Anfang März erblühten in Regensburg strahlend-rote ‚Kacktüten‘ (oder, wenn man es etwas feiner ausdrücken will: Hundekotbeutel) auf einer der noch recht kahlen Grünflächen der Stadt: Der Regensburger Bernard Schweiger seiner Ehefrau Beate, selber Hundehalter, wollten mit ihrer ‚Kachtütenblüte‘-Aktion auf das Problem der gerne mal liegen bleibenden Hinterlassenschaften aufmerksam machen.

Ein Bild wie das der Regensburger Kacktütenblüte ist wohl das ‚Horroszenario‘ für Arne Krämer, dem Macher der Poop Bag Map. Denn ihm liegt ein anderes – oder vielleicht eher: erweitertes Anliegen am Herzen: Mit seiner virtuellen Sammlung und Kartierung von Fundstellen bereits eingetüteter Hundehaufen will der Hamburger auf die Umweltverschmutzung (ganz zu schweigen von der ästhetischen Fragwürdigkeit) aufmerksam machen, die das gedankenlose Zurücklassen der typischen Plastiktüten in der Natur verursacht. Herkömmliches Plastik (Polyethylen / PE), das dürfte bekannt sein, ist biologisch so gut wie nicht abbaubar, das heißt: Hat man einmal seinen gebrauchten Beutel im Gebüsch ‚entsorgt‘, dann liegt dieser voraussichtlich ‚für immer‘ dort – zwar wird PE spröde und zerfällt in immer kleinere Teile, jedoch können diese nicht zersetzt und in den natürlich Kreislauf geführt werden.

Die Poop Bag Map ruft dazu auf, Funde solcher (gerne ja auch roten und damit gut sichtbaren) achtlos weggeworfenen Hundekotbeutel zu dokumentieren und inklusive Foto und Fundstelle in der Fundstellen-Karte einzutragen. Nun fragt man sich vielleicht: Was soll das bringen? Ein weiterer Aspekt, der ein negatives Licht auf Hundehalter im Allgemeinen wirft? Die dann vielleicht wegen einem Punkt mehr auf der Liste an ‚potenziellen Hundehaltervergehen‘ angefeindet werden?

Arne Krämer möchte natürlich etwas ganz anderes erreichen: Sein Ziel ist es zum einen, bei den Hundehaltern selbst das Bewusstsein für die Umwelt-Folgen schärfen und damit zu einem verantwortungsvolleren Verhalten beitragen. Zum anderen sollen dadurch auch die externen Faktoren verbessert werden: So soll anhand der Karte erkennbar werden, an welchen Stellen es sinnvoll wäre, weitere Mülleimer aufzustellen. Zum anderen soll generell auf die Umweltbelastung durch die Nutzung von PE-Beuteln aufmerksam gemacht und auf Material-Alternativen aufmerksam gemacht werden. So gibt es ja bereits verschiedene Hundekotbeutel im Handel, die aus biologisch abbaubaren Materialien bestehen. Jedoch findet man diese normalerweise nicht in kommunalen Kotbeutelspendern…

Ein Anliegen, das durchaus löblich ist, und ein interessanter Ansatz, dieses in die Öffentlichkeit zu tragen. Ein Stück weit, das sollte der Vollständigkeit halber angemerkt werden, ist die Aktion auch eine Marketing-Aktion für das eigene Produkt: Krämer hat in Zusammenarbeit mit der Folag AG biologisch abbaubare Hundekotbeutel entwickelt und diese sollen natürlich an den Mann bzw. die Stadtverwaltungen gebracht werden. Auch das ist prinzipiell begrüßenswert, denn dann stünden uns Hundehaltern in den Kotbeutelspendern ökologisch vertretbare(re) Tüten zu Verfügung. Aber bitte bedenken: Auch diese gehören nicht in die Natur geworfen, sondern in den Mülleimer!

