Hundgestützt: Hunde in der sozialen, pädagogischen, therapeutischen und medizinischen Arbeit

Dass Tiere und insbesondere Hunde außergewöhnlich gute Kommunikatoren sind, dürfte den meisten Hundehaltern klar sein: Die Direktheit ihrer Interaktion mit dem Menschen, ihre Menschenbezogenheit, ihre Unvoreingenommenheit, ihre Anpassungsfähigkeit und nicht zuletzt ihre Lernfähigkeit machen sie zu idealen „Brückenbauern”. Und nicht nur das: Sie verbessern auch nachweislich unser Wohlbefinden! So steigt der Spiegel des „Wohlfühl-Hormons“ Oxytocin im Blut bereits durch längeren Blickkontakt zum Hund und umso mehr durch ausgiebige Streicheleinheiten, die gleichzeitig den Stresshormonspiegel und den Blutdruck senken.

Diese Eigenschaften und Fähigkeiten werden auch zunehmend gezielt in der sozialen, pädagogischen, therapeutischen und medizinischen Arbeit eingesetzt, um Menschen zu helfen.

Foto: Oliver Haja / pixelio.de

Studien belegen die positiven Effekte, die tiergestützte Arbeit auf die Gesundheit des Menschen hat. So wiesen etwa Andrea Beetz und Henri Julius, Psychologen der Universität Rostock, gemeinsam mit Kurt Kotrschal, Biologe an der Universität Wien, in einer Untersuchung den positiven Einfluss von Hunden auf Kinder anhand der Konzentration des Stresshormons Kortisol nach.

Auch in den Medien liest, sieht und hört man immer häufiger von Therapie-, Schul-, Besuchshunden & Co. Und das Interesse der Hundehalter an sozialem Engagement mit ihrem vierbeinigen Begleiter steigt: Doch was ist eigentlich ein Therapiehund? Was genau macht ein Besuchshund? Was muss ein Schulhund alles können? Und wie kann ich mich mit meinem Hund sozial engagieren?

In den kommenden Wochen stellen wir euch verschiedene Organisationen und Initiativen im Bereich der tiergestützen Arbeit in München und Umgebung vor. Als Auftakt möchten wir euch einen Einblick in die Hintergründe, Formen und Möglichkeiten tiergestützter Arbeit geben.

Entwicklung der tiergestützten Arbeit

Berichte, dass Tiere für therapeutische Zwecke eingesetzt wurden, gibt es bereits aus dem achten Jahrhundert. Auch Quellen aus dem 18. und 19. Jahrhundert zeugen von Versuchen einer tiergestützten Therapie im psychiatrischen Bereich.

Foto: steve prinz / pixelio.de

Tiergestützte Therapie und tiergestützte Pädagogik wurde ab den 1960er Jahren zunächst in den angelsächsichen Ländern erprobt, erforscht und angewandt. Vorreiter war der Kinderpsychotherapeut Boris M. Levinson, der Anfang der 1960er über seine ersten positiven Erfahrungen mit Tieren als Co-Therapeuten berichtete: Ein Zufall führte zum Zusammentreffen seines Hundes Jingles mit einem seiner Patienten, ein Junge, der Menschen gegenüber sehr verschlossen war. Jingles hingegen gelang es, wie ein sozialer Katalysator auf den Jungen einzuwirken und ihn zum Reden zu bringen – ein Durchbruch für die weitere therapeutische Arbeit mit ihm.

Zu Bekanntheit verhalf der tiergestützten Therapie die Delta Society,  die 1977 in den USA gegründet wurde. Sie beschäftigte sich mit der Erforschung und therapeutischen Nutzung der Mensch-Tier-Beziehung. Vor allem die Delphin-Therapie, deren Anfänge bis in die 1970er Jahre zurückreicht, ist vielen Leuten ein Begriff: Sie war die erste Form einer tiergestützten Therapie, die großes Aufsehen erregte, als von den enormen Erfolgen in der Arbeit mit behinderten Kindern berichtet wurde.

Der Verein „Tiere helfen Menschen e. V.“ war der erste, der in Deutschland tiergestützte Aktivitäten anbot und in größerem Umfang organisierte. Er wurde 1987 von der Schweizer Tierärztin Dr. Brigitte von Rechenberg in Würzburg gegründet und baute unter seinem Vorsitzenden Graham Ford ein bundesweites Netzwerk aus. Mittlerweile besuchen mehr als 1.000 Mitglieder in über 70 Regionalgruppen in ganz Deutschland  mit ihren Hunden regelmäßig Heime und andere Einrichtungen.

