Geht München „vor die Hunde“? Schon seit einiger Zeit geistert mir ein „Mir reicht’s“ durch den Kopf: München mit Hund zehrt momentan ganz schön an meinen Nerven.

Hundstage: Mein Münchner Sommer-Blues
Hundstage: Mein Münchner Sommer-Blues

Neulich musste ich mich wieder einmal von wildfremden Menschen in Sachen Hund anblöken lassen, in diesem Fall, dass ich doch gefälligst meinen Hund anleinen soll – der brav an der Seite auf dem Weg lief, ohne sich auch nur im mindesten für irgendwelche vorbeigehenden/-fahrenden/-laufenden Menschen zu interessieren oder diese zu behindern, und das Ganze in einem Bereich, wo er meines Wissens nach auch frei laufen darf. Das war der Auslöser, dass ich meinen Frust einfach mal niederschreiben wollte. Ich versuche ja durchaus, selbstkritisch zu sein und solche Dinge zu hinterfragen: Bin ich vielleicht einfach nur empfindlich und nehme es mir zu sehr zu Herzen, wenn ich zu Unrecht angegriffen werde? Habe ich mich vielleicht sogar doch falsch verhalten? Und so dümpelte das Thema erst einmal im Hinterkopf vor sich hin.

Vor ein paar Tagen habe ich dann ein Foto auf der Facebook-Seite von Isarhunde gepostet:

"Leine find ich gut": Plakatkampagne der Stadt München
„Leine find ich gut“: Plakatkampagne der Stadt München

Ich fragte mich: Warum macht ein kleiner Hund Werbung für die Leinenpflicht, die im letzten Jahr in einigen Bereichen Münchens (zusätzlich zu den bereits bestehenden Bereichen mit Leinenpflicht) eingeführt wurde, von der aber doch häufig nur große Hunde (ab 50cm Schulterhöhe) betroffen sind? Warum hängt so ein Plakat (weit) außerhalb eines leinenpflichtigen Bereichs, aber dafür in der Nähe einer KiTa? Und: Wenn „faires Miteinander“ auf Regeln basiert, warum sollen sich dann (gefühlt) nur Hundehalter selbigen unterwerfen?

Das Foto führte zu einem interessanten Austausch mit einer Leserin, die das momentane Klima in München sehr ähnlich empfindet wie ich. Ich bin also anscheinend nicht allein mit meiner Wahrnehmung. Die Leserin führt den Klimawandel gegenüber Hunden in München nicht zuletzt auf die Kommunikation rund um die Münchner Linie zurück. Ich denke, dies ist sicher nicht der (alleinige), sondern bereits der Ausdruck der veränderten Haltung gegenüber Hunden (in der Stadt?) in der Gesellschaft. Aber der Reihe nach…

Von No-Go-Areas und Spießrutenlaufen

Wenn ich so darüber nachdenke, hadere ich im Sommer immer deutlich mehr damit, mit Hund in der Stadt zu lieben, als im Winter. Das geht so weit, dass ich manchmal Regentage regelrecht herbeisehne, um mal wieder in Ruhe und Frieden mit Mika spazieren gehen zu können.

Die Auswahl der Spazierrouten ist bereits durch die schieren Menschenmengen, die sich in Parks, an der Isar oder sonstwo draußen aufhalten, eingeschränkt. Warum das, fragt ihr euch vielleicht, der Hund kann doch auch zwischen den Menschen herumlaufen? Ja, das könnte er. Doch – kaum zu glauben, aber wahr – ich fühle mich selber nicht wohl damit, dadurch eventuell andere Leute zu stören, die vielleicht sogar Angst vor Hunden haben. Schließlich zählt Mika auch nicht unbedingt zur Kategorie „Kleinhunde“.

An eine schnelle Abkühlung in der Isar ist beispielsweise kaum zu denken, wenn das ganze Ufer voller Sonnenanbeter ist. Selbst wenn man es da schafft, den Hund auf Abstand zu bringen, bevor er sich schüttelt, kann man damit rechnen, dass einen eine Menge wütender Blicke und Unmutsäußerungen treffen. Und auch ohne dass Wasser im Spiel ist, geraten Spaziergänge durch beliebte Ausflugsgebiete mit Hund schnell zum Spießrutenlauf.