Ich persönlich habe noch nie verstanden, warum man seine benutzten Kotbeutel einfach in die Pampa wirft – mir erschließt sich einfach die Logik nicht, denn dann wäre es vermutlich doch ‚besser‘ (oder: einfacher?), den Haufen uneingetütet im Gebüsch liegen zu lassen?! Und wenn man ihn schon eingetütet und aufgehoben hat: Kann man ihn nicht noch bis zum nächsten Mülleimer mitnehmen? Im städtischen Bereich dürfte der nächste Mülleimer ja meist nicht allzu weit entfernt sein.

München ist übrigens sozusagen noch ein weißer Fleck auf der Karte. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Münchner Hundehalter alle eine weiße Wegwerfweste haben – es dauert wahrscheinlich bloß seine Zeit, bis etwas aus Hamburg seinen Weg in den Süden findet ;-).

Was haltet ihr von der Aktion? Würdet ihr mitmachen und Fundstellen melden? Und tragt ihr auch manchmal Beutel (kilo-)meterweit zum nächsten Mülleimer?

Hallo, mein Name ist Alexandra. Vor sechs Jahren zog Mika, ein ungarischer Mischling, aus dem Münchner Tierheim zu mir in die Stadtwohnung. Seitdem machen wir auf sechs Beinen die Stadt und das Umland unsicher. Als Hundenärrin möchte ich auf Isarhunde.de andere Münchner Hundehalter über die "Hundeszene" der Stadt auf dem Laufenden halten, von Erlebnissen berichten und tierische Fundstücke vorstellen.

7 Comments

  1. Chris Sagt Antworten

    Hm, die Aktion ist ja nicht schlecht. Aber ganz ehrlich? Teilweise musst du hier ne halbe Stunde und mehr laufen, um mal einen Mülleimer zu finden, der dann auch noch regelmäßig überfüllt ist. In München ist das vielleicht besser geregelt. Da finde ich es gut, dass man mehr Mülleimer aufstellen soll. Bei uns ist es nur leider so, dass die Mülleimer auch regelmäßig abgerissen werden. Zu den Tüten: Die Idee ist super, hier abbaubare Tüten zu entwerfen. Aber was bringt es, wenn diese an die Städte und Gemeinden verkauft werden und man in einer Stadt lebt, die unter chronischem Geldmangel leidet und in der es genau einen Kotbeutelspender gibt, der von einer Wohnungsgesellschaft aufgestellt wurde und nur für deren Mieter gedacht ist? Wenn, müsste es die Beutelchen auch für den Endverbraucher geben und das auch zu einem annehmbaren Preis. Bei zwei bis drei Geschäften pro Tag kann man ja nicht Unsummen für die Tüten ausgeben, nur um sie wegzuwerfen. Da muss man auch beide Seiten betrachten.

    Wuff-Wuff dein Chris

    • Alexandra Sagt Antworten

      Hallo Chris, ja, das ist sicher ein großer Unterschied zwischen Stadt und Land – hier findet man doch meist schneller einen Mülleimer. Das Problem mit der Überfüllung kenne ich allerdings auch sehr gut – gerade im Sommer an der Isar ist das teilweise wirklich furchtbar, wobei es schon besser geworden ist, seit einige große Müllboxen aufgestellt wurden an den Stellen, wo viel gegrillt / gepicknickt wird.

      Es gibt natürlich auch biologisch abbaubare Hundekotbeutel, die man sich selber kaufen kann. Wie du aber ganz richtig feststellst, ist das auch eine Kostenfrage. Klar, das ist es für die Kommunen auch, sofern sie Kotbeutel zu Verfügung stellen, und zahlen letztlich via Hundesteuer ja doch wir ;-). Mal sehen, ein bisschen was schreib ich vielleicht demnächst noch mal zu dem Thema ;).

