Der Papst, die Tiere und die BILD

Kennt ihr noch den Film „Charlie – alle Hunde kommen in den Himmel“? Dieser Film hat mich in meiner Kindheit tief beeindruckt (so wie vermutlich fast jeder Zeichentrick-/Kinderfilm, in dem es irgendwie um Tiere ging…) und führte nicht zuletzt zu einem der ganz weniger Besuche bei der Fastfood-Kette mit dem goldenen M, denn dort gab es die Figuren aus dem Film als Stofftier zum Kindermenü dazu (oder war es woanders?). Ganz klar, die musste ich haben! Abgesehen von der Handlung des Films, die vermutlich als eine typische „Bad guy turns good“-Story durchgeht und das Bild des Hundes als bedingungslos loyaler Begleiter des Menschen aufgreift, war für mich natürlich auch die Vorstellung tröstlich, dass die Tiere bzw. in diesem Fall: Hunde die Aussicht auf ein gutes Leben nach dem Tod haben. Dass Tiere zur Familie gehören, hatte ich schließlich schon von ganz klein auf gelernt – warum also sollte ihnen, wenn sie denn „gut“ waren (und waren sie das nicht automatisch?), der Zugang zum Himmel verwehrt sein?

Kommen Hunde in den Himmel?

Wieso ich hier so in Kindheitserinnerungen schwelge? Ich bin katholisch aufgewachsen, die Vorstellung von Himmel und Hölle und allem, was da noch so mit daranhängt, hat meine Kindheit also durchaus mitgeprägt. Zwar beschäftige ich mich seit langem schon mehr mit Wissenschaft als mit Glauben und blicke eher mit soziologischem Interesse als mit Inbrunst auf Religion und ihre vielen, oft erschreckenden Auswüchse. Eine gewisse Aufmerksamkeit für die katholische Kirche ist aber geblieben. Und so hat es mich – wie viele andere Tierfreunde – durchaus gefreut, dass 2013 mit Papst Franziskus ein ausgesprochener Freund der „Schöpfung“ zum Oberhaupt der katholischen Kirche wurde, was auch die Wahl seines Papstnamens belegt.

Und tatsächlich präsentierte sich Papst Franziskus nach seiner Wahl als Hundefreund: Nur eine Woche nach Amtsantritt segnete er beispielsweise einen Blindenhund – eine entzückende Geste, die aber vielleicht doch mehr seinem Image diente als dem Schutz oder der Anerkennung der Tiere. Immerhin scheint die katholische Kirche auch schon vor Papst Franziskus die „Schöpfung“ abseits von deren „Krone“ nicht komplett ignoriert zu haben: Tiergottesdienste mit entsprechenden -segnungen finden sich schon seit einigen Jahren in vielen Gemeinden. Und die Idee dazu ist auch nicht erst mit der exzessiven Haustierhaltung entstanden: Nutztiere wurden auch schon früher gesegnet, um sie vor Krankheit zu schützen. Allerdings werden beispielsweise auch Motorräder in speziellen Gottesdiensten gesegnet. Das sagt also anscheinend erst einmal nicht sehr viel über den theologischen Status aus…

Nun begab es sich wohl, dass Papst Franziskus in der Vorweihnachtszeit einen kleinen Jungen, dessen Hund gestorben war, trösten wollte und ihm sagte: „Eines Tages werden wir unsere Tiere in der Ewigkeit Christi wiedersehen. Das Paradies ist offen für alle Geschöpfe Gottes.“ So lauteten jedenfalls Meldungen, nicht zuletzt in der New York Times. Letztlich stellte sich heraus: Es war alles ganz anders! Die besagten Worte werden eigentlich Papst Paul VI zugesprochen, Franziskus hatte möglicherweise nur über die Anekdote über seinen 1978 verstorbenen Vorgänger gesprochen. So oder so: Die Medien überschlugen sich und es dauerte nicht lange, bis auch Tierschutzorganisationen wie PETA auf den Zug aufsprangen: War es nicht eine ‚frohe Botschaft‘, dass auch Tiere sozusagen als gleichwertige Teile der „Schöpfung“ seitens der Kirche anerkannt wurden? Und würde das seitens der Gläubigen nicht zu einem ‚humaneren‘ Umgang mit den Tieren führen (müssen)?

Wenn es im Himmel keine Hunde gibt...

