vermenschlichen
ver¦mensch¦li¦chen [V.1, hat vermenschlicht; mit Akk.] mit menschlichen Eigenschaften, menschlicher Denkweise ausstatten, menschlich machen, dem Menschen angleichen; Tiere in einer Erzählung (zu sehr) v.
(Enzyklo.de via Spiegel Wissen)

Die Angst vor der Vermenschlichung von Tieren dürfte (gleich nach der Religion) der Hauptgrund gewesen sein, dass ihnen so lange Individualität, Intelligenz und Emotionen abgesprochen wurden: Auch die Wissenschaft hat sich hier lange schwer getan. Versuche wurden möglichst objektiv(ierend) angeordnet, unter klinischen Bedingungen, sodass die Messwerte für sich stehen und bloß kein Hineininterpretieren seitens des Versuchsleiters möglich sein kann. Zum Glück wissen wir heute nicht zuletzt durch die ethologische (Feld-)Forschung und die Erkenntnisse der Neurowissenschaft mehr und können in Bezug auf unsere Hunde sagen, was wir als Hundehalter natürlich schon immer wussten: Hunde sind vergleichbar intelligent wie Kleinkinder, haben individuelle Persönlichkeiten, einen Sinn für Gerechtigkeit, sind fühlende und nicht zuletzt mit-fühlende Lebewesen.

Mensch, Hund!
Mensch, Hund!

Das böse V-Wort dürften viele Hundehalter schon einmal gehört haben – selbstverständlich als Vorwurf, ab und an vielleicht auch mit einem Augenzwinkern. Gemeint ist häufig mehr der Umgang mit dem Hund, das Verwöhnen, das hin und wieder nicht-mehr-artgerechte Ausmaße annimmt, als das Zusprechen von „menschlichen Eigenschaften“ (die ja, wie die Forschung zeigt, schlichtweg doch nicht so rein-menschlich sind). Manchmal werden einem auch die Gefühle, die man seinem Hund entgegenbringt, zum Vorwurf gemacht, die Sorgen, die man sich macht, vielleicht auch die Trauer, die man empfindet, wenn . Natürlich gehen Hundehalter gerne noch einen Schritt weiter – kein Wunder, denn zum einen leben wir sehr eng mit unserem ‚Haustier‘ zusammen, zum anderen ist es für uns so wichtig, dessen Persönlichkeit gut einschätzen und Verhalten lesen zu können, um im täglichen Miteinander in der ‚Außenwelt‘ gut zurechtzukommen.

So richtig auf die Spitze getrieben hat es Mara vom Blog Portraits von Mensch und Tier: Aus einem Gedankenspiel wurde das „Projekt Vermenschlichung“, in dem sie Hunde als Menschen zeichnet, basierend auf der Beschreibung des Charakters durch die zweibeinigen Begleiter. Ich finde das Projekt ganz bezaubernd, denn es spielt mit dem Klischee des vermenschlichenden Hundehalters, der nicht sieht, dass sein Hund keine Puppe ist, es ist ein spannendes Experiment, wie die Charakterbeschreibung künstlerisch umgesetzt wird und schließlich fordert es dazu auf, sich mal auf eine andere Art und Weise mit der Persönlichkeit des eigenen Hundes zu beschäftigen.

Und die Frage lässt mich nicht mehr los: Wie wäre Mika als Mensch? Eine wirklich schwierige Frage, denn wo ich meinem Hund einen facettenreichen Charakter zugestehe, fällt es mir schwer, diese unter einen menschlichen Hut zu bringen und ein Bild vor meinem inneren Auge entstehen zu lassen… Einen Versuch habe ich dennoch gewagt!

Mensch, Mika!

Wo fängt man an? Vielleicht mit dem Dauer-Witz: Mein Hund ist Engländer! Und das nicht nur, weil er für die Einführung des Linksverkehrs wäre und sein Steak nur „raw“ isst, sondern auch weil er so wunderbar blasiert schauen kann. Und wenn er so mit hochgezogener Augenbraue auf das Geschehen um ihn herum blickt, sagen die einen, dass sicher altes adliges Blut in seinen Adern fließt, die anderen, dass er ein ganz schöner Snob ist. In Wahrheit überspielt Mika auf diese Weise gerne einfach mal seine Unsicherheit und Schüchternheit.

Wenn er aber einmal auftaut, blitzt auch schon mal der Schalk in seinen bernsteinfarbenen Augen und durch seine gediegene Fassade hindurch. Dann unterhält er seine Freunde gerne mal mit geistreichen Bonmots – und seiner leichten Ungeschicklichkeit, die ihm natürlich furchtbar peinlich ist. Für seine echten Freunde würde er übrigens jederzeit durchs Feuer gehen, auch wenn er ansonsten nicht unbedingt berühmt für seinen Mut ist.