Vermüllung statt Idylle (hier ein verhältnismäßig harmloses Beispiel)
Vermüllung statt Idylle (hier ein verhältnismäßig harmloses Beispiel)

Bliebe nur noch, den Hund an der Leine zu behalten. Abgesehen davon, dass ich es längerfristig definitiv als nicht tiergerecht erachte, wenn ein Hund nicht auch einmal „richtig laufen“ kann, behebt es aber auch nicht das nächste Problem: Ständig muss ich die Augen offen halten, ob irgendwo in Mikas Augen fressbarer Müll herumliegt, der im Vorbeigehen dann mal schnell in seinem Magen landet, oder ob Scherben herumliegen, in die er treten könnte. Von anderen Hinterlassenschaften, in die Hund sich auch mit Leine ganz hervorragend hineinwälzen kann, ganz zu schweigen. Und da die Leine auch nicht nur auf Bei-Fuß-Länge ist, muss man noch dazu ständig aufpassen, dass man niemandem versehentlich den Weg versperrt. Der Hass sämtlicher Jogger und Radfahrer wäre einem sonst gewiss.

Also werden die besonders schlimmen Gegenden monatelang gemieden, was auch bedeutet: ein gutes Stück rausfahren ist nötig, wenn man einigermaßen glimpflich durchkommen möchte. Ganz ehrlich: Wenn ich Gassirouten nur noch in der Kategorie „Schaffe ich es dort, konfliktfrei und sicher mit meinem Hund durchzukommen“ beurteilen kann, dann leiden Freude und Erholungseffekt beim Spaziergang schon deutlich.

Die Münchner Linie – oder: „Leine find ich gut!“

Die neue Münchner Linie an sich ist nicht so schlimm: Ich glaube, es gibt für mich exakt eine Stelle, wo ich Mika seit der Änderung anleine, wo ich es vorher nicht gemacht habe. Ansonsten gilt für mich: Ich leine sowieso oft an! Ich würde gar nicht auf die Idee kommen, meinen Hund in der Fußgängerzone oder auf „Märkten, Festen und anderen öffentlichen Veranstaltungen im Freien“ frei laufen zu lassen – ganz abgesehen davon, dass ich ihn dort bzw. generell innerhalb des Altstadtrings eigentlich gar nicht erst mitnehme. Oder höchstens, wenn wir uns durch diesen Bereich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hindurchbewegen – und in den Öffis ist Mika selbstverständlich sowieso angeleint.

Was ist also das Problem? Zum einen scheint die Kommunikation rund um die Münchner Linie die Wahrnehmung in der nicht-hundehaltenden Bevölkerung hervorzurufen oder zu verstärken, dass Hunde immer und überall an die Leine gehören und Hundehaltern sowieso keine Rechte zustehen. Zum anderen fordert die Stadt dazu auf, „Regelverstöße“ direkt zu melden – ein Traum für alle Hobby-Hilfs-Sheriffs und Profi-Besserwisser, ein Albtraum für das früher doch recht tolerante Miteinander, in dem auch oft unausgesprochene Regeln galten (zum Beispiel, was den Hundefreilauf im Englischen Garten angeht, der jetzt öffentlichkeitswirksam in der Kommunikation seitens der Stadt verneint wird – obwohl der Englische Garten ja gar kein städtischer Park ist).

Alles in allem beschleicht mich auch hier das Gefühl, dass Hundehalter immer stärker marginalisiert werden sollen. Und wenn sie nicht freiwillig weichen, weil das „faire Miteinander“ eben nicht besonders fair aussieht und sie die Konsequenzen ziehen, dann verdrängt man sie eben subtil durch immer mehr Sperrzonen an den Rand – der Stadt sowie der Gesellschaft. Auch die neue Zamperl-App der Stadt München verstärkt diesen Eindruck: Zwar ist es äußerst sinnvoll, ein solches Angebot zu Verfügung zu stellen, damit insbesondere Reisende mit Hund wissen, wo sie ihren Hund freilaufen lassen können. Im Endeffekt findet man aber beinahe nur Stellen, wo der Freilauf verboten ist. Andere Stellen werden einfach gar nicht erst aufgeführt und so wird das Bild weiter geprägt, dass Hunde irgendwie doch eigentlich immer an die Leine gehören. Oder vielleicht noch treffender: nichts im Stadtbild zu suchen haben.

Umso schlimmer wird das Ganze in der Kombination mit den No-Go-Areas. Der Hirschgarten, zum Beispiel, ist so etwas wie unser Alltags-Auslauf, eben dann, wenn nicht so viel Zeit ist, wir aber trotzdem ein bisschen Grün um uns herum haben wollen und die Möglichkeit, kurz ins Wasser hüpfen zu können (also der Hund, nicht ich). Hier gibt es, wenn ich alles richtig verstehe, exakt drei-vier Bereiche, wo Hunde überhaupt theoretisch frei laufen könnten. Eine davon – und das ist so dermaßen unlogisch, dass ich eigentlich nicht glaube, dass es stimmt, aber ich konnte auch noch keinen anderslautenden Hinweis finden – ist die Grillwiese, auf der zudem in einer Ecke ein Basketballkorb steht und außerdem der Skatepark untergebracht ist. Fällt also im Sommer definitiv weg! Eine andere grenzt gleich an den Biergarten an. Dort wird dementsprechend auch sehr gerne Fußball oder sonstiges gespielt. Fällt also eigentlich auch weg (vor allem bei den für Hundenasen ach-so-verführerischen Biergartendüften im Sommer). Bleiben noch zwei, die auch schon seit Jahren genau diejenigen sind, die als Hundewiesen und -treffpunkte genutzt werden. Aber auch hier mittlerweile, vor allem seit der Besiedelung des Hirschgarten-Wohngebiets, im Sommer jede Menge Sonnenbadende – die sich gerne und lautstark über spielende und freilaufende Hunde beschweren.