      Liebe Grüße
      Alexandra

      • Chris Sagt Antworten

        Hallo Alexandra,

        also ich wohne ja auch in einer Stadt, natürlich von der Größe nicht mit München zu vergleichen, aber wir sind sogar kreisfrei. Da wir aber bei vielen kleinen Gemeinden im Umkreis schon Hundetoiletten entdeckt haben, die noch deutlich kleiner als unsere Stadt sind, passt das mit dem Stadt-Land-Vergleich hier nicht wirklich. Da, wo viele Hunde spazieren gehen, gibt es Bänke zum Hinsetzen für die Zweibeiner, aber nicht einen Mülleimer, also kann Frauchen auf weiten Strecken nicht wirklich was werfen, weil sie ja eine Hand voll Sch… hat. Und zum Hundesteuerargument: Bis letztes Jahr haben wir 72 Euro bezahlt und ich weiß sicher, von den kleinen Gemeinden mit Hundetoiletten, dass da nur 20 Euro fällig waren. Kann sein, dass ich als Hund nicht ganz logisch denken kann, aber verstehst du das?

  2. The Poop Bag Map Sagt Antworten

    Hallo Chris,

    die Folag Bio Hundekotbeutel habe ich für den Gemeindebedarf konzipiert, da die Städte und Gemeinden bzw. die Allgemeinheit wohl den größten Nutzen aus dem Produkt ziehen können. Ein verantwortungsvoller Hundebesitzer, der sich seine Beutel selbst kauft, wird diese nach meiner bisherigen Einschätzung auch eher ordnungsgemäß entsorgen. Auch in diesem Fall gibt es natürlich Vorteile: die Einsparung von CO2 und Erdöl sowie ein eingebauter „Airbag“, wenn mal ein Beutel unbemerkt aus der Tasche fliegt.

    Ich wurde jetzt allerdings mehrfach von Hundehaltern gefragt, wo man diese Beutel bekommen kann, von daher werde ich versuchen eine Möglichkeit für Hundehalter zu finden diese Beutel zu bekommen.

    Liebe Grüße,
    Arne (Krämer)

    • Alexandra Sagt Antworten

      Lieber Chris, nein, da kann ich auch keine Logik erkennen und vermute, das hat mit Logik wohl wenig zu tun :(. Ich kann dann auch nur vermuten, dass klamme Gemeindekassen und / oder andere (oder dringendere?!) Anliegen der Stadt, in die die Gelder fließen, dahinterstecken. Trotzdem ist es natürlich schade, denn von einer guten Infrastruktur in Sachen Mülleimer profitieren ja alle. Das Problem bei der Finanzierung ist natürlich eher die regelmäßige Entleerung als das Eimer an sich. Und vermutlich wären mehr Mülleimer bei euch dann als erster Schritt sinnvoller als Kotbeutelspender… In manchen Gemeinden ist es übrigens auch so, dass verschiedene Einzelpersonen oder Geschäfte Kotbeutelspender sponsorn oder bei sich aufstellen, z.B. Tierärzte oder Zoobedarfläden. Sollte auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein, aber vielleicht könnte man so etwas bei euch mal anregen? Liebe Grüße, Alexandra

      • Chris Sagt Antworten

        Liebe Alexandra,

        natürlich, alles ist wichtiger als die Hunde – zumindest bei uns. Eine Wohnungsgesellschaft hat hier solche Spender aufgestellt, mit extrem dünnen Tütchen, die schnell reißen. Die Beutel sind eigentlich fast immer alle und auch im Grunde nur für die Mieter dieser Gesellschaft gedacht. Eine Spende über 4.000 (!) Kotbeutel gab es auch mal. Die wurden dann von der Stadt an einer zentralen Stelle, an die man selten kommt (Parkprobleme) verteilt. Maximal 10 Beutel gab es pro Person. Bei 40.000 Einwohnern, von denen gefühlt jeder zweite einen Hund hat, sind jetzt 4.000 Beutel aber auch nicht wirklich viel. Und angeregt werden die Dinge seit langem, genau wie eine einzige Freilauffläche mal gewünscht wird. Aber da tut sich nix, leider. 🙁

        Wuff-Wuff dein Chris

  3. Alles im grünen Bereich: Hundekot nachhaltig entsorgt? | Isarhunde Sagt Antworten

    […] nach meinem Bericht über die Poop Bag Map und die neu entwickelten biologisch abbaubaren Hundkotbeutel, die Hintergrund zu der Aktion sind, […]

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