Tatsache ist: Die Kirche bleibt diesbezüglich vage. Und ehrlich gesagt, kann ich das sogar verstehen: Wenn „Falsch-“ oder „Gar-nicht-Gläubige“ nicht in den Himmel dürfen, wie sollten es dann Tiere? In der Logik der (katholischen) Religion hat die Abgrenzung ja durchaus eine Berechtigung, so sehr sie auch mit meinen Kindheitswünschen kollidiert. Viel mehr rege ich mich über den Umgang einiger ’säkulärer‘ Medien mit dem Thema auf:

Und wie so oft, wenn es in den Medien um (Haus-)Tiere geht, sitze ich da und wundere mich. In diesem Fall darüber, wie man im 21. Jahrhundert so verblendet sein kann, nicht wahrhaben zu wollen, dass der Mensch ein Tier ist. Ein Säugetier aus der Ordnung der Primaten, um genauer zu sein. Was die äffische Kolumne des Herrn Wagner, wenn man denn seiner Argumentation folgen möchte, sicherlich unterstreicht: Ich würde diese nämlich ganz bestimmt nicht in eine Reihe mit „Goethe, Heine, Kafka, Hemingway“ stellen! Und überhaupt: Dürfen dann auch nur künstlerisch schöpferische Menschen oder Naturwissenschaftler in den Himmel gelangen? Denn dass nur die wenigsten Menschen je eine Oper geschrieben oder „das Penicillin erfunden“ haben, liegt auf der Hand. Und überhaupt: Glaubt Herr Wagner wirklich an „das Paradies“ wie es die Kirche vermittelt? Darüber hinaus bemerkenswert: Dass in der Bild die (zu dem Zeitpunkt noch als gegeben geltende) Aussage des Papstes kritisiert wird. Ob’s daran liegt, dass jetzt nicht mehr „wir“ Papst sind?

Es bleibt sicherlich dabei: Über Glaubensfragen lässt sich trefflich streiten – auch wenn es zu keinem Ziel führt…

Was meint ihr? Kommen Tiere in den Himmel? Und wäre es überhaupt einer, wenn es keine Tiere darin gäbe? Oder erübrigt sich die Frage, weil es „den Himmel“ sowieso nicht gibt?

4 Antworten auf „Der Papst, die Tiere und die BILD“

  1. Die Kolumne von Herrn Wagner-du hast sehr treffend genau das geschrieben was ich mir dachte als ich diesen Schwachsinn kurz auf Fb überflogen habe.Quasi ist das Paradies -an das ich nicht glaube-dann wohl nur ein Ort für Menschen die wie auch immer „Großes“ vollbracht haben.Tja nur blöd das Herr Wagner da dann auch nicht hingehört,daran hat er wohl gar nicht gedacht beim Schreiben.
    Ich glaube das alle Seelen nach dem Tod frei sein werden.Ohne feste äußere Gestalt,ohne Leid und Schmerzen.Und das zusammen finden wird,was zusammen gehört.

    Liebe Grüße
    Johanna

  2. Liebe Johanna,

    vielen herzlichen Dank für deinen Kommentar :-)! Vielleicht hätte ich das Ganze auch eher mit Nichtachtung „strafen“ sollen, aber irgendwie hat es mich dann doch zu sehr gewurmt ;-).

    Deine Vorstellung von dem, was nach dem Tod passieren wird, finde ich sehr schön 🙂

    Liebe Grüße
    Alexandra

  3. Liebe Alexandra,

    tolles Thema!! Wenn es einen Gott gibt und wenn es einen Himmel gibt, ist für mich völlig klar, da gehören ALLE Geschöpfe Gottes hin. Vor allem ist und war schon immer für mich klar, wenn es einen Gott gibt, wird dieser weder zwischen seinen Geschöpfen unterscheiden, noch wird er richten nach Sündiger oder nicht. WENN es einen gibt … Bis dahin ist für mich völlig klar, Unsere Tiere sind, wenn überhaupt so zu messen ist, besser als wir, ganz sicher nicht schlechter. Und so hätten sie wohl eher einen Platz im Himmel verdient, als die meisten Menschen. Man kann sich immer wieder nur wundern, über verblendete Ansichten, wie z.B. die dieses Herr Wagner. Ich würde auch nicht in den Himmel wollen, wenn ich dort nicht meine Fellnasen vorfinde …

    Liebe Grüße und schöne Weihnachten
    Anke mit Lucy und Leo

    1. Liebe Anke,

      Auch dir ein ganz herzliches Dankeschön für deine Gedanken :-)! Ich finde es enorm spannend, wie andere das Thema sehen. Das Bild der Regenbogenbrücke ist ja zum Beispiel sehr gängig unter Tierhaltern. Manchmal frage ich mich auch, ob Tiere sich überhaupt in einen Himmel wünschen würden, in dem es Menschen gibt – schließlich haben es ja viele nicht so gut mit uns Zweibeinern hier auf Erden…

      Liebe Grüße
      Alexandra

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