Und nun? Weichen um des lieben Friedens willen? Oder darauf hinweisen, dass die Hunde hier laufen dürfen – und dann doch als der asoziale, rücksichtslose Hundehalter gelten – auch wenn die hundelosen Leute dort ja Ausweichmöglichkeiten auf den anderen, grün-bepollerten Wiesen hätten, ganz im Gegensatz zu den Hundehaltern?

Die Grillwiese im Hirschgarten nach einem Schönwettertag
Die Grillwiese im Hirschgarten nach einem Schönwettertag

Schließlich verursachen die Hundekontrolleure sowie die Androhung von Bußgeldern von bis zu 1.000 Euro (wie viel muss man noch gleich für „Rote Ampel überfahren“ oder „Wild grillen“ zahlen?) ein latent ungutes Gefühl von Beobachtung, selbst wenn man sich wirklich Mühe gibt, sich an die Regeln zu halten.

Die Schizophrenie der Medien

Es ist ja allgemein bekannt, dass sich mit niedlichen Hundebabys so ziemlich alles verkaufen lässt. Ehrlich, achtet mal darauf, wo überall in der Werbung Hunde zu sehen sind, das ist manchmal auch ganz schön absurd. Und natürlich lassen sich damit auch wunderbar Zeitungen (oder andere Nachrichtenangebote) verkaufen. Klar, dass einem da von Zeit zu Zeit kleine Fellknäuel von den Titelseiten der boulevardigeren Gazetten angrinsen. So süß! Auch Tierschutz-Stories machen sich natürlich immer gut, sind ja auch was fürs Image.

Gleichzeitig scheinen Hunde in den Köpfen mancher Medienmacher die größte Bedrohung für Leib und Leben, der der moderne Mensch in deutschen Städten ausgesetzt ist.  Darunter haben natürlich am allermeisten einzelne Hunderassen zu leiden, die eben einfach unter Pauschalverdacht stehen. Das Stigma bleibt aber scheinbar auch an allen anderen Hunden mithaften. So oder so denke ich: Diejenigen Hunde, die es durch aggressives Verhalten bis in die Medien schaffen, gehören höchstwahrscheinlich Hundehaltern, denen die „Regeln für ein faires Miteinander“ herzlich egal sind (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel).

Der Hund als sanfter, kleiner Flausch-Engel oder als scheinbar frisch aus der Hölle entstiegenes Monster mit dem einzigen Ziel, Menschen zu verletzen… Das hat äußerst wenig mit der Realität zu tun. Dieses Gegensatzpaar führt aber dazu, dass Hunde von Außenstehenden sehr leicht eingeordnet werden können: Wenn sie sich auch nur ein bisschen „danebenbenehmen“, also sich normal hundlich verhalten und erkennbar kein Engel sind, dann müssen sie ja förmlich Dämonen sein.

Statt Verboten oder Horror-Stories über Hunde-Monster wären also vielleicht sachliche Information und Aufklärung angebracht – sowohl unter den Hundehaltern selbst (ohja, da läuft auch sehr viel schief, aber das ist nochmal ein eigenes Thema) als auch unter Nicht-Hundehaltern. Und dazu gehört für mich: dass man auch einmal für Toleranz wirbt. Ist es wirklich so schlimm, wenn einen ein paar Wassertropfen von einem sich schüttelnden Hund treffen, wenn man sowieso gerade vom Baden kommt?

Information muss dann aber auch aufgeklärt daherkommen. So stellt etwa die Stadt München auch ein Infoblatt „Tipps zum Umgang mit Hunden“, das prinzipiell eine sehr gute Sache ist, denn es gibt Nicht-Hundemenschen auch ein paar (implizite) Regeln mit auf den Weg. Schade ist aber, dass dadurch und durch die Tonalität der Hund gleich wieder als potenzielle Bedrohung dargestellt wird. Dementsprechend wäre es wünschenswert, wenn inhaltlich, optisch und von der Tonalität her nachgebessert wird (mal als Beispiel: „Achten Sie auf die Verhaltenssignale des Hundes in Form von Ohrenstellung, Körper und Schweifhaltung sowie Lautäußerungen“ – natürlich kann und sollte jeder darauf achten, aber richtig interpretieren steht auf einem völlig anderen Blatt), und wenn man schon dabei ist: Vielleicht könnte man ein paar der Tipps / Regeln, die Nicht-Hundemenschen einhalten sollten, gleich mal mit in die Kampagne aufnehmen? Ich fände es nämlich durchaus auch Befürwortenswert, wenn fremde Menschen nicht einfach meinen Hund streicheln würden…

