruck, bestehen diese Aussichten dann hauptsächlich aus in funktionale Kleidung gewandeten Zweibeinern, die sich die Wanderwege hinauf- und hinabschlängeln.

Und dann ist da noch dieser Faktor, der das ganze Wanderunterfangen zusätzlich erschwert: es wird auf einmal so früh dunkel! Spätestens nach der Zeitumstellung ist der Tag im gefühlten Nu wieder zu Ende. Ein Graus für Langschläfer wie mich, die gerne erst gegen Mittag am gewählten Wanderort aufschlagen, wenn alle anderen schon längst auf den Hütten angekommen sind und ihre Brotzeit machen, denn ab Mittag sind im Herbst nur noch kurze Runden möglich, bis zur letzten Talfahrt schafft man es womöglich auch nicht mehr rauf zur Seilbahn und überhaupt hat im dümmsten Fall auch schon die für die kulinarische Belohnung nach oder während der Tour ausgewählte Hütte bis zur Ankunft schon den Ausschank geschlossen – oder man wäre noch rechtzeitig, um etwas zu essen, hat aber keine Ruhe dafür, weil man ja vor Einbruch der Dunkelheit auch irgendwie wieder vom Berg herunter muss.

Die spektakulärsten Sonnenuntergänge im Herbst muss man nicht vom Berg aus beobachten – die sieht man auch im Tal (wie hier bei Reit im Winkl)

Für alle, die wie ich lieber einmal mehr den Snooze-Knopf drücken als sich in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett zu quälen, aber trotzdem nicht auf schöne Herbstausflüge verzichten wollen, habe ich ein paar Tipps und Gedanken gesammelt:

Urlaub in den Bergen machen

Wer kann, sollte sich am besten für ein paar Tage direkt in der Nähe des favorisierten Wandergebiets einquartieren – so spart man sich die lästige, und oft äußerst zeitraubende Anfahrt und kann sich auf das konzentrieren, was am meisten Spaß macht: das Wandern!

Weiterer Pluspunkt: Wenn man mehrere Tage in einer Region verbringt, wagt man sich eher von den allseits bekannten und beliebten Pfaden weg und lernst so lohnenswerte und weniger überlaufene Routen kennen, die man sich dann auch für Tagesausflüge merken kann.

Im Herbst heißt es auch: auf die Witterung achten! Oft kann man tagsüber noch im T-Shirt laufen, gegen Abend kühlt es jedoch schnell ab, da macht es sich gut, ein Fleece oder ähnliches dabei zu haben.

Langschläferziele auswählen

Kurze Touren müssen nicht langweilig sein. Es gibt ganze Bücher, die mit Inspirationen für Langschläfertouren (http://bruckmann.de/suchergebnis.cfm?quicksearch=langschl%C3%A4fer&x=0&y=0 ) gefüllt sind. Neben der Dauer der Tour sollte man bei der Auswahl auch auf die Anfahrt achten: empfehlenswert sind beispielsweise Ziele, die recht nah bei den Autobahnzubringern liegen, damit man nicht noch ewig über Land fahren muss.

Alles so schön bunt hier: Mika genießt den Herbst weniger wegen der vielen Farben als wegen der angenehmen Temperaturen.

Spontan sein und asynchron fahren

Wer einen Arbeitsgeber hat, der auch mal kurzfristig eingereichte Urlaubstage erlaubt, sollte unbedingt ein Auge auf die Wettervorhersage halten und sich mal einen spontanen Wandertag unter der Woche gönnen. Der große Vorteil neben den vermutlich deutlich leereren Wanderwegen: die Anfahrt dürfte deutlich schneller vonstattengehen, wenn man sich nicht gleichzeitig mit allen anderen Ausflugswilligen über A8, A95 oder A96 quält.

Wundervolle Wolkenformationen, Regen, Sonne und ein bisschen Magie – schon ist er da, der herbstliche Regenbogen (hier über dem Achensee in Tirol)

Es müssen nicht immer die Berge sein

Man muss nicht immer 100+ km fahren und zig Höhenmeter abreißen, um beeindruckende Naturschauspiele zu sehen. Auch in der näheren Umgebung finden sich Touren mit spektakulären Aussichten – sei es im Isartal, rund um Aying oder bei Fürstenfeldbruck, mal mit Blick auf die Alpen, mal ganz mit Blick auf die direkte Umgebung.

Um das Herbstwetter zu genießen, muss man nicht immer weit fahren – auch München und die direkte Umgebung bieten tolle Natur!

Routen mit einfachem Abstieg suchen

Natürlich möchte man möglichst bei Tageslicht wandern. Im Herbst dauert die Dämmerung aber verhältnismäßig lange. Sicherlich keine perfekten Sichtbedingungen für technisch schwierige Abstiege, aber ein Forstweg dürfte in der Dämmerung oder Dunkelheit, eventuell mit Unterstützung einer Stirnlampe, kein größeres Problem sein. Wenn man also gezielt Ausschau hält nach Touren mit leicht zu bewältigendem Abstieg, verlängert sich automatisch die Zeit, die man potenziell für seine Wanderung zu Verfügung hat.

Hinweis: In der Dämmerung und Dunkelheit ist mit deutlich mehr Wildaktivität zu rechnen. Das bedeutet zum einen, dass euer Hund auf den Wegen bleiben bzw. an der Leine geführt werden sollte. Außerdem solltet auch ihr als Zweibeiner Rücksicht nehmen und euch möglichst leise verhalten.

„Der Herbst steht auf der Leiter / und malt die Blätter an“, wusste schon Peter Hacks. Hier bei der Markbachjochkapelle.

Rosinen rauspicken

Seilbahnwandern geht gegen die Bergsteigerehre? Dann bleibt für die höheren Lagen nur: zeitig raus aus den Federn. Wer es mit der Ehre nicht so eng sieht, kann auch einige schöne Panorama-/Höhenwege mit Hilfe von Bergbahnen erwandern. Wichtig ist dabei nur: unbedingt vorher checken, ob die Bahn noch fährt (im November sind beispielsweise viele Bahnen in Revision) und zu welchen Uhrzeiten – im Zweifel kurz zum Hörer greifen und telefonisch anfragen!

Sich überwinden

Einfach mal den Wecker richtig früh stellen und die Überwindung beim Aufstehen mit einem grandiosen Sonnenaufgang in aufsteigenden Nebelschwaden vor Bergkulisse belohnen – ist natürlich auch eine Möglichkeit!

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