Gastartikel von Stephanie Lang von Langen, Das Wunjo-Projekt

Der Einsatz von Hunden kann die therapeutische Arbeit erleichtern, im Schulunterricht zu mehr Ruhe und Konzentration beitragen und Senioren mehr Lebensfreude, Mobilität und geistige Beweglichkeit schenken. Das ist bekannt, nicht nur unter Tierfreunden. Immer mehr Hunde werden für tiergestützte Therapie eingesetzt. Doch artgerechter Umgang ist dabei oft nachrangig. Wie müssen Ausbildung und Arbeit gestaltet sein, damit sie auch den Bedürfnissen des Tieres gerecht werden? Und worauf sollten Hundehalter achten, die im Bereich der tiergestützten Therapie aktiv werden wollen?

Risikovermeidung: Überlegungen vor dem Beginn der Ausbildung

Das große Risiko bei der tiergestützten Therapie aus Perspektive des Tierschutzes ist: Wenn der Hund als reines Instrument der therapeutischen Arbeit dient, spielt artgerechter Umgang keine Rolle. Also wird der Hund überfordert oder gestresst, werden seine Äußerungen missachtet und seine Gesundheit gefährdet – dabei muss nicht mal böse Absicht im Spiel sein.

Das beginnt bei der Ausbildung. Ob der Tierschutz geachtet wird, stellt der aufmerksame Interessent bald fest. Ein zuverlässiges Signal ist, ob man zu Beginn der Ausbildung befragt wird: Warum will ich die Ausbildung machen und wie stelle ich mir die künftige Arbeit mit meinem Hund vor, wie schätze ich meinen Hund ein und vor allem: warum glaube ich, dass diese Arbeit das Richtige für mich und meinen Hund ist. All diese Fragen sind berechtigt und wichtig – denn nicht jedem tut diese Arbeit gut.

Frage eins: Bin ich geeignet?

Der Interessent sollte sich darüber klar sein, ob er anderen mit seiner Arbeit helfen kann, ohne die Bedürfnisse seines Hundes aus den Augen zu verlieren. Nicht artgerecht ist eine Ausbildung, wenn sie lehrt, dass jeder Hund alles erdulden muss und in jedem Bereich der tiergestützten Therapie eingesetzt werden kann. Denn jedes Team aus Hund und Mensch ist einzigartig. Und so sollte im Laufe der Ausbildung von Mensch und Hund herausgearbeitet werden, wo die Stärken liegen.

Frage zwei: Ist mein Hund geeignet?

Die meisten Hunde sind geeignet. Selbstverständlich muss man Beißunfälle ausschließen können, den Hund jederzeit abrufen können und unter Kontrolle haben. Das ist die erste Bedingung.

Zweitens spielt die Persönlichkeit des Hundes eine große Rolle bei der Frage, in welcher therapeutischen Arbeit er positiv wirken kann. Erfahrene Trainer erkennen, welcher Typ Hund vor ihnen steht und wie stark er durch seinen Halter beeinflusst ist. Hunde spüren genau, wie es dem Menschen geht und welche Gefühle er hat. Diese Fähigkeit macht ihn ja so wertvoll für die Arbeit mit anderen Menschen.
Auch Hunde haben Vorlieben: Der eine fühlt sich zu Kindern hingezogen, der andere zu älteren Menschen. Und das ist gut so. Das sollte man berücksichtigen, wenn man allen Beteiligten gerecht werden will und das positive Potential der tiergestützten Therapie voll ausschöpfen möchte.

Frage drei: Welche Ausbildung ist für mich geeignet?

Die dringende Empfehlung für alle Interesse an tiergestützter Therapie: Die Ausbildung sollte sorgfältig gewählt werden.

Eine gute Ausbildung für Mensch und Hund setzt qualifizierte Dozenten voraus, mindestens aus den Bereichen Psychologie, Medizin und Verhaltensbiologie des Hundes. Ein Blick auf den Fach- und Erfahrungshintergrund des Ausbilder-Teams zeigt: Habe ich es mit kompetenten und einschlägig erfahrenen Lehrern aus den erforderlichen Disziplinen zu tun?

