Warum wir Mantrailing lieben

Mantrailing ist die Suche vermisster Personen anhand ihres Individualgeruchs: ein (lebens-)wichtiger Bestandteil der Rettungs- und auch Polizeihundearbeit, aber auch eine wunderbare Beschäftigung für Familienhunde. Nicht zuletzt nutzen viele Jagdhundehalter diese Form der Nasenarbeit, um ihre Vierbeiner sinnvoll auszulasten. Viele Jagdhunderassen sind prädestiniert für diese Tätigkeit, ihnen liegt das Verfolgen einer Spur förmlich im Blut und auch ihr Arbeitswerkzeug, die Nase, ist genetisch bestens ausgestattet, um beim Mantrailen zum Erfolg zu kommen.

In Mikas Pass steht bei Rasse: Jagdhundmischling. Das hat ihm allerdings wohl niemand mitgeteilt oder zumindest wurde ihm nicht klargemacht, dass man bei Jagdhunden und ihren Mischlingen eher davon ausgeht, dass sie Wild interessant finden, mit der Nase am Boden kleben oder permanent den Waldrand nach Rehen abchecken, oder sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit ins Unterholz schlagen, um spannenden Fährten nachzugehen. Zugegeben: Das sind Klischees. Und es gibt ja noch Jagdhundrassen, die nicht in erster Linie mit lebendem Wild zu tun haben, etwa die Retriever.

Eine Lektion in Geduld: Warten gehört beim Mantrailing dazu
Eine Lektion in Geduld: Warten gehört beim Mantrailing dazu

Aber sowohl das Klischee-Jagen als auch das Apportieren sind Mika nicht in die Wiege gelegt worden. Da kann gerne einmal ein Kaninchen vor ihm aufspringen oder ein Wildwechsel gekreuzt werden – nicht interessant! Es ist nicht so, dass er kein Jagdverhalten zeigen würde. Er jagt bloß nichts Lebendes, sondern schlicht und ergreifend Essbares – was eben so auf dem Boden herumliegt. Selektive Wahrnehmung, schließlich muss sich der Einsatz ja auch lohnen. Und dabei setzt er zwar durchaus auch mal seine Nase ein, aber ein Großteil seiner Sucharbeit läuft auf Sicht. Eine Tatsache, die wir im Dummytraining mit waschechten Retrievern immer wieder eindrucksvoll (und im wahrsten Sinne des Wortes) vor Augen geführt bekommen haben. Ein Jagdersatztraining in Form von Mantrailing haben wir da wirklich nicht gebraucht.

Wieso also Mantrailing? Wir haben damit im Winter angefangen, denn unser Agilitytraining ruhte ein wenig auf Eis 😉 und ich habe nach einer anderen Beschäftigung für uns gesucht. Die Wahl fiel auf Mantrailing, da es von meiner Hundeschule angeboten wurde und ich es prinzipiell sinnvoll fand: geistige Auslastung für den Hund, nicht zu viel zu tun für mich 😉 .

Der Start war wirklich schwierig für uns: Mika war damals etwas über ein Jahr bei uns und fremden Menschen gegenüber immer noch misstrauisch. Er hatte Trennungsangst in unbekannten Umgebungen. Nun kann man das Mantrailing auf verschiedene Art und Weise aufbauen: entweder man startet direkt damit, fremde Personen zu suchen, oder man lässt den Hund erst einmal ’seinen‘ Menschen finden. Bei uns war es die letztere Methode (die man durchaus kritisch sehen kann und die, soweit ich weiß, in der professionellen MT-Ausbildung auch nicht eingesetzt wird). Und so waren die ersten Trails für Mika einerseits stressig („Oh Gott, warum läuft das Frauchen weg und lässt mich hier bei den Leuten?“), andererseits sehr schnell von Erfolg gekrönt, denn mich hat er natürlich immer in Höchstgeschwindigkeit gefunden (was sich bei so manch „Ersatzhundehalter“ durchaus im Arm- und Schulterbereich bemerkbar gemacht haben dürfte).

Schön und gut, doch irgendwann sollten wir natürlich andere, zudem wechselnde Personen suchen. Natürlich wurde dabei kleinschrittig vorgegangen und solange Mika sehen konnte, wohin die zu suchende Person lief, war es auch unproblematisch. Aber den Transfer, dass er die Nase einsetzen müsste, um die Person zu finden, wenn er sie nicht sehe kann, konnte er geraume Zeit nicht leisten.

Ein Hund, der sich sehr auf seine Augen verlässt bei der ‚Jagd‘, soll nur mit seiner Nase etwas finden, das er im besten Fall uninterssant und im schlechtesten unheimlich findet? Ich war mehr als einmal kurz davor, es einfach wieder sein zu lassen. Heute bin ich mehr als froh, dass wir weitergemacht haben: Wir trailen jetzt schon seit knapp über 5 Jahren und gehen nach jedem Trailtag müde, aber glücklich nach Hause. Bei Mika hat der Aufbau länger gedauert als bei vielen unserer Trainingskollegen und sicher länger als bei den meisten Hunden, die jeden Menschen als ihren Freund sehen und sowieso viel mit ihrer Nase arbeiten. Aber dafür hat uns das Training enorm geholfen, denn dabei durfte Mika so viele positive Erlebnisse mit den verschiedensten fremden Personen machen und verknüpfen, dass ich mir sicher bin, dass er auch dadurch heute so viel aufgeschlossener durch die Welt gehen kann. Tatsächlich gibt es ja das Konzept des Therapeutischen Trailens für Hunde und ich kann dem durchaus etwas abgewinnen. Es muss allerdings klar sein: Der Hund arbeitet selbständig vom Halter weg, was sicher nicht in jedem Fall eine gute Idee ist. Für uns war es sehr gut, denn das hat auch ein bisschen der Trennungsangst bzw. teils zu stärken Fixierung auf mich und seiner Unsicherheit entgegengewirkt.

