In der letzten Zeit erreichen uns auf der Isarhunde-Facebookseite immer wieder Hinweise zu entlaufenen Hunden. Vor allem Angsthunde, die zum Beispiel gerade erst aus dem Auslandstierschutz nach Deutschland gekommen sind, aber auch Vierbeiner mit starken Jagdtrieb sind gefährdet: Oft reicht nur ein kleiner Auslöser, ein unaufmerksamer Moment und schon ist der Hund entwischt. Panische Hunde oder solche, die im „Jagdmodus“ sind, lassen sich in der Regel nicht mehr ansprechen: Das Gehirn ist vollständig auf die aktuelle Situation gepolt, das bedeutet entweder auf Flucht oder eben auf die Jagd, andere Reize werden nicht mehr wahrgenommen oder nicht entsprechend verarbeitet.

Was aber kann man tun, wenn der Hund wegläuft? Am wichtigsten in dieser Situation ist es, nicht in Panik zu verfallen. Das ist sicherlich auch gleichzeitig die schwierigste Hürde. Dennoch bringt es im Normalfall nichts, den Hund rufend zu verfolgen, um ihn wieder einzufangen: Man erreicht damit gerade bei ängstlichen Tieren meist nur das Gegenteil. Wartet auf jeden Fall noch eine Weile an der Stelle, an der der Hund entlaufen ist. Schaut am besten auf die Uhr, um die Zeit realistisch einschätzen zu können, denn bekanntlich will diese in einer solchen Situation beim Warten nicht vergehen. Sprecht vorbeikommende Spaziergänger an und gebt diesen eure Handynummer, damit sie bei einer Sichtung gleich anrufen können. Wenn möglich, schaltet Hilfe ein, sodass ihr beispielsweise den Hund in einem Spaziergebiet „einkreisen“ könnt.

Ein guter Tipp ist es, an der Stelle, an der euer Hund weggelaufen ist, einen Gegenstand mit vertrautem Geruch zu hinterlassen, etwa eine Jacke oder Decke: Jagende Hunde kehren „nach getaner Arbeit“ häufig zurück dorthin oder – sofern sie in bekannter Umgebung sind – kommen von alleine nach Hause.

Wenn der Hund nicht wieder auftaucht, sollten als erstes die „offiziellen“ Stellen verständigt werden:

  • Tierheime der Umgebung
  • Tasso (24-Stunden-Notruf unter 06190-937300) und/oder andere Haustierregister
  • Polizei
  • Förster / Jagdpächter
  • Tierschutzvereine
  • Tierärzte / Tierkliniken der Umgebung
  • Ordnungsamt
  • Straßenmeisterei

Beschreibt euren Hund genau: Rasse? Wie sieht er aus? Größe? Besondere Merkmale? Trägt er Halsband / Geschirr? Ist er gechippt? Chip-Nummer? Gibt es etwas zu beachten (Ängste, Krankheiten o.ä.)? Macht Angaben zu den Umständen: Wo ist er entlaufen? Wann (Datum und Uhrzeit)? In welche Richtung?

Sucht ein Foto, auf dem man euren Hund möglichst gut erkennen kann, und erstellt einen Steckbrief (darauf bitte nicht die Chip-Nummer angeben, nur den Hinweis, dass Hund gechippt oder nicht gechippt ist). Ganz wichtig sind darauf zuverlässige Kontaktdaten: Gebt evtl. eine zweite Handynummer eines Freundes nach Rücksprache mit an, damit Hinweise sicher entgegengenommen werden können. Sinnvoll ist es eine Person zur Koordination von Suchaktionen dazuzuholen, die Hinweise zu Sichtungen entgegennimmt, Kontakt zu Organisationen/Institutionen herstellt und Suchtrupps aufeinander abstimmen kann.

Soziale Netzwerke haben sich als sinnvolle Multiplikatoren für Suchaufrufe/-aktionen erwiesen: Postet euren Steckbrief bei Facebook, dort gibt es viele Seiten und Gruppen, die regionalen Bezug und/oder Bezug zum Tierschutz haben und euch sicher unterstützen. Gedruckte Plakate und Handzettel solltet ihr im Suchgebiet an Spaziergänger, Jogger etc. verteilen sowie bei

  • stark frequentierten Plätzen wie Bushaltestellen, Bahnhöfen, Taxiständen
  • sowie Supermärkten, Geschäften, Bäckereien
  • Tierarztpraxen
  • Tierläden
  • Hundegebieten, Gassistrecken, Wanderstrecken

Auch die lokale Presse kann ein sinnvoller Multiplikator sein, wenn der Hund nach mehreren Tagen noch nicht wieder gefunden wurde.

