Dass Tiere und insbesondere Hunde außergewöhnlich gute Kommunikatoren sind, dürfte den meisten Hundehaltern klar sein: Die Direktheit ihrer Interaktion mit dem Menschen, ihre Menschenbezogenheit, ihre Unvoreingenommenheit, ihre Anpassungsfähigkeit und nicht zuletzt ihre Lernfähigkeit machen sie zu idealen „Brückenbauern”. Und nicht nur das: Sie verbessern auch nachweislich unser Wohlbefinden! So steigt der Spiegel des „Wohlfühl-Hormons“ Oxytocin im Blut bereits durch längeren Blickkontakt zum Hund und umso mehr durch ausgiebige Streicheleinheiten, die gleichzeitig den Stresshormonspiegel und den Blutdruck senken.

Diese Eigenschaften und Fähigkeiten werden auch zunehmend gezielt in der sozialen, pädagogischen, therapeutischen und medizinischen Arbeit eingesetzt, um Menschen zu helfen.

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Studien belegen die positiven Effekte, die tiergestützte Arbeit auf die Gesundheit des Menschen hat. So wiesen etwa Andrea Beetz und Henri Julius, Psychologen der Universität Rostock, gemeinsam mit Kurt Kotrschal, Biologe an der Universität Wien, in einer Untersuchung den positiven Einfluss von Hunden auf Kinder anhand der Konzentration des Stresshormons Kortisol nach.

Auch in den Medien liest, sieht und hört man immer häufiger von Therapie-, Schul-, Besuchshunden & Co. Und das Interesse der Hundehalter an sozialem Engagement mit ihrem vierbeinigen Begleiter steigt: Doch was ist eigentlich ein Therapiehund? Was genau macht ein Besuchshund? Was muss ein Schulhund alles können? Und wie kann ich mich mit meinem Hund sozial engagieren?

In den kommenden Wochen stellen wir euch verschiedene Organisationen und Initiativen im Bereich der tiergestützen Arbeit in München und Umgebung vor. Als Auftakt möchten wir euch einen Einblick in die Hintergründe, Formen und Möglichkeiten tiergestützter Arbeit geben.

Entwicklung der tiergestützten Arbeit

Berichte, dass Tiere für therapeutische Zwecke eingesetzt wurden, gibt es bereits aus dem achten Jahrhundert. Auch Quellen aus dem 18. und 19. Jahrhundert zeugen von Versuchen einer tiergestützten Therapie im psychiatrischen Bereich.

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Tiergestützte Therapie und tiergestützte Pädagogik wurde ab den 1960er Jahren zunächst in den angelsächsichen Ländern erprobt, erforscht und angewandt. Vorreiter war der Kinderpsychotherapeut Boris M. Levinson, der Anfang der 1960er über seine ersten positiven Erfahrungen mit Tieren als Co-Therapeuten berichtete: Ein Zufall führte zum Zusammentreffen seines Hundes Jingles mit einem seiner Patienten, ein Junge, der Menschen gegenüber sehr verschlossen war. Jingles hingegen gelang es, wie ein sozialer Katalysator auf den Jungen einzuwirken und ihn zum Reden zu bringen – ein Durchbruch für die weitere therapeutische Arbeit mit ihm.

Zu Bekanntheit verhalf der tiergestützten Therapie die Delta Society,  die 1977 in den USA gegründet wurde. Sie beschäftigte sich mit der Erforschung und therapeutischen Nutzung der Mensch-Tier-Beziehung. Vor allem die Delphin-Therapie, deren Anfänge bis in die 1970er Jahre zurückreicht, ist vielen Leuten ein Begriff: Sie war die erste Form einer tiergestützten Therapie, die großes Aufsehen erregte, als von den enormen Erfolgen in der Arbeit mit behinderten Kindern berichtet wurde.

Der Verein „Tiere helfen Menschen e. V.“ war der erste, der in Deutschland tiergestützte Aktivitäten anbot und in größerem Umfang organisierte. Er wurde 1987 von der Schweizer Tierärztin Dr. Brigitte von Rechenberg in Würzburg gegründet und baute unter seinem Vorsitzenden Graham Ford ein bundesweites Netzwerk aus. Mittlerweile besuchen mehr als 1.000 Mitglieder in über 70 Regionalgruppen in ganz Deutschland  mit ihren Hunden regelmäßig Heime und andere Einrichtungen.

Nur wenig später gründete 1988 PD Dr. Christian Große-Siestrup von der Charité in Berlin den Verein „Leben mit Tieren e. V.“, der ebenfalls auf gemeinnütziger Basis die Begegnung von Mensch und Tier in Kindergärten, Kinderheimen und Schulen organisiert. Seit 1994 bietet der Verein einen regelmäßigen Besuchsdienst mit Hunden für Senioren- und Pflegeheime oder Krankenhäuser, seit 2002 auch in verschiedenen Kindereinrichtungen. Über „Leben mit Tieren e. V.“ besuchen heute ca. 60 ehrenamtliche Helfer regelmäßig Einrichtungen in Berlin und Umgebung.

Mittlerweile gibt es in Deutschland viele Vereine, die vor allem im Bereich Besuchshunde aktiv sind. Auch findet bei immer mehr Heimen ein Umdenken bezüglich der Möglichkeit zur Haltung eigener Tiere oder von „Stationstieren“ statt: Die positiven Einflüsse der Tiere werden dabei immer sorgfältig gegen mögliche hygienische Vorbehalte abgewägt. Ebenso steigt die Zahl der Pädagogen, die ihre Haustiere zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mitbringen und unterstützend einsetzen. Und nicht zuletzt besuchen viele Menschen mit ihrem Hund ganz einfach privat hilfsbedürftige Menschen und schenken ihnen damit ein Stück Lebensfreude.

Zu Hundgestützt Teil 2: Eine Frage der Begrifflichkeit

Zu Hundgestützt Teil 3: Voraussetzungen für die tiergestütze Arbeit

Hallo, mein Name ist Alexandra. Vor sechs Jahren zog Mika, ein ungarischer Mischling, aus dem Münchner Tierheim zu mir in die Stadtwohnung. Seitdem machen wir auf sechs Beinen die Stadt und das Umland unsicher. Als Hundenärrin möchte ich auf Isarhunde.de andere Münchner Hundehalter über die "Hundeszene" der Stadt auf dem Laufenden halten, von Erlebnissen berichten und tierische Fundstücke vorstellen.

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  1. Hundgestützt Teil 3: Voraussetzungen für die tiergestütze Arbeit | Isarhunde Sagt Antworten

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