Alles im grünen Bereich: Hundekot nachhaltig entsorgt?

Kurz nach meinem Bericht über die Poop Bag Map und die neu entwickelten biologisch abbaubaren Hundkotbeutel, die Hintergrund zu der Aktion sind, habe ich im Englischen Garten einen Kotbeutelspender entdeckt, der verspricht: „I’m green“. Das war natürlich erst einmal Anlass zur Freude – eine spätere Recherche zeigte aber, dass die Beutel erstens nicht der Aufschrift entsprachen und zweitens ’nur‘ aus Reciclyng-Kunststoff hergestellt, nicht aber biologisch abbaubar sind. Über rohstoffsparendes Recycling möchte ich mich natürlich keinesfalls beschweren, da es aber auch von Seiten der Leser einige Fragen rund um das Thema Plastik- vs. kompostierbare Kotbeutel gab, nehme ich das zum Anlass, mal ein bisschen mehr dazu zu schreiben.

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Das Plastik-Problem

Herkömmliche Hundekotbeutel bestehen in der Regel aus Polyethylen (PE), das Material, aus dem beispielsweise auch die meisten Einkaufstüten bestehen, über die ja derzeit im Rahmen eines EU-Vorstoßes („Richtlinie zur Reduzierung des Plastiktütenverbrauchs“) breit diskutiert wird, denn sie tragen maßgeblich zur Müllbelastung bei: Allein in Europa werden jährlich etwa 46 Millionen Tonnen Plastik verbraucht, davon entfällt etwa ein Zehntel auf Plastiktüten.

PE ist wie die meisten Plastik-Arten äußerst langlebig und kann nicht biologisch abgebaut werden. Es zerfällt, wenn es in der Natur zurückgelassen wird, lediglich in immer kleinere Teile (Mikroplastik), die in mikroskopischer Größe zwar irgendwann nicht mehr sichtbar sind, aber in den Naturkreislauf gelangen, etwas über Futteraufnahme bei Tieren oder durch Einsickern in das Grundwasser.

PE wird aus Ethylen hergestellt, das wiederum aus Erdöl und Erdgas gewonnen wird.

Sicherlich sind Hundekotbeutel nicht der größte Verursacher des Plastikmüllproblems, aber ein eigentlich vermeidbarer (wie auch Plastik-Einkaufstüten meist vermeidbar wären). Doch was sind die Alternativen?

Rein und sauber? Herkömmliche Hundekotbeutel aus PE
Rein und sauber? Herkömmliche Hundekotbeutel aus PE

Alternative Materialien

Recycling-Plastik

Durch Recycling von Plastik lässt sich der Rohstoffverbrauch deutlich reduzieren. PE lässt sich einigermaßen sinnvoll recyclen, denn es fällt in ausreichend großen Mengen als Abfall an: So sind zum Beispiel viele Plastik-Trinkflaschen sowie Frischhaltefolien im Lebensmittelbereich aus PE (bzw. PET) und werden recycelt. Problematisch ist eher – aufgrund ihrer unterschiedlichen Zusätze wie beispielsweise Weichmacher – die Vermischung verschiedener Plastikarten beim Recyclingprozess. Hier sind also auch die Verbraucher gefragt, den Müll zu trennen, um den Recyclingprozess zu verbessern!

Hundekotbeutel wirft man aber natürlich nicht in den Gelben Sack / Tonne / Container, sondern in den Restmüll. Sie gehen also nicht dem Recycling-Prozess zu. Und im Gegensatz zu Einkaufstüten kann man sie auch nicht mehrmals verwenden und dadurch ihre Ökobilanz verbessern. Die Produktion von Tüten aus Kunststoff mit ab 70 % oder höherem Anteil an recyceltem Plastik hat laut Deutscher Umwelthilfe eine verhältnismäßig gute Ökobilanz, was die CO2-Emissionen angeht. Sie sind also schon mal die bessere Wahl als herkömmliches Plastik. Leider gibt es, soweit ich es herausfinden konnte, keine einheitliche Kennzeichnung für Tüten mit einem so hohen Anteil an recyceltem Material.

