Münchens Wirtschaft verbindet man eher mit Laptop und Lederhosen als mit Leberwurstkeksen und Leinenmanufaktur. Doch auch die Tierbranche boomt in der bayerischen Landeshauptstadt und ihrem Umland – und bringt einige faszinierende Geschäftsideen, Produkte und Persönlichkeiten hervor. Grund genug, mal einen Blick auf Hundeunternehmen aus der Region und die Köpfe dahinter zu werfen.

Made in Munich: Boli Munich

 

1. Wer bist du und was ist dein Hundeunternehmen? Stell dich, deinen vierbeinigen Begleiter und deine Produkte oder deinen Service vor.

Mein Name ist Sidriti, kurz Sissi, und ich habe eine modische und sehr funktionale Softshelljacke für den modernen Hundehalter von heute entworfen. Inspiriert wurde ich von meinem, nun nicht mehr so kleinen Boli, einem Labrador-Mischling, daher auch der Name Boli Munich.

Sidriti und Boli von Boli Munich. Foto: Boli Munich
Sidriti und Boli von Boli Munich. Foto: Boli Munich

2. Wie bist du auf die tierische Geschäftsidee gekommen?

Die Jacke ist der klassische Fall, die Lösung für mein eigenes Problem zu finden. Zum einen habe ich den Bedarf gesehen, welchen Hundehalter – meiner Erfahrung nach – sehr oft haben: Immer vergisst man etwas für den Hund oder für einen selbst, wenn man endlich mit dem Hund eine schöne Runde laufen möchte. Leckerlies, Spielzeug, für eine plötzlich dunkel werdende Abendrunde das Licht, Wasser für beide, die Pfeife, dann natürlich die Schlüssel, Kopfhörer, Sonnenbrille, einen kleinen Snack usw. Und deshalb habe ich eine Jacke entworfen, die für all die erwähnten Dinge eine vorgesehene Tasche hat. Es gab schon Versuche auf dem Markt, dem Hundehalter das Leben einfacher zu machen, doch nichts in dem Maße, wie ich es jetzt getan habe.

Besonderen Wert legte ich allerdings auch auf das Design. Da ich aus der Modebranche komme, musste diese Jacke super modern, schön geschnitten und auch elegant aussehen. Neben den coolen Taschen-Gimmicks soll sie auch so hervorstechen. Als Stoff wählte ich Softshell, den man in der Regel während drei Jahreszeiten tragen kann und der auch sehr trendy ist. Das war quasi die Geburt meines Vorhabens.

Ohne es laut zu sagen, sogar ohne meinen Hund super zu tragen 😉

3. Wie sieht ein typischer Arbeitstag für dich und deinen Hund aus?

Wenn man so ein Geschäft in der Bekleidungsindustrie starten möchte, dann benötigt man für den Start schon eine Menge Exemplare, da die Produktion natürlich wirtschaftlich sein muss. Verschiedene Farben, Größen und Modelle fordern schon etwas Kapitaleinsatz.

Darum werde ich mit einer Crowdfunding-Kampagne bei Kickstarter beginnen, um mir so zum einen das erforderliche Geld zu besorgen, sprich die Produktion vorzufinanzieren, aber auch andererseits um wertvolles Feedback von Interessenten zu bekommen. Jetzt bin ich abgewichen 🙂 . Worauf ich eigentlich hinauswollte, ist der Punkt, dass ich oder wir noch kein wirkliches Tagesgeschäft oder typischen Arbeitstag haben und somit jeder Tag anders ist. Momentan müssen wir auf unser Produkt aufmerksam machen, darum wird viel Zeit in den sozialen Medien verbracht, PR Texte werden geschrieben und möglichst viele Meinungsbildner angefragt, die uns helfen können.
Was nutzt dir das beste Produkt, wenn keiner davon weiß…

Der Hund darf dabei nicht zu kurz kommen, und so sind wir jeden Tag noch lang genug draußen. Großer Pluspunkt ist dabei natürlich der direkte Kontakt mit unserer Zielgruppe, wobei einige Tipps sofort umgesetzt wurden. Klassische Win-Win-Situationen.

Teilweise ist es schon sehr, sehr anstrengend, aber ein Blick von Boli und ich weiß wieder, wofür es gut ist. Eine super Motivation.

Funktional und modern werden die Jacken von Boli Munich. Foto: Boli Munich
Funktional und modern werden die Jacken von Boli Munich. Foto: Boli Munich

4. Was macht München zu einem guten Standort für ein Hunde-Start-Up?

München ist eine super Stadt für Hunde. Ich wohne seit 2009 hier und muss sagen, dass in all den vorherigen Städten, den Hunden und Besitzern nicht annähernd so viel geboten wurde wie hier. Wundervolle Grünanlagen, immer nur wenige Minuten entfernt, die herrliche Isar besonders im Sommer und auch fast nur nette und tolerante Leute. Wirklich ein Traum, den man nicht mehr missen möchte.

Warum ein guter Standort? Nun ja, da es hier nun mal überdurchschnittlich viele Hundehalter gibt, kann man sehr gutes und auch bayerisch-ehrliches Feedback bekommen und man hat auch selbstverständlich eine sehr große, interessante und potente Käuferschicht direkt vor Ort. Aber da ich mit meinem „Unternehmen“ erst jetzt starte, kann ich noch keine großen Erfahrungen weitergeben. Werde aber in Zukunft gern Auskunft geben.

Die Boli Munich wird es in einer Version für Herren und in einer taillierteren Version für Damen geben. Foto: Boli Munich
Die Boli Munich wird es in einer Version für Herren und in einer taillierteren Version für Damen geben. Foto: Boli Munich

5. Wo trifft man dich und deinen Hund, wenn ihr gerade nicht am Schreibtisch sitzt?

Am liebsten fahre ich wenige Stationen mit der Bahn bis zur Fraunhofer Str. und gehe mit Boli flussaufwärts. Da der Kleine allerdings ziemlich neugierig ist und wirklich jedem Hallo sagen möchte, kann es im Sommer bei viel Betrieb schon nervig werden. Darum könnte der Stop auch Thalkirchen heißen. Außerdem sehr gern im nördlichen Englischen Garten.

Wenn es mal schnell gehen soll, Olympiapark oder Luitpoldpark. Dort findet Boli in der Regel immer Spielkameraden.

Mit Boli unterwegs in München. Foto: Boli Munich
Mit Boli unterwegs in München. Foto: Boli Munich

6. Und zum Abschluss: Hast du einen Tipp für alle, die sich gerne in der Hundebranche selbständig machen wollen?

Wie gesagt, ich bin selbst Neuling. Aber die Liebe zum Tier und zur Mode gab mir quasi den Weg vor. Abgedroschener Spruch, aber mach einfach, was dir Spaß macht, der Erfolg kommt irgendwann von selbst. Und was gibt es schöneres, als während eines herrlichen Spaziergangs mit seinem Hund andere Leute für sein Produkt zu begeistern.

Die besten Ideen entstammen tatsächlich aus eigenen Problemen. Und glaubt mir, diese Probleme haben viele andere auch, das habe ich selbst festgestellt.

Hallo, mein Name ist Alexandra. Vor sechs Jahren zog Mika, ein ungarischer Mischling, aus dem Münchner Tierheim zu mir in die Stadtwohnung. Seitdem machen wir auf sechs Beinen die Stadt und das Umland unsicher. Als Hundenärrin möchte ich auf Isarhunde.de andere Münchner Hundehalter über die "Hundeszene" der Stadt auf dem Laufenden halten, von Erlebnissen berichten und tierische Fundstücke vorstellen.

Antwort hinterlassen