The Good, the Bad and the Ugly

Ich habe mich lange mit Hund in München sehr wohl gefühlt. Aber von Jahr zu Jahr wird es für mein Empfinden etwas schlechter, schwieriger, anstrengender. Und dabei bin ich noch mit einem weitgehend braven Hund gesegnet (der durchaus seine Macken hat, die ich aber, denke ich, ganz gut kenne und einschätzen kann und dementsprechend ich versuche mich zu verhalten).

Der Druck, immer perfekt „sozialverträglich“ aufzutreten, ist in jedem Fall gestiegen. Eine Konsequenz daraus ist, dass wir nach Jahren, in denen wir fast ausschließlich in den Öffentlichen unterwegs waren, jetzt Auto fahren. Das ist gleichzeitig schade, denn gerade in den Öffis haben wir auch immer wieder äußerst positive Begegnungen mit anderen Menschen gehabt. Damit meine ich gar nicht mal besonders positiv für mich, sondern für das Gegenüber: häufig ältere Damen, die sich wahnsinnig über den Hund und einen kleinen Plausch freuen. Und genau an diesen Begegnungen konnte man sehr schön sehen, welche positiven zwischenmenschlichen Effekte ein Hund mitbringen kann: Der Hund wird zum vierbeinig-felligen Kontaktmittel, eine Eigenschaft, die gerade in der anonymen Großstadt viel wert sein kann (und auch gezielt z. B. bei Besuchs- oder Therapiehunden eingesetzt wird).

Mein Eindruck: Es geht bei den wenigsten wirklich um die Hunde, die stören. Es ist nur einfach so, dass die Rücksichtslosigkeit der verschiedenen Gruppen untereinander steigt (man lese sich beispielsweise nur einmal die Kommentare zum Bericht über die Münchner Hunde-Kontrolleure bei der AZ durch). Das wäre ein tiefsitzenderes gesellschaftliches Problem. Und ich frage mich ernsthaft, ob dies in der Stadt angesichts der Massen an Menschen einfach stärker wahrnehmbar ist? Wäre ein Umzug aufs Land eine sinnvolle Alternative? Meinen Nerven und auch den Nerven meines Hundes zuliebe (ja, Tatsache, wenn ich mit ihm spießrutenlaufe, dann kann er angesichts meines Stresspegels wohl kaum entspannt sein) ziehe ich das sehr ernsthaft in Erwägung. Nur: Leiste ich damit der Marginalisierung nicht eigentlich Vorschub? Und dann wiederum: Warum soll ich hierbleiben, wo ich mit (großem) Hund scheinbar nicht mehr erwünscht bin? Und das noch dazu, wo es in München ja noch andere, insbesondere wohntechnische Probleme (für Hundehalter) gibt.

Die Isarhunde also bald nicht mehr in München? Wir werden sehen! In der Zwischenzeit interessiert es mich natürlich brennend, wie es euch ergeht und wie ihr die Stimmung gegenüber Hunden / Hundehaltern derzeit empfindet?

Bye bye, München? Zumindest die Isar sollte in Reichweite bleiben, wo sonst ließe sich so herrlich plantschen?
Bye bye, München? Zumindest die Isar sollte in Reichweite bleiben, wo sonst ließe sich so herrlich plantschen?

P. S.: Ich höre mir jetzt erst mal eine Runde „Shake it out“ an :-)!

Hallo, mein Name ist Alexandra. Vor sechs Jahren zog Mika, ein ungarischer Mischling, aus dem Münchner Tierheim zu mir in die Stadtwohnung. Seitdem machen wir auf sechs Beinen die Stadt und das Umland unsicher. Als Hundenärrin möchte ich auf Isarhunde.de andere Münchner Hundehalter über die "Hundeszene" der Stadt auf dem Laufenden halten, von Erlebnissen berichten und tierische Fundstücke vorstellen.

13 Comments

  1. THE DOGGY BLOG Sagt Antworten

    Zwar bin ich relativ oft in München aber nicht oft genug um da eine wirkliche Aussage darüber treffen zu können. Allerdings konnte ich diesen Anti-Hunde-Trend schon auch in anderen deutschen Städten verfolgen.
    Beispielsweise gibt es hier bei Schweinfurt einen wunderbaren riesieg großen See, wo man meinen könnte, dass Mensch und Hund friedlich nebeneinander dem Badespaß frönen können. Aber nein, während die Angler weiterhin die Umgebung mit ihrem Müll verunreinigen dürfen, wurden Hunde (laut Zeitungsbericht, Schilder sind nur am Badestrand angebracht) komplett vom See verbannt.

