Heute schnuppern wir gemeinsam mit ars canis Kultur! Mit freundlicher Genehmigung von Dr. Karin Dohrmann und DOGS today präsentieren wir euch einen vorweihnachtlichen Gastbeitrag über Hundefiguren in historischen Krippen. Unbedingt bis zum Ende lesen, denn unten gibt’s etwas für’s Auge zu gewinnen!

Krippenfiguren – unerwartete Quellen einer historischen Hundewelt

Krippenszenen gibt es seit dem 4. Jahrhundert. Neben der Heiligen Familie waren Ochs und Esel die ersten Tiere, die die Szenen belebten. Ab dem 13. Jahrhundert gesellten sich auch Hunde zu den Figurenensembles. Zunächst stellte man nur die Hunde der Hirten dar, aber mit der wachsender Detailfreude bevölkerten die Krippen auch Streuner-, Stadt- und Adelshunde. Somit wurden Krippen zu wertvollen Dokumenten historischer Hundeschläge

Die Krippe mit ihren dreidimensionalen Figuren, wie man sie heute kennt, hat sich erst im 15. Jahrhundert entwickelt. Zunächst waren Krippen nur in Kirchen und Klöstern aufgestellt, ab dem 16. Jahrhundert förderten aber zunehmend die fürstlichen Höfe den Krippenbau und ließen ihn vor allem in Neapel und Sizilien zu einem wichtigen Wirtschaftzweig werden. Da die Krippenszenen aus Einzelfiguren zusammengestellt werden, die in den Jahrhunderten oft verloren gingen, sind für die Rekonstruktion historischer Szenen die sizilianischen Krippenensembles von besonderer Bedeutung. Hier wurden die Figuren in kleinen Szenen auf einer Platte montiert.

Beispielhaft zeigt sich dies in der Hirtenszene unten aus dem frühen 19. Jahrhundert. Ein Hirte teilt sein Brot mit seinem schwarz-weißen Hütehund. Zwei wichtige Informationen gibt diese Szene: Hirtenund Bauernhunde wurden neben braunen spitzartigen Hunden und den schwarzen Wachhunden sehr gerne mit einem schwarzweißen Fell dargestellt. Tiere mit einer solchen Farbe galten als sehr friedlich. Das zeigt sich auch in religiösen Abbildungen, wie zum Beispiel in einem Fresko der Kirche Santa Maria Novella in Florenz: Der Heilige Dominik schickt dort schwarzweiße Hunde, die die Gläubigen symbolisieren, gegen Wölfe in den Kampf, die die Heiden verkörpern. Die moderne Forschung hat inzwischen gezeigt, dass bei der Domestikation von Wildtieren, bei der man vor allem die Sanftmütigen miteinander verpaart, irgendwann Tiere meist mit schwarz-weißem Fell hervorkommen.

Einen weiteren Hinweis auf das Leben der Hirtenhunde gibt die sizilianische Krippenszene: Hunde wurden bis in die Neuzeit vorwiegend mit „Hundsbrot“ gefüttert und kaum mit Fleisch. Genauso wie sich die Menschen dieser Zeit ernährten.

Aber nicht nur die typische Hirtenszene, die kanonisch zur Weihnachtsgeschichte gehört, sondern auch Jagdszenen haben sich in den sizilianischen Krippenensembles erhalten. Detailgetreu wurde die gemischte Jagdmeute, die aus Saufindern und Saupackern besteht, in voller Aktion bei der Hatz dargestellt. Die Saufinder, meist Bracken, die mit langen Ohren und Lefzen ihren außerordentlichen Geruchssinn zum Aufspüren der Wildschweine einsetzten, wurden von Packern begleitet. Diese meist doggenartigen Hunde mit kupierten Ohren stürzten sich furchtlos auf das Wild und hielten dieses fest, bis die Jäger es töteten.

Die Ohren wurden damals aus Sicherheitsgründen kupiert, da Wildschweine sehr wehrhaft sind und die Hunde direkt angreifen. Das führte vor allem zu Wunden im Gesicht und an den Ohren. Solche Verletzungen bluten stark und behindern die Sicht der Hunde.

Den gleichen Realismus praktizierten auch die Krippenschnitzer in Neapel. Der Themenschwerpunkt lag hier aber in der akribischen Wiedergabe des Stadtlebens und ihrer Bewohner. Sie können daher als eine fast unerschöpfliche Quelle der Kultur- und Sozialgeschichte der italienischen Stadt gelten. In den Szenen der Stadtkrippe trifft die bunte Hundewelt der damaligen Zeit aufeinander.

Gut beobachtet geben die Schnitzer den Facettenreichtum der Streuner wieder, die sich vor allem aus der Gruppe der Hirten- und Bauernhunde zusammensetzen. Darunter wieder schwarz-weiße und braune, zottelige Bauernhunde und Spitze mit geringelter Rute und buschiger Halskrause.