Mika: Stiff upper lip oder doch einfach nur ein bisschen schüchtern?
Mika: Stiff upper lip oder doch einfach nur ein bisschen schüchtern?

Mika hat ein großes Ziel in seinem Leben: den Hunger auf der Welt zu besiegen! Dafür tüftelt er stunden- und tagelang in seinem Labor an seltsamen Apparaturen und vergisst dabei alles um sich herum. Dass er, um sein Ziel zu erreichen, auch vor kleineren Gaunereien nicht zurückschreckt (hey, der silberne Löffel würde doch ganz perfekt als Hebel an der Nutromagico3000 funktionieren und außerdem ist er sozusagen ganz von alleine vom Tisch in die Tasche gefallen…), liegt natürlich in seiner Geschichte begründet: Seine Familie gehörte nämlich zum verarmten Adel und er verbrachte einen Teil seiner Kindheit im Heim – wo er auch mit der ein oder anderen zwielichtigen Gestalt in Kontakt kam. Dort hat er außerdem eine Zähigkeit und Widerstandsfähigkeit erworben, die man ihm auf den ersten Blick gar nicht zutrauen würde (schon gar nicht, wenn er sich mal wieder vor seinem eigenen Schatten erschrickt).

Da Mika ja immer die Ergebnisse seiner Forschungsarbeiten ausprobieren muss und auch kein Jungspund mehr ist, gehört er nicht unbedingt zu den Schlanksten und Durchtrainiertesten. Richtig dick ist er nicht, aber ein kleines Bäuchlein kann er nicht mehr ganz verbergen. Seine Haare trägt er ein wenig länger, sie sind dicht und ganz leicht gewellt, dunkel und vielleicht schon mit den ersten grauen Strähnchen durchzogen, ein bisschen so wie Hugh Grant. Er trägt natürlich klassisch englische Kleidung, Tweed, aber alles schon etwas abgenutzt.

Mika wirft mal einen Blick auf seine Ländereien: Ist da hinten etwa ein Eindringling?
Mika wirft mal einen Blick auf seine Ländereien: Ist da hinten etwa ein Eindringling?

Wenn Mika gerade nicht mit seiner Tüftelei beschäftigt ist, sitzt er auch gerne auf dem Hochsitz oder auf einer schönen Bank am Hügel und blickt auf seine Ländereien. So gerne er das tut, so viel Wert legt er dabei aber auch auf Ungestörtheit: Wenn jemand unangemeldet über seinen Grund und Boden läuft, fängt er sich sicher erst mal einen Rüffel ein („Diese rücksichtslosen Städter, immer trampeln sie mir auf meinen Wiesen rum…“) – eigentlich die einzige Gelegenheit, wo er mal schlechte Laune zeigt. Wenn der unbescholtene Wanderer dann aber freundlich grüßt und zügig aus dem Blickfeld verschwindet, ist Mika auch schon wieder besänftigt.

Und euer Möter*?

Mich würde ja brennend interessieren, was Mika zu seiner Charakterisierung sagen würde. Und ob Menschen, die ihn kennen, ihn ähnlich sehen oder doch ganz anders?

Und wie ist es bei euren Hunden? Fällt euch eine menschliche Geschichte zu ihnen ein? Vielleicht habt ihr ja auch Lust, mal eine kleine fiktive Biographie für sie zu schreiben? Ich würde mich freuen!


* Möter, der: Halb Mensch, halb Köter. Ist sein eigener bester Freund.

Hallo, mein Name ist Alexandra. Vor sechs Jahren zog Mika, ein ungarischer Mischling, aus dem Münchner Tierheim zu mir in die Stadtwohnung. Seitdem machen wir auf sechs Beinen die Stadt und das Umland unsicher. Als Hundenärrin möchte ich auf Isarhunde.de andere Münchner Hundehalter über die "Hundeszene" der Stadt auf dem Laufenden halten, von Erlebnissen berichten und tierische Fundstücke vorstellen.

One Comment

  1. Neuzugänge von Puppy & Prince – mit Verlosung* | Isarhunde Sagt Antworten

    […] Set aus Hundehalsband und -leine „Houndstooth“ passt, wie ich finde, sehr gut zu seinem eigentlich ‚englischen‘ Wesen (und dem irgendwie ‚britischen‘ Wetter momentan) passt. Das Hahnentrittmuster passt […]

Antwort hinterlassen