    Noch eine Anmerkung zur Leinenpflicht: Auch ich bin eine große Verfechterin des frei laufen lassens von Hunden. Allerdings wirklich nur an jenen Stellen wo für niemanden Gefahr besteht. Leider muss ich seit einigen Monaten feststellen, dass ebenfalls in Schweinfurt, es offenbar groß in Mode gekommen ist den Vierbeiner auch an gefährlichen Hauptverkehrsstraßen „offline“ zu halten. Auf Nachfrage haben die Hundehalter keine Leine dabei. Das ist ein gegenläufiger Trend den ich als verantwortungsvolle Hundehalterin ebensowenig gutheißen kann.

    • Alexandra Sagt Antworten

      Dankeschön für deinen Kommentar :)! Ja, da muss ich dir ganz recht geben: Das Den-Hund-überall-ohne-Leine-laufen-lassen muss beim besten Willen nicht sein, es kann ja durchaus gefährlich werden für alle Beteiligten! Da bin ich auch oft erstaunt bis erschrocken über die komplette Gedankenlosigkeit mancher Hundehalter.

  2. Martina Sagt Antworten

    Liebe Alexandra,
    vielen Dank für Deinen interessanten und so ehrlichen Beitrag, auch wenn ich nicht in München lebe und dort somit auch nicht mit meinen Hunden spazieren gehen muss oder darf. Aber nicht nur in München in der Stadt wird das Leben mit Hund immer „anstrengender“. Auch hier bei uns auf dem platten Land in der Wetterau (in der Nähe von Frankfurt) ist es bei schönem Wetter unerträglich. Ich wohne nämlich an einem Landschaftsschutzgebiet, durch das der Nidda-Fahrrad- und Wanderrundweg führt. Ich sehne mich manchmal auch schon nach den verregneten, windigen und kalten Novembertagen, wo sich all die lustigen Fahrradfahrer, Skater, Familien mit Kindern in ihren Wohnungen vergraben, denn dann kann ich nach Herzenslust mit Dayo und Suri spazieren gehen, ohne dauernd angemeckert zu werden oder manchmal auch schon fast von den ach so tollen Radfahrer umgefahren zu werden oder auch von Familien mit Kindern auf’s Übelste beschimpft zu werden, weil meine Hunde den Plagen das „Gesicht aus dem Kopf beißen könnten“ (Zitat!!!!). All diesen Schönwettermenschen sei es selbstverständlich gegönnt, sich bei uns zu erholen und zu entspannen. Aber ein etwas freundlicheres Miteinander wäre wünschenswert … haaaach, was ist das schön, wenn bei uns eiskalter Ostwind herrscht, der Himmel grau ist, es womöglich anfängt, zu regnen … dann können wir unbeschwert und nach Herzenslust toben und spazieren gehen … ich freue mich schon darauf!!
    Viele Grüße
    Martina

    • Alexandra Sagt Antworten

      Liebe Martina, ich sehe schon, du hast das Motto: „Es gibt kein schlechtes Wetter, höchstens die falsche Kleidung“ vorbildlich verinnerlicht – und schlechteres Wetter (bzw. kältere Temperaturen) kommen ja garantiert auch bald wieder ;-). Aber ich stimme dir ganz zu: ein (gegenseitig) rücksichtsvolle(re)s Verhalten wäre häufig wirklich ein Traum… Das gilt ja im übrigen leider häufig auch für das Verhalten von Hundehaltern untereinander.