Als der Bauernschaft vom Adel untersagt wurde, Jagdhunde zu halten, wurden Spitze in ganz Europa von den Bauern bevorzugt, da man ihnen einen geringen Jagdtrieb nachsagte. Reviertreu verließen sie das Grundstück nicht und wachsam zeigten sie jeden Fremden an. Oft trugen sie ein einfaches Lederhalsband mit einer dicken Öse, an der sie tagsüber an einen Bretterverschlag gebunden wurden. In Deutschland befanden sich diese Hundehütten meist auf dem Misthaufen, da der gärende Mist den Hunden im Winter ein wenig Wärme abgab und am Eingang des Hofes lag, wodurch die Hunde jeden Besucher früh im Blick hatten.

In den neapolitanischen Markt- und Stadtszenen finden sich aber auch die beliebten Gesellschaftshunde der Stadtbewohner. Darunter gehörten alle kleinen Hunde, die bei Bewegung im privaten Umfeld gleich anschlugen und daher auch gerne „Klingelhunde“ genannt wurden. Gleichermaßen geschätzt bei Adel und Bürgerschaft waren der Malteser, die zierliche Windhunde, die dem heutigen Italienischen Windspiel sehr ähnelten, sowie kleine Spitze. Großer Beliebtheit erfreute sich dann im 18. und 19. Jahrhundert der Mops. Er war noch wesentlich hochläufiger als heute und wurde mit kupierten Ohren dargestellt. Diese Gesellschaftshunde waren oft mit wertvollen Halsbändern mit kleinen Glocken geschmückt.

Da die italienischen Krippen vorwiegend vom Adel in Auftrag gegeben worden waren und Sizilien und Süditalien immer einen engen Kontakt mit dem Orient hatten, bevölkerten die Weihnachtsgeschichte neben den Heiligen Drei Königen immer mehr orientalische Figuren. Deren Fremdartigkeit wurde gerne durch Tiere wie Affen, Elefanten und Papageien unterstrichen.

Diese Tiere konnten die Krippenkünstler im königlichen Serraglio von Sanfelice im Zentrum von Neapel studieren, und daher verwundert die naturnahe Wiedergabe dieser Tiere nicht. Die Hunde, die diese kunstvoll-exotischen Szenen begleiten, entstammen den Fürstenhöfen. Dabei handelt es sich um Windhunde mit prachtvollen bunten Halsbändern oder um zarte Windspiele, die in ihrer Körperform mit gebogenem Rücken gut beobachtet sind.

Häufig wird das Windspiel in der Begleitung edler Damen gezeigt. Aber auch kunstvoll getrimmte Pudel wurden als Gesellschaftshunde an den Höfen gehalten und tauchen nun in Szenen der Heiligen Drei Könige auf. Der Pudel in der Schatzkammer (Foto S. 108) ist ein wertvolles Dokument der Hundeschur in der Barockzeit.

In Süddeutschland beginnt der dreidimensionale Krippenbau erst mit dem Ende des 16. Jahrhunderts. Wie es dem Wirklichkeitsbedürfnis der Renaissance entsprach, waren die Figuren bekleidet und sollten wie alles Beiwerk das Leben täuschend ähnlich nachbilden.

Auch in Süddeutschland war es zuerst der Adel, der den Krippenbau förderte, und dann vor allem der Jesuitenorden, der die pädagogischen Möglichkeiten der Krippen zur Unterweisung der Gläubigen nutzte. Ab dem 18. Jahrhundert begann man damit, die Krippenszene mit Genreszenen zu bereichern, und damit wuchs auch ihre Volkstümlichkeit. Hirten, Musikanten und Vertreter der einfachen Bevölkerung trugen die allgemein übliche Kleidung, und die Landschaft für die Krippen war der Umgebung des Entstehungsortes nachempfunden. Daher sind diese Krippen wertvolle historische Dokumente des einfachen alpenländischen Lebens und des Erscheinungsbildes der bäuerlichen Tierwelt, das wenig Eingang in die Schriften fand.

Im Zuge der Aufklärung wurde die Krippenaufstellung in den Kirchen verboten. Viele Kirchenkrippen erhielten in Privathäusern „Asyl“ – und damit begann die Tradition, sich in den Familien eine Weihnachtskrippe aufzustellen. Der Bedarf stieg derart an, dass sich in München und auf dem Lande in Berchtesgaden und Oberammergau im 19. Jahrhundert regelrechte Zentren der Krippenschnitzkunst mit ganz eigenem stilistischen und motivischen Repertoire entwickelten.