Fynn und Mika: Geteiltes Wasser schmeckt doppelt so gut
Fynn und Mika: Geteiltes Wasser schmeckt doppelt so gut

Ich persönlich liebe es, unseren Trainingskollegen beim Trailen zuzusehen und zu beobachten, wie jeder seinen individuellen Suchstil einsetzt, um zum Ziel zu kommen: da werden gewissenhaft mögliche Wege ausgeschlossen oder es wird abgekürzt, es geht im flotten Trab oder in aller Ruhe, die Nase klebt am Boden oder tanzt in der Luft. Und am meisten liebe ich es, Mika zu folgen und ihn bei der Arbeit zu beobachten: wie er die Rutenposition ändert, aktiver wird je wärmer die Spur wird, vom ‚Ach, ich schau erst noch ein bisschen rum‘-Modus in den ‚Ok, jetzt geht’s richtig los‘-Gang schaltet, pendelt, ausschließt, mault, wenn er geträumt und die Spur verloren (oder das Frauli ihn doch falsch verstanden und versehentlich über die Spur rausgeführt) hat, den Kopf hochnimmt und in seinen Trail-Passgang fällt, um zügig als Ziel zu kommen und danach mit seinem Kumpel Fynn einträchtig Wasser zu tanken. Zu sehen, wie eine scheinbar einfache Stelle für den Hund doch ganz schön schwierig ist und umgekehrt, wie Mika sich Lösungen erarbeitet und vor allem: wie sehr er sich freut, wenn wir am Ziel angekommen sind. Die Körpersprache bei der Arbeit ist wirklich großartig und ich bin immer wieder begeistert, zu welchen Höchstleistungen so eine Hundenase fähig ist. Wir trailen ja auf reinem „Hobbyniveau“, was bedeutet, dass die richtigen Trailprofis da noch einiges mehr vollbringen können.

Mantrailing verbindet wirklich sehr viele positive Aspekte: Der Hund wird vom Kopf her ausgelastet, man hat Bewegung draußen, die aber nicht so stark belastend ist für die Gelenke, man kann sehr viel über seinen eigenen Hund und dessen Ausdrucksverhalten lernen, man kann die Schwierigkeit graduell steigern und dabei immer wieder Abwechslung reinbringenes lässt sich bei fast jedem Wetter machen. Der einzige große Nachteil ist eigentlich, dass man es nicht alleine mit dem Hund üben kann. Dieser Nachteil birgt aber wiederum den Vorteil, dass man mit etwas Glück sehr nette Trainingspartner findet, mit denen so ein Hobby doch gleich nochmal so viel Spaß macht!

Natürlich habe ich auch Mika mal gefragt, was ihm am Mantrailing am meisten Spaß macht. Und hier seine Antwort:
LECKER BELOHNUNG!
😀

Wie ist es bei euch? Habt ihr Mantrailing schon mal ausprobiert oder trailt ihr vielleicht regelmäßig? Vielleicht sogar in einer Rettungshundestaffel?

2 Antworten auf „Warum wir Mantrailing lieben“

  1. Mika, nach den ersten Worten deines Frauchens warst du mir sofort sympathisch! Du bist ein Jagdhund und warst scheinbar auch gerade auf der Toilette als der Jagdtrieb verteilt wurde. Mir geht es genauso und Frauchen ist sehr froh darüber. Ich jage höchstens mal Sumsi, die Stubenfliege, leider meist erfolglos. Was die Nasenarbeit angeht, sagt das Frauchen, bin ich zu faul. Ich finde nicht mal alle Leckerchen, die sie versteckt. Kommt ein neues Versteck dazu, was ich noch nicht kenne, wird das Leckerchen nicht gefunden und bleibt liegen. Umso spannender finde ich es, dass du es doch noch mit dem Mantrailing geschafft hast – einfach super!

    Wuff-Wuff dein Chris

    1. Hihihi, das habe ich kurzfristig verdrängt: Sumsis reizen auch Mika zu vollem Jagdeinsatz – da kann es bei besonders frechen Exemplaren auch schon mal über Tische und Bänke gehen :D. Und das mit dem Faulsein kommt mir auch bekannt vor: Mika ‚fragt‘ mich auch manchmal nach dem richtigen Weg oder hat irgendwann keinen Elan mehr beim Leckerlisuchen (das hängt allerdings stark von den Leckerlis ab 😉 ). Ich seh schon, ihr habt das ein oder andere gemeinsam :)!

      Liebe Grüße
      Alexandra

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