  3. Ramona Sagt Antworten

    Hallo Aleandra,

    ich bin vor einem Jahr vom hohen Norden ins schöne Bayern gezogen. Im Vorfeld informiert war ich begeistert von den Regelungen, die in München und Umgebung gelten. Im Gegensatz zum großen Rest gilt hier nicht die allgemeine Leinenpflicht, sondern man hat mit Hund (zumindest theoretisch) relativ viele Freiräume.
    Leider ist das allgemeine Klima gegenüber Hunden in Deutschland nicht besonders tolerant. Selbst wenn man, wie ich seinen Hund mit Rücksicht auf seine Mitmenschen fast ausschliesslich dann frei laufen lässt, wenn uns niemand entgegen kommt, wird man häufig trotzdem „angefeindet“.
    Ich habe eine Schäferhündin und gehöre damit in den Augen vieler Menschen direkt in die Kategorie „Kampfhundehalter“ (Ich hasse diesen Begriff!!) Dabei gehorcht meine Hündin mit Sicherheit besser als 90% der Hunde, die mir im Alltag begegnen. Ich kann einschätzen, was mein Hund mag und was nicht und verhalte mich dementsprechend. Wenn sich dann allerdings Menschen ungefragt an meinen Hund wagen, um ihn zu streicheln…oder andere Hundehalter meinen, dass sie uns eine Begegnung aufzwingen müssen….dann werde ich sauer.
    Ich glaube das allgemeine Bild von Hunden und Hundehaltern in der Gesellschaft wird (wie so oft) leider von denen geprägt, die sich eben nicht rücksichtsvoll im gegenseitigen MIteinander verhalten…von denen, die meinen Erziehung ist Glücksache oder gar Verfechter von antiautoritärer Erziehung bei Hunden sind. Sicherlich ist gerade bei Hunden der größeren Art ein sicherer Gehorsam im Alltag unabdingbar….ABER das gilt meines Erachtens auch für Kleinhunde.
    Trotz eigentlich (im Gegensatz zum Rest von Deutschland) sehr humaner Regelungen, was Hundehaltung angeht, herrscht hier selbst auf dem ländlichen Wohnungsmarkt ein eher….sagen wir raues Klima.
    Eine bezahlbare Wohnung zu finden ist an sich schon schwer genug….mit Hund gleich doppelt so schwierig. Das finde ich sehr schade.

    Alles in allem fände ich mehr Toleranz von allen Seiten wirklich schön…Würde sich jeder so verhalten, wie er gern selbst behandelt werden würde wäre uns allen geholfen.

    • Alexandra Sagt Antworten

      Liebe Ramona, da kann ich dir nur Recht geben! Und ich denke auch, dass die Negativ-Erfahrungen stärker im Gedächtnis hängenbleiben (so wie vermutlich die Schlagzeilen über Hunde-Attacken mehr als die Bilder süßer Welpen). Es ist bloß leider trotzdem so… frustrierend, wenn man sich wirklich nach bestem Wissen und Gewissen Mühe gibt und trotzdem ausbaden muss, was andere verbockt haben. Vielleicht muss ich mich einfach mal an einer gelasseneren Einstellung üben ;-).

  4. Petra Brandl Sagt Antworten

    Hallo,
    also ich habe 2 Jahre in München mit 2 Hunden gelebt und was am Anfang noch recht schön war, wurde zum alltäglichen Alptraum. Obwohl die Hunde super erzogen, menschen lieb und gut sozialisiert sind. Ich glaube jedoch auch das das ganze ein allgemeines gesellschaftliches Problem in München geworden ist, nicht nur wenn man Hunde hat, aber mit Hund noch deutlich schlimmer.
    Ich bin weg gezogen und ich habe keinen einzigen Tag für meine Hunde bereut.

    • Alexandra Sagt Antworten

      Liebe Petra, vielen Dank für deinen Kommentar! Ich befürchte ja, dass es sich nicht nur auf München beschränkt, nur hier bekomme ich eben mit ;-). Und ich befürchte außerdem, dass es nicht nur Hundehaltern so ergeht, dass das soziale Klima als ‚rauer‘ wahrgenommen wird. Mit Hund, und noch mehr mit 2 Hunden, bietet man aber auf jeden Fall leider deutlich mehr Angriffsfläche. Aber ich bin froh zu hören, dass die Lösung mit dem Wegzug gut funktioniert hat :-)))

  5. Jana Sagt Antworten

    Hallo,

    ich bin zwar etwas spät dran, möchte aber trotzdem einen Kommentar zu Deinem Artikel abgeben, denn Du sprichst mir aus der Seele.
    Wir sind im Juni mit zwei Hunden (Rasse: sowas-das-aussieht-wie-Labi-Mix) vom westlichen Karlsfeld am Rand von Feldern und Wiesen nach Obermenzing gezogen. Mit großem Garten und hundefreundlichen Vermietern und Nachbarn – alles prima soweit.

