Isarhunde lesen: „Sind das alles Ihre?!”

Wer kennt das nicht: Der eigene Fellbeiner verbreitet mal wieder Chaos und man muss einfach darüber lachen. Bei Hundetrainerin und Autorin Franziska Feldsieper von der Mensch-mit-Hund-Schule multipliziert sich das Chaos mit der Anzahl der Hunde. Das Ergebnis: exponentiell steigender Humor!

Bei Franziska Feldsieper heißt es Lachen hoch sechs. Denn mit ihrem „Sixpack“, bestehend aus alten und behinderten Hunden, gerät sie immer wieder in lustige, manchmal auch absurde Situationen.

Über ihre Erfahrungen und Erlebnisse hat sie nun ein Buch geschrieben. Darin berichtet sie aus ihrem Alltag als Hundehalterin und -trainerin. Ihre Geschichten sind teils nachdenklich, teils bissig, oft lehrreich. Nie fehlen jedoch das Augenzwinkern und die Leidenschaft für alle Sofawölfe. Ihre Anekdoten verpackt sie in eine flotte Schreibe. Sie erzählt geradeheraus, mit Wortwitz und einem guten Schuss Selbstironie. In Sind das alles Ihre?!* geht es vielen Vorurteilen auf amüsante Weise an den Kragen.

Ganz nebenbei kann man beim Lesen auch Gutes tun: Pro verkauftem Buch gehen je 50 Cent an den Verein „Hunde brauchen Hilfe” und an den „Gnadenhof für alte und in Not geratene Hunde e.V.”

Franziska Feldsieper
Sind das alles Ihre?!*
ISBN 9783000373343
136 Seiten, Paperback
12,95 Euro (D)

* = Partnerlink

Klappentext:

Wer eine Hundeschule hat, der kann was erzählen. Wer dazu noch sechs alte und/oder behinderte Hunde hat, der schreibt ein Buch. Über all die schrägen Situationen, die einem passieren, wenn man sein Leben mit so einer speziellen Hundetruppe teilt. Ob der stark sehbehinderte und demente Pekinese oder der blinde, aber trotzdem jagdbegeisterte Podenco aus Spanien, bei der Hundetrainerin Franziska Feldsieper geht’s rund. Der Titel „Sind das alles Ihre?!“ ist gleichzeitig der Satz, den sie und ihre Lebensgefährtin oft hören, wenn sie mit der ganzen Truppe unterwegs sind. Mit gekonntem Wortwitz erzählt Feldsieper in 22 Kolumnen, wie mal chaotisch und nervenaufreibend, mal zum Schreien komisch, aber immer spannend das Leben ist, wenn die eigenen Hunde blind, taub, geistig behindert oder einfach „nur“ alt und tüddelig sind. Aber auch umstrittene Themen wie „Alpha-Status“ und umstrittene Erziehungsmethoden nimmt sie sati(e)risch unter die Lupe. In Ihren äußerst amüsanten Kolumnen, die durch Fotos und Cartoons ergänzt werden, erkennt sich auch derjenige wieder, der „nur“ einen Hund hat. Vergessene Fischleckerchen in der Tasche der guten Jacke, pubertierende Junghunde, Betteln bei Tisch, Pannen bei der Erziehung — auch einer Hundetrainerin passieren Peinlichkeiten und dazu steht Franziska Feldsieper ganz offen. Erfrischend ehrlich und augenzwinkernd selbstkritisch bringt sie ihre Leser immer wieder zum Lachen und zum erleichterten Aufseufzen „Gott sei Dank passiert das auch den Profis!“. Über allem aber steht bei Feldsieper die absolute Liebe zu Hunden und das klare Bekenntnis, fair und freundlich mit den bellenden Vierbeinern umzugehen.