Checkliste – So erkenne ich eine geeignete Ausbildung für tiergestützte Therapie

  • Es unterrichten mehrere qualifizierte Dozenten, mit Kenntnissen in Psychologie, Medizin und Verhaltensbiologie des Hundes
  • Die Ausbildung umfasst mindestens auch: Kynologie, Verhaltensbiologie des Hundes, Stress bei Hunden, Hund-Mensch-Kommunikation
  • Der Umgang mit Menschen in den relevanten Lebenssituationen wird thematisiert, z.B. Lernschwierigkeiten und Konzentration, psychische Störungen und Einschränkungen, Krankheit und Traumatisierung, Alterserkrankungen und Demenz
  • Es wird auf artgerechten Umgang und Tierschutz geachtet
  • Die Helfer-Ethik der Ausbildungsteilnehmer wird thematisiert, z.B. Abgrenzung und Burnout-Prävention, Angebot einer Supervision
  • Eine Vorbereitung auf die spätere praktische Arbeit findet in Theorie und Praxis statt, z.B. gibt es ausreichende Möglichkeiten zu begleiteten Praktika
  • Zum Abschluss legen die Teilnehmer vor einem externen Prüfer einen Test in Theorie und Praxis ab
  • Die Teams stellen sich auch nach Ausbildungsende regelmäßig wieder vor und belegen ihre Einsatzfähigkeit (mindestens alle eineinhalb Jahre)

Vom Sinn artgerechter Arbeit

Spätestens im Praxis-Einsatz zeigt sich, dass artgerechte Ausbildung auch aus therapeutischer Sicht eine Erfolgs-Voraussetzung ist. Manche Ausbildungen vertreten den Standpunkt, dass die Hunde im therapeutischen Einsatz alles erdulden müssen und trimmen sie auf absoluten Gehorsam. Das ist kontraproduktiv.

Im Umgang mit dem Klienten ist nicht Kadavergehorsam gewünscht, sondern intelligenter Ungehorsam: Der Hund muss in der Lage sein, selbständig Kontakt zum Klienten aufzunehmen. Er soll auch mal betteln oder schmeicheln, um Spielen, Futter oder Streicheleinheiten werben. Nur wenn er das kann, wird eine Interaktion zwischen Hund und Klienten entstehen – und das ist die Voraussetzung für das therapeutisch wirkende Erfolgserlebnis.

Ein Hund, der absolut auf Gehorsam getrimmt ist, wird sich nur am Halter orientieren. Er wird sichergehen wollen, dass er alles recht macht. Der Hund wird unselbständig und die Kontaktaufnahme zu Fremden fällt ihm schwer. Eine freie Interaktion mit dem Klienten kann dann kaum zustande kommen.

Stepahnie Lang von Langen
Stepahnie Lang von Langen
Über die Autorin
Stephanie Lang von Langen wuchs in Kenia auf und zog mit 11 Jahren mit Ihren Eltern nach Oberbayern. Sie studierte an der ATN Zürich/Schweiz Tierpsychologie für Hunde und Pferde und arbeitet seit rund 12 Jahren als Verhaltenstrainerin und Ausbilderin für Hundeführer und Hundehalter. Ihre Schwerpunkte sind Verhaltenstraining für Problemhunde, Verhaltensberatung für Auslandshunde sowie Ausbildung zur Personensuche (Mantrailing). 2009 gründete sie in Bad Tölz das Ausbildungszentrum für Therapiebegleithundeteams ‚Wunjo-Projekt‘.

Über das Wunjo-Projekt
Seit 2009 gibt es im oberbayerischen Bad Tölz ein Ausbildungszentrum für tiergestützte Therapie und seit 2013 auch in München Grünwald.
Die zehnmonatige Kompakt-Ausbildung vermittelt alle Kenntnisse und Fertigkeiten zur Arbeit in der tiergestützten Therapie und legt besonderen Wert auf artgerechten Umgang.
Der praktische Teil der Ausbildung findet in verschiedenen sozialen Einrichtungen statt. Vom Wunjo-Projekt ausgebildete Teams arbeiten derzeit in Schulen, Seniorenwohnheimen, sozialtherapeutischen Wohnheimen, einem Mehrgenerationen-Haus, einer Rehaklinik sowie mehreren psychotherapeutischen Praxen in Oberbayern.

Weitere Infos: www.das-wunjo-projekt.de

Hallo, mein Name ist Alexandra. Vor sechs Jahren zog Mika, ein ungarischer Mischling, aus dem Münchner Tierheim zu mir in die Stadtwohnung. Seitdem machen wir auf sechs Beinen die Stadt und das Umland unsicher. Als Hundenärrin möchte ich auf Isarhunde.de andere Münchner Hundehalter über die "Hundeszene" der Stadt auf dem Laufenden halten, von Erlebnissen berichten und tierische Fundstücke vorstellen.

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