    Als es heiß wurde und ich Urlaub hatte, habe ich das Internet nach Seen mit Hundestrand durchsucht. Am Schluss habe ich mich für den Feldmochinger See entschieden. (Ja, ich habe diesen See auf einer Hundestrand-Seite gefunden..)
    Wir haben uns dort ein Plätzchen gesucht und meine kleine Schwester (10) ist sofort mit den Hunden ins Wasser zum Spielen. Ca. 2 Minuten später wurden wir schon angekeift von einer älteren Dame, die meinte die Hunde müssten raus aus dem Wasser, das wäre unhygienisch. Ich fragte sie ob ihr es denn mehr ausmachen würde als die vielen Menschen, die ins Wasser urinieren. Sie meinte ja, es wären andere, gefährlichere Keime an den Hunden und überhaupt wäre es sowieso verboten. Kurz danach war schon die See-Polizei da. Zwei Männer, einer davon sichtlich angetrunken, forderten uns auf sofort den Platz zu verlassen. Ich fragte wo der Hundestrand sei. Der wäre auf der anderen Seite des Sees. Die Frau keifte immer noch weiter von der Seite und gestresst und etwas überfordert forderte ich Sie auf sich jetzt doch um was anderes zu kümmern. Daraufhin brüllte mich einer der Aufpasser an, ich solle den Mund halten und jetzt sofort abhauen, während der andere Aufpasser uns (3 Mädels) ununterbrochen mit seinem Handy filmte. Wir packten zusammen und fuhren zur anderen Seite des Sees, zum Haus des DLRG und konnte diesen Hundestrand nicht finden. Ich fragte dort nach und einer vom DLRG meinte, es gäbe keinen, nur eine Hundewiese (eine Wiese – nicht am Wasser – mit einem Schild, welches das Führen von Hunden AN DER LEINE (!) auf dieser Wiese erlaube), aber wenn wir die Hunde hier ins Wasser ließen „würden sie nicht einschreiten“. Also gingen wir an einem kleinen sehr steilen kleinen Hang, wo niemand war und hinwollte ins Wasser. Es war auch kein Durchgangsbereich, ganz versteckt hinter Büschen. Ideal – dachten wir.
    Vielleicht 1 Stunde später kamen die 2 Aufpasser von der anderen Seite des Sees bei uns an. Der Eine fing sofort an uns wieder zu filmen, während der andere auf uns zustürmte und anfing wirklich aggressiv rumzuschreien. Es reiche ihm jetzt mit uns, wir sollen unser Zeug packen und abhauen, wir hätten ab sofort Hausverbot. Meine Hunde sind eher ruhige und ängstliche Tiere und zogen sich ins Wasser zurück, von wo aus sie den Mann anbellten, ob der Aggression, welche er uns entgegenbrachte. Meine kleine Schwester stand im Wasser und traute sich kaum sich zu bewegen. Ich sagte ihm er solle aufhören so rumzuschreien, die Kleine habe Angst vor ihm. Er meinte, er könne hier tun was er wolle, denn er habe „Hausrecht“ und wir sollen uns „schleichen“. Wir packten und gingen zum Auto. Vorbei an überquellenden Abfalleimern, grölenden Grill-Gruppen, lauter Musik aus mitgebrachten Stereoanlagen… ich war so geknickt und enttäuscht und vor allem fühlte ich mich absolut ungerecht behandelt. Da hatte ich es bereut in die Stadt gezogen zu sein.
    Mein München-Sommer-Hunde-Blues hielt wirklich einige Wochen an, bis ich mich an einem anderen heißen Tag erinnerte, dass ich am Flaucher einmal einen Haufen Hunde gesehen hatte. Wir also da hin.. natürlich haben wir uns ein Plätzchen gesucht, dass etwas abgelegener war, aber es war toll. Viele Leute mit Hunden, keine konservativen Rentner (sorry, ich hab einfach schlechte Erfahrungen gemacht), dazwischen Kinder (ohne Angst und ohne hysterische Eltern).

    Liebe Alexandra, Du hast Recht. Unsere Hunde werden zunehmends dämonisiert. Ich sehe die Angst in den Augen der Leute, wenn wir mal in den Obermenzinger Seitenstraßen ohne Leine zum Fußballplatz laufen. Ich nehme meine 2 Mädels jetzt nur noch an die 8-Meter Rollleine, damit die liebe Seele Ruhe hat. Aber weißt Du was? Wenn sie an der Leine sind dann drehen sich so oft Leute zu uns um und sagen, „Mei, san die Zwoa liab…“ und „Mei, so brav…“. Innerlich geht mir das Messer in der Tasche auf, aber ich lächle und leiste meine Überzeugungsarbeit.

    Meine nächste Wohnung/Haus wird aber definitiv wieder außerhalb von München liegen.

    • Alexandra Sagt Antworten

      Liebe Jana,

      erst einmal vielen Dank, dass du deine Erfahrungen hier teilst! Das hört sich ja wirklich nach einer ganz üblen Situation an, äußerst verständlich, dass du daran einige Zeit zu knabbern hattest. Besonders traurig finde ich, dass auch noch deine kleine Schwester dieses Verhalten der „Aufpasser“ miterleben musste. Rechtlich war die Sache mit dem Filmen vermutlich vertretbar – außer, die Aufnahmen würden veröffentlicht, dann greift auf jeden Fall das „Recht am eigenen Bild“. In dem ganzen Zusammenhang finde ich es aber ein Unding! Mich würde mal interessieren, welche Befugnisse diese Aufpasser eigentlich haben? Ich könnte mir vorstellen, dass vielleicht private Sicherheitsfirmen dort im Auftrag der Kommune kontrollieren? Sicherlich könnte man so ein Verhalten an die zuständigen Stellen bei der Kommune (oder eben: dort, wo die Beauftragung geschieht) zu melden. Es gibt ja auch so etwas wie ‚Angemessenheit‘ – und die war hier sicherlich nicht gegeben, was den Tonfall und auch das Filmen angeht!