Nur wenig später gründete 1988 PD Dr. Christian Große-Siestrup von der Charité in Berlin den Verein „Leben mit Tieren e. V.“, der ebenfalls auf gemeinnütziger Basis die Begegnung von Mensch und Tier in Kindergärten, Kinderheimen und Schulen organisiert. Seit 1994 bietet der Verein einen regelmäßigen Besuchsdienst mit Hunden für Senioren- und Pflegeheime oder Krankenhäuser, seit 2002 auch in verschiedenen Kindereinrichtungen. Über „Leben mit Tieren e. V.“ besuchen heute ca. 60 ehrenamtliche Helfer regelmäßig Einrichtungen in Berlin und Umgebung.

Mittlerweile gibt es in Deutschland viele Vereine, die vor allem im Bereich Besuchshunde aktiv sind. Auch findet bei immer mehr Heimen ein Umdenken bezüglich der Möglichkeit zur Haltung eigener Tiere oder von „Stationstieren“ statt: Die positiven Einflüsse der Tiere werden dabei immer sorgfältig gegen mögliche hygienische Vorbehalte abgewägt. Ebenso steigt die Zahl der Pädagogen, die ihre Haustiere zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mitbringen und unterstützend einsetzen. Und nicht zuletzt besuchen viele Menschen mit ihrem Hund ganz einfach privat hilfsbedürftige Menschen und schenken ihnen damit ein Stück Lebensfreude.

Zu Hundgestützt Teil 2: Eine Frage der Begrifflichkeit

Zu Hundgestützt Teil 3: Voraussetzungen für die tiergestütze Arbeit

Tipps und Termine KW 36: Tierbotschafter und Weltweite Tierschutzerklärung

Die WSPA Welttierschutzgesellschaft hat einen ganz besonderen Wettbewerb ausgerufen: Sie laden zum WSPA-Tierbotschafter-Fotowettbewerb ein – klar, dass da auch Hundehalter gefragt sind! Als Teilnehmer des Wettbewerbes zeigt ihr mit euren Fotos, dass ihr einer Meinung seid: Tiere brauchen unseren Respekt und Schutz. Eine Jury sucht aus den 20 beliebtesten Fotos schließlich die drei besten aus. Zu gewinnen gibt es dabei natürlich auch etwas! Teilnehmen könnt ihr noch bis zum 20. September.

Mit der Teilnahme am Fotowettbewerb unterstützt ihr auch die „Weltweite Tierschutzerklärung“ der WSPA. Die Aufnahme der „Weltweite Tierschutzerklärung” durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen würde:

  • Den Tierschutz als internationale Angelegenheit anerkennen.
    Die Regierungen zur Verbesserung und Durchsetzung der nationalen Tierschutzvorschriften durch die Bereitstellung eines Benchmarks ermutigen.
  • Den Tierschutz als wesentlichen Faktor für humanitäre und umweltpolitische Entwicklungen berücksichtigen.
  • Die Industrie darin bestärken, z.B. bei der Produktion von Lebensmitteln, den Tierschutz vordergründig zu beachten.
  • Weltweit zu einer umsichtigeren Haltung, welche die Tierbedürfnisse und den Lebensraumschutz einbezieht, führen.
  • Risiken für die Tiere erkennen, die durch Umweltfaktoren, wie Klimawandel, Verlust des Lebensraumes und Umweltverschmutzungen, erzeugt werden.

Eine „Weltweite Tierschutzerklärung” würde auch das Leben von über einer Milliarde Menschen verbessern. Menschen, die mit Tieren ihren Lebensunterhalt bestreiten oder auch diejenigen, die Tiere als ihre Partner ansehen.

Natürlich könnt ihr auch abseits Tierbotschafter-Wettbewerbs für die „Weltweite Tierschutzerklärung” eintreten: Tragt euch dazu einfach unter http://www.animalsmatter.org/de/ als Unterstützer ein!

Und hier kommen wieder die Hundetermine aus München für diese Woche:

Workshops:

  • Mein Hund und ich – Viertägiger Kurs für Kinder
  • Mantrailing für Einsteiger
  • Rückruftraining
Feste:
  • Fest der Filmtiere
Wettkämpfe:
  • Trickdogturnier auf der Filmtierranch
Specials:
  • Hunde-Photowalk