Der Radius ist schwer einzuschätzen und variiert von Fall zu Fall stark. Passt den Umkreis, in dem ihr Aushänge macht, an eventuelle Sichtungsmeldungen an. Wenn der Hund in einem Bereich lokalisiert, aber nicht gefunden/aufgegriffen werden konnte, können dort Futterstellen angelegt werden. Mit etwas Glück nimmt der Hund diese an und bleibt in der Nähe. Dann ist Fingerspitzengefühl verlangt: Wenn sich der Hund wieder beruhigt hat, kann seine Vertrauensperson versuchen, sich ihm langsam zu nähern bzw. in der Gegend zu ‚lagern‘ und zu warten, dass der Hund von selber herankommt. Bei sehr ängstlichen Hunden kann auch der Einsatz einer Lebendfalle sinnvoll oder nötig sein. Achtung: Hierfür muss ein Profi hinzugezogen werden!

Bitte denkt auch daran, alle Stellen auch darüber zu informieren, wenn ihr euren Hund wiedergefunden habt: Die Anteilnahme ist erfahrungsgemäß groß und so kann man die Freude über eine wohlbehaltene Rückkehr direkt mit Gleichgesinnten teilen :)!

Noch ein kurzer Hinweis in eigener Sache: Die letzten Tage der Wahl zum Superblog 2012 sind angebrochen. Wir würden uns freuen, wenn ihr Isarhunde.de mit eurer Stimme unterstützt. Das Voting läuft noch bis zum 25.04.2012, 12 Uhr. Unter allen Votern wird übrigens ein iPad 3 verlost!

Im Anschluss kommen wie immer die Termine für Menschen mit Hund in und um München für diese Woche:

Workshops:

  • Kompaktkurs „Fungility für Einsteiger“
  • Kompaktkurs „Mantrailing für Anfänger und/oder Fortgeschrittene“
  • Trick-Training mit Mica Köppel
  • Filmtierseminar: Wir drehen einen Film
  • Schnupperkurs: Personensuche
Seminare und Vorträge:
  • Durchführung des Besuches
  • Dorn-Therapie für Hunde
  • Abstammung und Domestikation des Hundes
  • Röntgenbilder richtig auswerten
Ausflüge und Spaziergänge:
  • Trainingsspaziergang München City
  • Ausflug in den Tierpark Hellabrunn
Feste:
  • Frühlingsfest im Tierheim Riem

Hallo, mein Name ist Alexandra. Vor sechs Jahren zog Mika, ein ungarischer Mischling, aus dem Münchner Tierheim zu mir in die Stadtwohnung. Seitdem machen wir auf sechs Beinen die Stadt und das Umland unsicher. Als Hundenärrin möchte ich auf Isarhunde.de andere Münchner Hundehalter über die "Hundeszene" der Stadt auf dem Laufenden halten, von Erlebnissen berichten und tierische Fundstücke vorstellen.

2 Comments

  1. Andree Sagt Antworten

    Sehr guter Beitrag zum Thema. Leider schafft unser Tschechoslowakischer Wolfshund das Stiften gehen auch immer wieder hervorragend. Wir hatten aber Glück, dass er trotz seiner Entdeckungstouren immer wieder nach Hause gekommen ist.

    • Alexandra Sagt Antworten

      Vielen Dank :-)!

      Häufig geht so ein „Ausflug“ ja auch gut aus, der Hund kehrt zurück oder wird aufgegriffen und die Besitzer verständigt. Sofern keine (größeren) Straßen gequert werden und dabei ein Unfall passiert, kann ein Hund ja auch durchaus eine ganze Weile alleine unterwegs aushalten. Ich denke die Gefahr ist eben am größten, wenn es sich um einen Angsthund handelt, der immer weiter jeden Menschenkontakt meidet und in Panik Hals über Kopf die Flucht antritt :(.

      Zum Glück ist es bei eurem Wolfshund gut ausgegangen – ich drücke die Daumen, dass es auch so bleibt :-)! Manche Rassen sind ja einfach recht selbständig, da muss man damit rechnen, dass eine Erkundungstour mal etwas länger dauert ;-).

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