Bioplastik (Plastik aus nachwachsenden Rohstoffen)

Das sogenannte Bioplastik ist eigentlich häufig ebenfalls PE – dieses wird jedoch aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais oder Zuckerrohr hergestellt. Was sich zunächst gut anhört, erweist sich bei genauerem Hinsehen aber oft als wenig sinnvoll: Das Material benötigt immer noch eine Menge Energie und (beim Anbau der Rohstoffe) Wasser bei der Herstellung, ist schlechter recycelbar (und verschlechtert auch die Recycelbarkeit von herkömmlichem PE, wenn es zusammen entsorgt und recycelt wird). Bioplastik ist nicht biologisch abbaubar.

Auch hier gibt es keine einheitliche Kennzeichnung des Materials auf Verpackungen usw., jedoch werben die Hersteller gerne mit dem grünen Image, das nachwachsende Rohstoffe mit sich bringen, sodass man das Bioplastik meist gut identifizieren kann.

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Kompostierbares / biologisch abbaubares Plastik (Polymilchsäure PLA)

Anders als der Name suggeriert, kann man Tüten aus kompostierbarem Plastik nicht einfach auf den heimischen Kompost (und schon gar nicht in Wald und Flur!) werfen: Das Material Polymilchsäure (PLA) wird ebenfalls auf Basis von Mais oder Zuckerrüben hergestellt (was dementsprechend wieder zu dem anbaubedingten Energie- und Wasserverbrauch führt). Es ist weniger hitzebeständig als herkömmliches Plastik und zerfällt unter Hitze langsam. Der Abbauprozess lässt sich nur in einer industriellen Kompostanlage durchführen. Was die Ökobilanz im Vergleich zu normalem PE angeht, ist man sich noch uneins – das Umweltbundesamt steht „der Produktgruppe der biologisch abbaubaren Kunststoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe“ derzeit „zurückhaltend bis ablehnend gegenüber“, da insbesondere die langfristigen ökologischen Auswirkungen noch nicht abzusehen sind.

Ein weiteres Problem ist die tatsächliche Kompostierung des biologisch abbaubaren Plastiks: Hier fehlt es noch an der passenden Technik auf Seiten der Entsorger, so landet biologisch abbaubarer Plastik derzeit noch meist gemeinsam mit seinen nicht-abbaubaren Verwandten einfach in der Verbrennungsanlage. Nicht zuletzt entsteht bei der Kompostierung der biologisch abbaubaren Plastiktüten kein Humus oder Nährstoffe, sondern lediglich CO2 und Wasser, sodass die energiegewinnende Verbrennung des Materials eventuell sogar die bessere Wahl ist.

PLA läuft außerdem unter der Recycling-Kennzeichnung „O“ für „Other“, sodass es sich für Verbraucher nicht einfach anhand des Recycling-Codes identifizieren lässt.

Papier / Karton

Papier hat natürlich den großen Vorteil, dass es biologisch abbaubar ist. Jedoch ist die Produktion bei geeigneter Papierstärke ebenfalls umweltbelastend, sodass eine Papiertüte im Verhältnis zur Plastiktüte erst gewinnt, wenn sie mehrmals genutzt wird – was beim Einsatz in der Hundekotentsorgung kaum vorstellbar ist. Sinnvoll können Papiertüten aus recyceltem Papier sein.

Die Krux: Einweg

„Der beste Abfall ist der, der überhaupt nicht entsteht.“ – ein wunderbares Motto, das man sich bei seinem nächsten Einkauf (natürlich mit griffbereitem Jute-Beutel!) wirklich zu Herzen nehmen sollte. Bei Hundekotbeuteln ist aber im Gegensatz zu Einkaufstüten die große Krux, dass man diese nur einmal verwenden kann und sie danach im Müll landen, was ihre ökologische Verträglichkeit enorm reduziert. In der Regel werden sie in der Verbrennungsanlage landen, da sie im Restmüll entsorgt werden. Hier tragen sie zumindest zur Energiegewinnung bei.

