Kennst du das? Ein fremder Hund kommt dir und deiner Fellnase entgegen. Dein Hund läuft erst noch freudig auf den Fremdling zu: „Oh, toll, da vorne kommt ein neuer Fellkumpel, mal sehen, wie der so drauf ist!“ Beim näherkommen dann: „Warte mal, hey, ist das wirklich ein Hund?!“ (der Trab verlangsamt sich und wird unsicherer). Noch etwas näher: „Ich weeeeeiiiiiß nicht, vielleicht ist das doch gar kein Hund…??“ (schaut sich nach Ausweichmöglichkeiten um). Kurz vorm Aneinandervorbeilaufen dann: „Das kann gar kein Hund sein, das ist auf jeden Fall ein Monster!“ (weicht in Riesenbogen aus). Und dann nachdem beide aneinander vorbei sind: (schnüffelt) „Hmmm… riecht aber irgendwie doch nach Hund… Mal sehen….“ (dreht sich um und schnüffelt dem anderen Hund hinterher).

Mika zeigt so ein Verhalten durchaus öfter. Besonders häufig, eigentlich fast immer bei brachycephalen Rassen: „Knautschnasen“ von French Bully über Boston Terrier bis Boxer findet Mika einfach unheimlich. Und das ist auch schon das Stichwort: unheimlich! Also nicht heim(e)lich, sprich: nicht vertraut. Ich gehe stark davon aus, dass Mika in seiner ‚Kindheit und Jugend‘ in Ungarn wenig bis gar keinen Kontakt zu Hunden dieses Typs hatte. Er kennt solche Artgenossen also nicht und kann sie offensichtlich nicht gut einschätzen.

Mittlerweile kann ich recht gut einschätzen, mit welchem Hund Mika gut auskommen wird: Es sind meist solche, die ihm ähnlich sind. Je öfter er aber den ein oder anderen „unheimlichen“ Hund trifft, desto gelassener wird er bei den Begegnungen – er hat dann schließlich schon mehrmals festgestellt, dass es sich wohl doch nicht um ein Monster handelt.

Viele Hunde zeigen mehr oder weniger „rassistische“ Tendenzen. Oft sind diese auf mangelnde Erfahrung mit bestimmten Hundetypen zurückzuführen, manchmal auch auf schlechte Erfahrungen und meist spielen Verständigungsschwierigkeiten eine große Rolle dabei. Klar ist: Was man nicht kennt, kann einem Angst machen. Vorsicht in unbekannten Situationen oder gegenüber unbekannten Lebewesen kann auch evolutionär gesehen Sinn machen: Was, wenn es eben doch ein Monster ist, das einem gegenübersteht und das sich bloß als Hund verkleidet hat, aber einem doch ans Leder will?

Hunde, die (vor allem) in ihren frühen Jahren viele gute Erfahrungen mit Unbekanntem gesammelt haben, tun sich da bedeutend leichter: Sie können Unbekanntem gelassener begegnen, denn sie haben gelernt, flexibel zu reagieren. Sie sind möglicherweise auch vorsichtig, aber nicht ängstlich. Sie sorgen sich nicht, was alles sein könnte, sondern versuchen herauszufinden, was wirklich ist. Ein großer Vorteil in ihrem Leben, da sie viel weniger (durch Angst ausgelöstem) Stress ausgesetzt sind – und der Grund, warum sich verantwortungsbewusste Züchter und Hundehalter so sehr um eine gute Sozialisation ihrer Hunde bemühen.

