Hundgestützt Teil 3: Voraussetzungen für die tiergestütze Arbeit

So unterschiedlich die Einsatzfelder von Hunden in der tiergestützten Arbeit, so verschieden sind auch die sechsbeinigen Teams, die sich darin einbringen: Ob groß oder klein, alt oder jung, Rassehund oder Mischling – viele Hunde sind geeignet für den Einsatz insbesondere als Besuchshund. Dennoch gibt es einige Anforderungen an den Hund und Überlegungen, die der Halter vorher bedenken sollte.

Foto: Sandra Melicchio / pixelio.de

Die Besuchshundetätigkeit ist das Haupteinsatzfeld in der tiergestützten Arbeit: Sie wird in der Regel im Rahmen eines Ehrenamts ausgeführt. Als Hundehalter solltet ihr euch also bewusst sein, dass diese Form des sozialen Engagements wie jedes Ehrenamt unbezahlt ist und einigen Zeitaufwand mit sich bringt.

Da die Einsätze als Besuchshund immer im Team mit dem Hundehalter stattfinden, solltet ihr euch auch überlegen, ob euch persönlich der soziale Kontakt etwa mit kranken, alten oder behinderten Menschen liegt bzw. ob ihr schon Ideen habt, in welchem Bereich ihr gerne eingesetzt werden möchtet.

Euer Hund muss zwar keine Rassen- oder bestimmte Altersvorgaben erfüllen, sollte aber dennoch einige Voraussetzungen mitbringen:

  • Kontaktfreudigkeit und Menschenbezogenheit: Idealerweise zeigt der Hund von sich aus Interesse an Menschen und hat sichtbar Freude am körperlichen Kontakt – Schmuser können bei Einsätzen voll auf ihre Kosten kommen, während „fremdelnde” Vierbeiner mit ihrer Aufgabe wohl nicht glücklich würden.
  • Wesensfestigkeit und „Nervenstärke”: Der Hund sollte möglichst eine Grundgelassenheit haben und sich nicht leicht aus der Ruhe bringen lassen, selbstverständlich darf er nicht aggressiv sein; da sich bestimmte Charakterzüge beim Hund erst mit der Zeit festigen, sind Einsätze in der Regel erst ab 1 Jahr zu empfehlen, sodass die Reaktionen des Hundes im Einsatz einigermaßen zuverlässig einschätzbar sind.
  • gute Sozialisation: Wenn euer Hund als Welpe und Junghund viele positive Erfahrungen mit unterschiedlichsten Umweltreizen sowie Menschen aller Altersklassen gemacht hat, ist er gut gerüstet, auch mit unbekannten Situationen, Geräuschen und Verhaltensweisen souverän umzugehen – natürlich ist es keine zwingende Voraussetzung, dass nur Hunde, die von Welpenbeinen an zu ihrer Aufgabe hingeführt werden, dieser auch gerecht werden können, aber es erleichtert den Start in die gemeinsame Besuchsarbeit.
  • guter Grundgehorsam: Euer Hund muss kein Trick-Star sein, aber er sollte sich absetzen und ablegen lassen und „stillhalten” können.
  • Gesundheit: Durch den engen Kontakt mit fremden, teils kranken Menschen, muss besonders auf den Gesundheitszustand des Hundes geachtet werden – regelmäßige Entwurmung und Impfungen sind hier Pflicht! Natürlich solltet ihr außerdem immer auf die Gesamtfitness eures Hundes, insbesondere auch auf den Bewegungsapparat achten.
  • Versicherung: In der Regel müsst ihr für euren Hund eine Haftpflichtversicherung abschließen, um mit ihm auf Besuche gehen zu können; je nach Organisation können Besuche auch über den Veranstalter versichert sein – klärt mit eurer Versicherung und dem Veranstalter, wie im Zweifelsfall die Haftungslage ist und ob Schäden im Rahmen des Besuchsdienst abgedeckt werden.
Foto: Sandra Melicchio / pixelio.de

Am allerwichtigsten ist aber euer Teamplay: Es liegt in eurer Verantwortung, euren Hund lesen zu können. So solltet ihr zum Beispiel beurteilen können, welche Einsatzbereiche für euren Hund passend und machbar sind (zum Beispiel Besuche von Gruppen oder Einzelpersonen, Besuche von Kindern oder alten Menschen). Ebenso ist es unerlässlich, dass ihr während eines Einsatzes einschätzen könnt, wann es eurem Hund zu viel wird oder er eine Pause braucht. Sinnvoll sind außerdem Kenntnisse in Erster Hilfe für Hund und Mensch.

Wenn ihr mit dem Gedanken spielt, mit eurem Hund im Bereich der tiergestützen Arbeit aktiv zu werden, solltet ihr auch einmal bei erfahrenen Teams „reinschnuppern”, um die Abläufe und Anforderungen kennenzulernen.

Um den Hund unvoreingenommen auf seine Eignung einschätzen zu können, ist es empfehlenswert, eine dritte Person als Beobachter zur Beurteilung hinzuzuziehen. In der Regel erfolgt eine solche Beurteilung automatisch auch im Rahmen eines Eignungstests vor der eigentlichen Ausbildung oder Schulung  als Besuchshunde-Team von Seiten der Vereine und Institutionen, die Besuchsdienste organisieren.

Zu Hundgestützt Teil 1: Hunde in der sozialen, pädagogischen, therapeutischen und medizinischen Arbeit

Zu Hundgestützt Teil 2: Eine Frage der Begrifflichkeit

In den kommenden Folgen stellen wir euch einzelne Initiativen im Bereich der tiergestützten Arbeit mit dem Hund in München vor

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