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Da fragt man sich doch hin und wieder, ob ‚Liegenlassen‘ nicht die umweltfreundlichere Alternative wäre? Aber abgesehen von den ästhetischen Auswirkungen und dem Problem der Begehbarkeit von Wiesen (wer tritt schon gerne in einen Hundehaufen?!), bringt dies natürlich auch potenzielle Gesundheitsgefahren für Mensch und Tier (z. B. durch Wurmbefall oder Giardien) mit sich. Also auch keine Lösung.

Weiterhin wird an neuen Materialien geforscht, das Plastik-Problem geht schließlich alle an. Nicht zuletzt für den Einzelhandel und seine Einkaufstüten ist die Forschung enorm wichtig in Hinblick auf mögliche Umweltschutz-Verordnungen in der Zukunft. Wenn hier ein Durchbruch gelingt, ist dieser voraussichtlich auch für Hundekotbeutel einsetzbar.

Was der Markt derzeit schon an Produkten für Hundehalter bereithält, stelle ich euch bald in einem neuen Artikel zusammen.

Nachtrag: Werft auch einen Blick in die Kommentare – dort hat Arne von der Poop Bag Map noch einige Informationen ergänzt!

Nachtrag 2: Im Blog der Poop Bag Map ist ein informativer Artikel erschienen, der vor allem hilft, die Unterschiede zwischen Biokunststoff und Biokunststoff zu verstehen (das ist nämlich in der Tat verwirrend und auch wenn ich versucht habe, es in meinem Beitrag zu ent-wirren, fasst dieser Artikel es sehr gut nachvollziehbar zusammen. Auch gibt es hier eine Erläuterung, warum es sinnvoll ist, im Bereich der Hundekotbeutel auf kompostierbare Materialien zu setzen.

3 Antworten auf „Alles im grünen Bereich: Hundekot nachhaltig entsorgt?“

  1. Hallo Alexandra,

    schön, dass du dich intensiver mit der Thematik beschäftigst! Da ich mir ja auch jede Menge Gedanken gemacht habe, hier noch zwei Anmerkungen: 1.) Kannst du bei deinem Überblick noch die oxo „abbaubaren“ Beutel mit aufnehmen, die sind ebenfalls recht verbreitet und werden oft als biologisch abbaubar beworben.
    2.) Biologisch abbaubar ist nicht = biologisch abbaubar. Damit der Abbauprozess funktioniert, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein, je nach Produkt können die benötigten Bedingungen sehr unterschiedlich ausfallen. Zum Beispiel gibt es Produkte, die dazu unter anderem Temperaturen von mindestens 60 oder 70° C benötigen, so dass der Abbau in der freien Natur schlicht nicht funktioniert. Es gibt aber auch Materialien, die seit einigen Jahren im Bereich der Heimkompostierung oder der Unkrautfolien erfolgreich eingesetzt werden, bei denen sich also auch in der Praxis gezeigt hat, dass der Abbau unter hiesigen Wetterbedingungen funktioniert. Das Problem dabei ist, dass jedes Material einzeln in Bezug auf seine Abbaubarkeit untersucht werden muss. Ich werde in dieser Woche noch einen Gastbeitrag auf http://www.poopmap. de zu dem Thema veröffentlichen.

    P.s.: Auf http://www.poopmap.de/deutsch/lösungsansätze/bio-hundekotbeutel/ siehst du zudem einen Folag Bio Hundekotbeutel im Abbauprozess in der freien Hamburger Natur, bei dem eindeutig zu sehen ist, dass sich auch unter hiesigen Wetterbedingungen etwas tut (wenn auch langsamer als in der Kompostierungsanlage).

    Liebe Grüße,
    Arne Krämer

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