Gastartikel von Sandra Hofmeister, Die Zamperlschule

Jagdhunde erfreuen sich immer größerer Beliebtheit in Nichtjäger-Hand. In den meisten Fällen bedeutet es viel Arbeit und Durchhaltevermögen, aus dem arbeitslosen Jäger einen Begleiter zu machen, dem man auf dem gemeinsamen Spaziergang beim Freilauf vertrauen kann.

Gerade – aber nicht nur – Jagdhunde und Jagdhundmischlinge aus dem Ausland bringen häufig eine ordentliche Portion Jagdtrieb mit in ihr neues Zuhause, womit die frisch gebackenen Hundebesitzer mitunter überfordert sind. Oft wird die jagdliche Passion völlig unterschätzt und nicht bedacht, dass die Hunde zum Teil schon jagdlich gearbeitet haben, bevor sie „aussortiert“ wurden und ihren Weg nach Deutschland antreten durften.

Das gleiche Training für Jederhund?

Der meiner Meinung nach wichtigste Aspekt des Antijagdtrainings – oder besser: des Alltagstrainings für Jagdhunde – ist das Wissen über rassetypische Verhaltensweisen.

Jagdhund ist nicht gleich Jagdhund, ein Setter verhält sich anders als ein Weimaraner, ein Beagle anders als ein Podenco, dasselbe gilt natürlich auch für Mischlinge. Dementsprechend muss das Training an den individuellen Jagdhundecharakter angepasst werden, ein allgemein gültiges Antijagdtraining kann es daher nicht geben.

Miteinander statt gegeneinander trainieren

Jagdhund ist nicht gleich Jagdhund, nur ein individuell auf die rassetypischen Bedürfnisse abgestimmtes Training führt zum gewünschten Ergebnis.  Foto: © Sandra Hofmeister
Jagdhund ist nicht gleich Jagdhund, nur ein individuell auf die rassetypischen Bedürfnisse abgestimmtes Training führt zum gewünschten Ergebnis.
Foto: © Sandra Hofmeister
Einen passionierten Jagdhund an einer 10 m-Schleppleine zu führen und einen Superpfiff für den Notfall zu haben reicht nicht aus, um einen zuverlässigen Alltagsbegleiter in Wald und Feld zu bekommen. Gezieltes Aufmerksamkeitstraining, bei dem der Hund lernt, Sie auch auf dem Spaziergang nicht zu vergessen, sollte unbedingt Bestandteil des Trainings sein.

Methoden, wie z. B. den Hund mit Stachelhalsband auszustatten und ihn in vollem Tempo in die Schleppleine laufen zu lassen, während er von einer Hasenzugmaschine dazu animiert wird, dem „Hasen“ hinterherzurennen, haben neben der Gefahr der Fehlverknüpfung in der Regel auch einen Knacks in der Mensch-Hund-Beziehung zur Folge und müssen – anders als von vielen behauptet – immer wieder aufgefrischt werden. Ziel des Trainings ist ein entspannteres Miteinander, dies kann mit derartigen Ansätzen sicherlich nicht erreicht werden.

Sinn und Zweck des Antijagdtrainings ist, dass der Vierbeiner gerne mit uns zusammenarbeitet. Neben einem richtig aufgebauten Abbruchsignal und dem Erlernen von Selbstbeherrschung (Impulskontrolle) ist artgerechte Beschäftigung ein absolutes Muss. Dem Vierbeiner nur zu sagen, was er alles NICHT darf, ohne eine Alternative anzubieten, bringt auf Dauer unter Umständen erst recht Problemverhalten hervor.
An Such- und Apportierarbeit finden die meisten Jagdhunde Gefallen. Mantrailing (egal ob als Hobby oder in einer Rettungshundestaffel), Dummytraining oder Gegenstandssuche sind Möglichkeiten, die Jäger sinnvoll zu beschäftigen und sinnvoll genutzte Zeit miteinander zu verbringen.

Cool bleiben!

Das Thema Stimmungsübertragung wird meist völlig vernachlässigt und unterschätzt.

Man scannt beim Waldspaziergang kontinuierlich die Gegend, damit man das Wild auf jeden Fall vor dem jagdlich motivierten Begleiter entdeckt. Taucht dann tatsächlich ein Reh auf, ruft man ganz hysterisch nach seinem Hund. Wer kennt das nicht?

Doch was wird dem Vierbeiner hierbei vermittelt? Völlige Aufregung unsererseits lässt darauf schließen, dass auch wir hin und weg von dieser Rehsichtung sind, und das nervöse Umherschauen lässt vermuten, dass auch wir uns beim Spaziergang ausschließlich mit der Suche nach Wild auseinandersetzen.

Man sollte sich als Hundebesitzer bewusst machen, inwieweit man die Hunde allein über die innere Einstellung beeinflussen kann. Lieber entspannt bleiben und sich nicht darauf konzentrieren, dass hinter der nächsten Ecke ein Kaninchen sitzen könnte, auch wenn es schwer fällt!

Über Die Zamperlschule

Die Zamperlschule bietet neben fundiertem Fachwissen und einer großen Auswahl an Beschäftigungsmöglichkeiten vor allem individuelles Training. Jedes Mensch-Hund-Team ist anders, hierauf wird sowohl im Einzeltraining als auch in den Gruppenstunden oder bei Workshops speziell eingegangen. Wer gerne in entspannter Atmosphäre mit seinem Vierbeiner lernen möchte, wie viel Spaß Hundetraining machen kann, ist hier genau richtig!

Weitere Infos: www.diezamperlschule.de

Hallo, mein Name ist Alexandra. Vor sechs Jahren zog Mika, ein ungarischer Mischling, aus dem Münchner Tierheim zu mir in die Stadtwohnung. Seitdem machen wir auf sechs Beinen die Stadt und das Umland unsicher. Als Hundenärrin möchte ich auf Isarhunde.de andere Münchner Hundehalter über die "Hundeszene" der Stadt auf dem Laufenden halten, von Erlebnissen berichten und tierische Fundstücke vorstellen.

2 Comments

  1. Sabine Sagt Antworten

    Wunderbare Info. Ich denke auch dass jeder Hund bzw. jede Hunderasse eigene Charakterzüge hat und genau wie bei Menschen muss man dies bei der Erziehung berücksichtigen. Ich persönlich finde es toll dass auch Tiere aus den Tierheimen geholt werden!!! Es muss ja nicht immer ein Welpe sein.
    Grüße

  2. Carmen Schad Sagt Antworten

    Sehr interessanter Artikel. Ich führe gleich drei Jagdhunde und habe die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist die Hunde solchen Situationen auszusetzen. Wir können heute unangeleint an Rehen vorbei laufen, die Hunde interessiert es einfach nicht.

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