Leseprobe

Unser schöner Garten
oder Man kann nicht alles haben

„Guten Tag, mein Name ist Lydia-Lara Müller von der Verlagsgruppe XY. Spreche ich mit Frau Feldsieper persönlich?“ Ich hatte lange genug im Callcenter gearbeitet um nicht in weniger als einer Sekunde zu erkennen, dass dies ein Werbeanruf war. Die freundliche Dame bemerkte, dass ich ja schon sehr lange Kundin war und wollte schon zu weiteren, mich wohlwollend und kauffreudig stimmenden Nettigkeiten ausholen, als ich sie freundlich, aber deutlich unterbrach:“ Welche Sonderangebote haben Sie denn diesmal für mich?“ „Wir haben uns ein besonderes Schnäppchen für Sie ausgesucht, Frau Feldsieper, das Sie interessieren könnte. Haben Sie einen Balkon oder einen Garten?“
„Ja, beides, aber der Balkon ist winzig. Der Garten ist passabel. Aber vor allem habe ich sechs Hunde.“ „Oh, wie schön! Dann haben Sie ja sicher auch Interesse an kreativen Ideen zur Gestaltung und Verschönerung Ihres Gartens!“ freute sich Lydia-Lara Müller und mit diesem Satz outete sie sich als ganz klar unerfahren im Umgang mit vielen Hunden. Ich lachte und versicherte ihr, dass kein noch so begabter Fachredakteur oder Gärtner meinen Hunden in Sachen kreativer Gartengestaltung das Wasser reichen könne. Und dass mir ein einigermaßen übersichtliches Stückchen Landschaft schon reiche. Ob sie sich wohl vorstellen könne, wie ein Blumenbeet aussehe, durch das ein geistig behinderter und einseitig blinder Beaglemischling mit der Durchschlagskraft eines Panzers pflüge. Konnte sie nicht, wie auch, das musste man gesehen haben.

Unser Garten ist nicht wirklich groß zu nennen, so um die 150 Quadratmeter. Und er ist rein gestalterisch eher „urig und rustikal“ zu nennen. Wir haben viele Blumen und Büsche. Phlox, Rittersporn, Bauernrosen, Rhodendron, Himbeeren und noch etliche Sträucher, deren Namen ich nicht mal ansatzweise kenne. Jedenfalls haben wir Pflanzen in ganzer Pracht immer am Anfang der Gartensaison.

Doch je später das Jahr, desto zerrupfter die Rabatten. Nicht, dass unsere Hunde graben würden, nein, das tut keiner von ihnen und das würde ich auch ganz klar unterbinden. Auf dem direkten Weg nach Australien geht es schließlich nicht in unserem Garten, sondern am Flughafen. Aber sie nehmen halt ihre eigenen Wege durch den Dschungel. Warum außen herum laufen, wenn man am Rittersporn gepinkelt hat und wieder auf die Terrasse will? Der direkte Weg durchs Beet ist doch viel schneller und außerdem lustiger und man bekommt als Nasentier dann noch mal einen Schwung mehr Gerüche in den Rüssel. Und ehrlich gesagt sieht es schon zum Totlachen aus, wenn die Pflanzen schwanken wie bei einem Hurrikane und dann ein begeisterter Hund mit einem dicken Grinsen im Gesicht aus dem Urwald auftaucht. Und wenn ich Rasen mähe, was ja leider sein muss, bei unserer verwinkelten Ansammlung von Beeten aber eine eher diffizil zu nennende Aufgabe ist, dann schneide ich die Kanten auch nicht mit der Nagelschere. Da wird ratzfatz mal ein Stückchen ins Beet gefahren und schon ist der Rasen auch an der Kante kurz und die eine oder andere Pflanze fand einen frühen Tod. In den ersten Jahren unserer Beziehung hat Michi noch die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, denn sie steht prinzipiell auf gepflegte Rabatten, aber inzwischen hat sie es aufgegeben. Und spätestens seit dem Einzug Tacos in unser Leben ist es sowieso eine absolute Engergieverschwendung, sich über abgebrochene Pflanzen Gedanken zu machen. Er ist kein Rüpel, er ist ein Grobmotoriker und Meisterscharrer, so dass auch der Rasen regelmäßig gründlich, aber leider nur sehr oberflächlich vertikutiert wird. Auf dem rechten Auge ist er blind, so dass Pflanzen, die rechts vom ihm stehen, dann schon mal versehentlich umgenietet werden. Und mit Suertes Adoption ist es auch nicht besser geworden, denn so manchen Ast eines Busches bemerkt auch er erst, wenn er ihn abgebrochen hat. Der geneigte Leser darf dreimal raten, welches Schicksal dekorative Gartenkugeln, Zierigel aus Ton oder bunte Windräder ereilen würde.