Für ein buntes Miteinander - Sei kein Rassist
Für ein buntes Miteinander – Sei kein Rassist

Wie ihr euch denken könnt, findet man diese Angst vor dem Unbekannten nicht nur bei unseren Hunden. Im Gegensatz zu uns Menschen schaffen sie es aber zumeist, einfach einen Bogen zu schlagen und weiter ihres Weges zu gehen, wenn sie einem ungeliebten Unbekannten bgegnen und die Möglichkeit dazu haben. In den letzten Tagen hat sich mal wieder massiv gezeigt, wo diese – im schlimmsten Fall noch gepaart mit Engstirnigkeit und kompletter Empathielosigkeit – hinführen kann. Da werden Frauen und Kinder, die auf der Flucht aus Kriegsgebieten sind, drangsaliert. Da brennen wieder einmal Flüchtlingsheime, begleitet vom Johlen der Schaulustigen. Angst vor dem Unbekannten? Ausländerhass? Ich wünschte, die Leute, die in Clausnitz und Bautzen, Freital und Heidenau und wo sie sonst noch ihr Unwesen treiben, hätten einmal etwas anderes kennengelernt als nur ihr Kleinklein. Als „Deutschland den Deutschen“ und „Wir sind das Volk“. Als den völlig irrationalen Drang, ihre gar nicht bedrohte Existenz sichern zu müssen. Zum Beispiel etwas wie „Wir alle sind Menschen und verdienen als solche behandelt zu werden“. Zum Beispiel „Man kann ja zumindest mal abwarten und schauen, ob sich diese Lebewesen, die aussehen wie Menschen, auch als solche erweisen und nicht als Monster.“ Zum Beispiel Mitgefühl.

Ich wünsche mir inständig, dass sich ein Mindestmaß an Toleranz, Verständnis und wenigstens die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, durchsetzt. Dass Menschen, die nach Deutschland kommen aus Furcht um ihr Leben, hier nicht der Angst und dem anscheinend daraus resultierenden Hass anderer Menschen ausgesetzt sind. Dass ein friedliches Miteinander oder wenigstens Nebeneinander möglich wird.

Eines ist jedenfalls ganz klar: Braune Hosenscheißer haben in meinem Umfeld nichts zu suchen. Und ich hoffe, du siehst das ganz genauso!

Hallo, mein Name ist Alexandra. Vor sechs Jahren zog Mika, ein ungarischer Mischling, aus dem Münchner Tierheim zu mir in die Stadtwohnung. Seitdem machen wir auf sechs Beinen die Stadt und das Umland unsicher. Als Hundenärrin möchte ich auf Isarhunde.de andere Münchner Hundehalter über die "Hundeszene" der Stadt auf dem Laufenden halten, von Erlebnissen berichten und tierische Fundstücke vorstellen.

3 Comments

  1. Anika Sagt Antworten

    Hey,

    du hast so Recht!

    1992 stand Rostock vor der selben Situation. Damals haben Sie das so genanntes Sonnenblumenhaus angezündet, darin Flüchtlinge, davor Ich-bin-ja-kein-Nazi-ABER-Menschen.
    Warum lernen wir nicht aus der Vergangenheit? Wir sind das Volk. Ja, das sind wir. Das sind wir mit all unseren Farben.
    Ich komme aus einem Ort, der früher sehr rechts angehaucht war und trotzdem sind die gern Döner essen gegangen und haben sich ihre Reißverschlüsse im billigen vietnamesischen Laden nähen lassen. Dafür waren alle „Ausländer“ willkommen.

    Fremdenhass ist einfach dumm und ein Deutscher, der klaut und vergewaltigt begeht keine Straftat eines anderes Maß als ein Mensch aus einem anderen Land, egal ob Brite, Syrier, Amerikaner oder Afghane.

    Vielleicht ist der Film „Wir sind jung. Wir sind stark.“ Was für dich!

    Danke für deine Worte.

    Anika

  2. Severine Sagt Antworten

    Ein toller Artikel und ein nachahmenswertes Beispiel!
    Danke dafür Alexandra, danke fürs Anschieben …

    herzlichst
    Severine

  3. Kathy Sagt Antworten

    !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    mehr kann ich dazu gar nicht sagen. das hast du super auf den punkt gebracht. wunderbarer post! ganz im ernst!
    liebe grüße, kathy

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