      Ich finde es super, dass du versuchst, für ein entgegenkommendes Miteinander zu sorgen – es ist nur wieder so schade, dass es in der Form überhaupt nötig ist. Ich kann jedenfalls sehr gut nachvollziehen, dass du dich beim nächsten Umzug auch lieber wieder außerhalb der Stadt ansiedeln willst!

  6. Poppeldipoppeldipositiv: Von der hohen Kunst der Positiven Psychologie im Hundetraining | Isarhunde Sagt Antworten

    […] manchmal doch etwas gestresste Großstadt-Hundehalterin war ich schon enorm gespannt, was Christina Sondermann an Handwerkszeug für uns mitgebracht hatte. […]

  7. Julia Sagt Antworten

    Hut ab vor dem Artikel, exzellent geschrieben! Ich bin zwar Bonnerin, aber auch hier spüre ich etwas von dem was du in München beschreibst. Nicht in dem Ausmaß, alles in allem empfinde ich Bonn als eine sehr tolerante Stadt, aber unterschwellig ist etwas von diesem „was macht der Hund in der Stadt“ Phänomen vorhanden. Es ist wirklich erstaunlich, wie oft und fordernd Rücksicht von Hundehaltern verlangt wird (ist für mich irgendwo selbstverständlich), aber Verständnis oder gar ein wenig Rücksicht zurück auf die Hundehalter ist dann nicht nötig.
    Wie gesagt, danke für den Artikel!
    Liebe Grüße, Julia mit Jack & Jessy

  8. Genki & Co Sagt Antworten

    Ich geb Mal etwas leicht peinliches zu (Meine Schwester nannte mich deswegen „seltsam“): Auf einer meiner Hauptgassirunden – Einem Weg umgeben von Wildgärten, der unseren Ort mit dem Nachbarsort verbindet – laufe ich schon seit langem mit einem Schriftverkehr mit unserer Gemeindeverwaltung in der Gassitasche. Dort habe ich mir mehrfach versichern lassen, dass Hunde dort frei laufen dürfen. Erstaunlicherweise ist das ganze bei uns ziemlich kompliziert geregelt: Hunde dürfen bei uns im Ort im „baurechtlichen Außenbezirk“ frie laufen, im Innenbezirk sind sie an der Leine zu führen. Und weil das so ein Wischiwaschigelabere ist, blickt hier keiner durch – Außer einigen Nichthundehaltern. Die scheinen genau zu wissen, wo Hunde hier frei laufen dürfen und wo nicht, im Gegensatz zu offenbar dummen Leuten wie mir, die dafür erst die Gemeindeverwaltung kontaktieren mussten, die das dann, erstaunlicherweise, auch nicht weiss und sogar das Baumamt für diese Info zu rate ziehen musste. Noch faszinierender ist es, dass diese Leute das sogar besser zu wissen scheinen, als Gemeindeverwaltung oder Bauamt. Denn als ich zum ersten Mal dort zusammengestaucht wurde, das mein Hun dort nicht frei laufen dürfte und ich ihnen versichere, dass er es doch dürfte und dass ich mir diese Info bei der Gemeindeverwaltung selbst eingeholt habe, wurde mir gesagt, dass man mich da falsch informiert haben müsste. Es kann für manche Menschen offenbar nicht sein, dass Hunde irgendwo frei laufen dürfen, wo sie mit Menschen oder Radfahrern in Kontakt treten könnten. Und seit dem laufe ich nun mit diesem Schreiben (inklusive Google Map Ausdruck mit Markierten flächen und einem ganz klaren „Ja, das ist baurechtlicher Außenbereich“, inklusive Auszug der Polizeiverordnung, die besagt, dass Hunde im Außenbereich frei laufen dürfen) mit mir rum. Wenn man drüber nachdenkt, ist das ganze eigentlich einfach nur traurig. Man hat immer nur das Gefühl, überall zu stören. Ich versuche schon anderen Leuten, Hunden, Ratfahrern, Reitern, wasauchimmer aus dem Weg zu gehen, sogut ich kann, aber irgendwohin muss ich nun Mal auch mit meinen Hunden, nur so langsam weiss ich nicht mehr wohin. Selbst im tiefsten Wald ist es mir schon passiert, dass ich von einer Mutter mit Kindern angemeckert wurde, dass ich meine Hunde dort nicht frei laufen lassen soll, es wären ja Kinder (für die sich meien Hunde null interessiert haben) in dre Nähe. Es ist völlig egal wie man’s macht und wo man hingeht: Irgendjemandem ist es immer irgendwie nicht genehm.

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