Was wir dieses Jahr aber wohl höher legen sollten, sind die Nutzbeete für Kräuter und Salat. So unempfindlich wir in Sachen Rustikalgarten inzwischen auch geworden sind, so pingelig sind wir dann doch, was die Wahl der Gießflüssigkeit angeht. Wasser aus der Leitung ist okay, auch aus der Regentonne nehmen wir es gern, aber direkt aus dem Hund auf den Salat, das ist nicht so unser Ding. Bislang war es kein Problem, der größte Hund war Wonda und als Dame war sie des Pinkelns auf drei Beinen zwar durchaus mächtig, aber das machte sie nur außerhalb. Und selbst wenn sie versucht hätte, das Frühbeet zu markieren, hätte sie es vielleicht daran geschafft, aber auf keinen Fall hinein. Suerte hat 68 Zentimeter Rückenhöhe mit Wasserauslass in entsprechender Höhe… Es kann ja sein, dass Petersilie mit Naturbewässerung lecker ist, aber ich mag es nicht mal versuchen. Da bin ich eigen.

Ich schilderte Lydia-Lara die Lage. Sie sah ein, dass weitere Versuche, mir das Abo schmackhaft zu machen, fruchtlos sein würden und wir beendeten das Gespräch. Aber ich überlegte, ob ich nicht eine eigene Zeitung entwickeln sollte. „Hund und Garten“ oder so. „Wertvolle Tipps für ein harmonisches Miteinander von Hund und Grünzeug. Unser Topthema heute: „Buddeln, aber sinnvoll“.“ Das wär‘s doch, damit ließe sich doch Geld verdienen. Garten- und Hundefachleute würden zusammenarbeiten und sich Gedanken machen über Themen wie „Neuzüchtung ‘Ungiftiger Bux’, was wurde aus den Testhunden?“ oder „Der überspringsichere Zaun, taugt er wirklich was?“ oder „Stiefkind Löseplatz- pfiffige Verschönerungsideen fürs Geschäftseck“. Und im eigens dazu eingerichteten Onlineforum würden die User diskutieren, ob Selbstschussanlagen für Zaunkläffer nun tierschutzrelevant sind oder nicht.

Und ich dachte, wieviel einfacher es doch Hundler ohne Garten haben. Dass sie keine Küchenrollen neben der Eingangstür bereithalten müßten, um dem Weltmeister im „Ich bin so wichtig und muss nach dem Pinkeln immer mächtig scharren“ die Grass-Soden und Matschklumpen von den Krallen zu popeln. Dass sie nicht aufpassen müssen, dass ihr sprungkräftiger Hund lockeren Fußes über den Zaun hüpft um dem Nachbarhund Aug in Aug klarmachen zu können, dass er schon wieder viel zu dicht am Revier vorbeigelaufen ist und gefälligst seine Pipivisitenkarten woanders hinkleben soll. Dass Leute ohne Garten nicht in die Versuchung kommen, den Hund im Freien sich selbst zu überlassen und ihm erfolgreich beizubringen, dass man auch ohne seine Menschen viel Spaß haben kann mit adrenalinschubversprechenden Tätigkeiten wie Postboten verbellen, Nachbarskatzen aus dem Revier vertreiben oder Kuhlen graben und sich zum Dösen hineinzulegen. Was widerum dem Satz „Unser Hund schläft im Garten immer richtig tief“ eine ganz neue Bedeutung verleiht.

Ein Garten ist etwas Schönes, kein Zweifel. Ist doch herrlich, sich gemütlich die Sonne aufs Haupt scheinen zu lassen und dem ebenfalls dösenden Hund beim Träumen zuzusehen. Oder vor Schreck den Kaffee zu verschütten, wenn Bello der Nachbarkatze lautstark zeigt, wie schnell er von 0 auf 100 kommen kann, wenn sie versucht, das Erdbeerbeet zum Katzenklo umzufunktionieren. Aber Gartenbesitzer mit Hund sind im Interesse eines stabilen Nervenkostüms gut beraten, ihren Sinn für Perfektion etwas zu entschärfen und keine Energie darauf zu verschwenden, auf die abgezirkelte Umrundung der Rabatten zu bestehen und bei Abkürzungen mittendurch in Ohnmacht zu fallen oder gar den Hund drakonisch zu bestrafen. Ein wenig Gelassenheit ist angebracht. Es muss ja nicht so gelassen sein wie bei Bekannten von mir, deren zwei große Hunde den Garten mit kellertiefen Löchern versehen haben. Und die mir achselzuckend sagten „Wir haben jetzt „Mein schöner Garten“ abbestellt. Wir lesen jetzt „Truppenübungsplatz aktuell“.

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