Hundgestützt Teil 2: Eine Frage der Begrifflichkeit

Tiergestützte Intervention

Alle Formen der sozialen, pädagogischen, therapeutischen und medizinischen Arbeit mit Hunden oder anderen Tieren lassen sich unter dem Begriff der Tiergestützten Interaktion zusammenfassen: Dabei befindet sich ein Tier entweder aktiv oder passiv in einem direkten Personenkontakt und löst dort Impulse aus, die im therapeutischen oder pädagogischen Sinne gewünscht und zielführend sind.

Der Bereich der Tiergestützten Intervention lässt sich in drei Hauptbereiche gliedern. In der Praxis sind die Übergänge häufig jedoch fließend.

Tiergestützte Aktivität / Tiergestützte Förderung / Tiergestützte Interaktion / Besuchshund

Ehrenamtliche Helfer besuchen mit ihren Tieren – hauptsächlich Hunden – Seniorenheime, Kliniken, Kinderheime, Behindertenheime, Hospize, Betreute Wohneinrichtungen, Schulen, Kindergärten, Justizvollzugsanstalten und Einzelpersonen mit einer körperlichen oder seelischen Beeinträchtigung. Sie bringen Freude und Abwechslung, Gesprächsstoff, Emotionen, Gefühle und Erinnerungen in den oft trüben Alltag. Hier liegt aber kein konkreter Behandlungsplan zugrunde.

Tiergestützte Pädagogik / Tiergestützte Erziehung / Schul- und Klassenhunde

In vielen Schulen, vor allem in sonderpädagogischen Förderschulen, gibt es inzwischen „Schulhunde“, die voll in das Unterrichtskonzept mit einbezogen sind. Der Hund im Unterricht wirkt ausgleichend, fördert die soziale Interaktion und die Impulskontrolle der Kinder und bereichert den Unterricht auf erstaunliche Weise. Die positiven ausgleichenden, konzentrationsfördernden sowie motivationssteigernden Wirkungen sind signifikant.

Daneben gibt es unzählige Einzelinitiativen und -konzepte quer durch Deutschland, bei denen Hunde in Kindergärten und Schulen im Rahmen von Besuchen mit ihren Haltern in einem kurzzeitigen Programm in den Unterricht kommen. Hier sollen Kinder vor allem den Umgang mit Hunden lernen, Angst verlieren und Hundeverhalten verstehen, um so Beißvorfällen besser vorbeugen zu können.

Tiergestützte Therapie / Therapiebegleithunde / Therapiehunde

Bei der tiergestützen Therapie ist das Tier ein integraler Teil des Behandlungsprozesses: Es liegt also zuallererst eine klinische Indikation beim Patienten vor. Um diese therapeutisch behandeln zu können, muss der Hundehalter eine entsprechende medizinisch-therapeutische Qualifizierung mitbringen. Der Hund ersetzt nicht den Therapeuten, sondern übernimmt eine unterstützende und mittelnde Funktion innerhalb der Behandlung.

Die Einsatzmöglichkeiten der tiergestützten Therapie sind vielfältig. So kommen tiergestützte Therapiemaßnahmen etwa in der Ergo- und Physiotherapie, Logopädie, Neurologie oder Psychiatrie zum Beispiel

  • bei Herzinfarktpatienten
  • bei Schlaganfallpatienten
  • bei Patienten mit Sprach- und Bewegungsstörungen
  • bei Alzheimerpatienten
  • bei körperlich und /oder geistig behinderten Kindern
  • bei verhaltensauffälligen Kindern
  • bei Patienten mit Depressionen
  • bei Patienten mit chronischen Schmerzzuständen
  • bei der Rehabilitation nach Unfällen
  • bei drogenabhängigen Patienten

zum Einsatz.

Zu den Zielen und nachweisbaren Effekten der tiergestützten Therapie gehören:

  • Reduktion des Medikamentenbedarfs der Patienten
  • Senken von Blutdruck und Pulsfrequenz
  • allgemein beruhigende Wirkung
  • Verbesserung der kognitiven und motorischen Fähigkeiten der Patienten
  • Minderung von Sprachstörungen
  • Besserung von depressiven Verstimmungen
  • allgemeine Aktivierung und Anhebung des Motivationszustandes
  • Förderung der Kommunikation
  • Verbesserung der sozialen Kontakte der Patienten untereinander und zum Pflegepersonal
  • Steigerung der Reaktionsfähigkeit und der Lernfähigkeit von Behinderten

Assistenzhunde / Behindertenbegleithunde / Servicehunde

Die Arbeit der Servicehunde gehört streng genommen nicht in den Bereich der tiergestützten Intervention, soll aber hier der Vollständigkeit halber kurz erläutert werden: Servicehunde leisten Dienste für behinderte Menschen, etwa als Blindenführhund. Zu ihnen zählt auch der Behindertenbegleithund, der darauf spezialisiert ist, Menschen mit körperlichen Behinderungen, etwa Rollstuhlfahrern, Bewegungen und Handgriffe, die sie nicht alleine ausführen können, abzunehmen. Es arbeitet also immer ein Hund mit einem Menschen zusammen und entlastet diesen in Alltagssituationen. Die Ausbildung des Hundes wird dabei konkret auf die Bedürfnisse des zukünftigen Besitzers ausgerichtet.

 

Zu Hundgestützt Teil 1: Hunde in der sozialen, pädagogischen, therapeutischen und medizinischen Arbeit

Zu Hundgestützt Teil 3: Voraussetzungen für die tiergestütze Arbeit

2 Antworten auf „Hundgestützt Teil 2: Eine Frage der Begrifflichkeit“

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