Um 1800 war in München ein Zimmermann aus der Au, der Schnitzer Niklas, für seine besonders naturnahen Tierfiguren berühmt. Der Kampf der Stiere wird ihm zugewiesen, ebenso wie der zottelige graue Hirtenhund, der einen ein wenig an einen Schafpudel erinnert. Möglicherweise dienten ihm Stiche von Johann Elias Ridinger als Vorlagen. Der zottige Hirtenhund muss bei Käufern Münchner Krippen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sehr beliebt gewesen sein, denn er wurde in einer recht großen Stückzahl mit lediglich kleinen Varianten angefertigt und findet sich in verschiedenen Krippenszenen wieder. Der Münchner Bildhauer Anselm Sickinger war um 1840 ebenfalls wegen seiner Krippenfiguren sehr bekannt. Von ihm hat sich die Szene des „Bullentreibers“ erhalten: ein brauner Bauernhund mit langem Fell und dickem Lederhalsband, der einen Bullen in Schach hält.

Erst im 19. Jahrhundert entstehen auch im süddeutschen Raum orientalische Krippen. Vermutlich wurde dieses Genre durch die in Rom lebende Künstlergemeinschaft der Nazarener angeregt, die die biblischen Themen historisch richtig im Heiligen Land darstellen wollten. In bemerkenswerter Weise zeigt sich in der Krippenszene der Herbergssuche, wie gut sich die Schnitzer mit dem Aussehen und der Kleidung in Palästina vertraut gemacht hatten. Reisebeschreibungen und Stahlstichillustrationen standen für die Genauigkeit der Figuren zur Verfügung. In der Szene klopft Joseph, mit Maria auf der Flucht vor den Männern des Herodes, an die Tür der Herberge und bittet um Unterkunft. Der Wirt vertreibt ihn mithilfe seiner Wachhunde, die der Gruppe der „Schutz- und Kampfhunde“ angehören.

Mit breiten Halsbändern, die vor Angriffen durch andere Hunde schützen sollen, platzierte man diese Hunde abends vor dem Eingang. Im Gegensatz dazu zeigen sich auf der Straße die Begegnungen der bunten Streunerwelt.

So bilden die Krippen des alpenländischen Raumes und Süditaliens wichtige Ressourcen zur Erforschung der Hundewelt des 18. und 19. Jahrhunderts. Sie dokumentieren Aussehen und Einsatz der einfachen Bauern- und Hirtenhunde, geben die Jagdhunde im Einsatz wieder, zeigen Szenen der Streuner und Straßenhunde in der Stadt, wie man sie auch heute noch in Italien antreffen kann.

Die kleinen Gesellschafts- und Klingelhunde bevölkern auch heute noch das mediterrane Stadtbild und werden dort in Hinterhöfen und auf Balkonen gehalten, wo sie nachts jedes Geräusch bellend anzeigen. Aber auch die Luxushunde des Adels, vorwiegend Windhunde und Pudel, finden ihren Platz in den Krippenszenen und lassen so manche Schilderung fürstlicher Feste lebendig werden.

(erschienen in: DOGS Today 06/2010)

Im zweiten Türchen unseres Adventskalender gibt’s etwas für’s Auge von ars canis!

Postkarte aus dem Set "Windhunde" von ars canis
"Genieße das Leben, geh in den Park": Postkarte aus dem Set "Windhunde" von ars canis

„Kunst und Kultur rund um Hund” – dieses Motto setzt die Kunsthistorikerin Dr. Karin Dohrmann mit ars canis auf ganzer Linie um. In der dog art gallery hat ars canis eine virtuelle Galerie geschaffen, die Künstler präsentiert, die sich gezielt dem Thema „Hund in der Kunst” widmen – ob in Malerei, Fotografie oder Zeichnung. Regelmäßig präsentiert ars canis seine Künstler in einer exklusiven Ausstellung mit kunstvollem Begleitprogramm. Außerdem kreieren Designer exklusiv  für die Edition von ars canis Außergewöhnliches für den Hund!

Euer Gewinn:

1 Postkarten-Set „Windhunde” von ars canis:

Postkarten-Set von ars canis im Geschenkkarton

Die Fotografin Meike Böhm hat eine unglaubliche Fähigkeit, während des Fotografierens in Kontakt mit den Hunden zu treten. Diese nehmen den Blickkontakt auf und setzen sich geradezu vor ihr in Szene. Aus dieser Leidenschaft zu Hund nutzt sie jede freie Minute, um auf die Jagd nach außergewöhnlichen Schnappschüssen zu gehen. Aus ihrem reichen Fundus wurde das Postkarten-Set „Windhunde” exklusiv für die Edition von ars canis zusammengestellt.

 

Zusätzlich verlosen wir wieder einen Gutschein von snackDOGS im Wert von 5,00 Euro.

Für die Auslosung des Postkarten-Sets habt ihr drei Tage Zeit: Hinterlasst einfach bis zum 06.12.2010 unter diesem Beitrag einen Kommentar und ihr nehmt automatisch an der Verlosung teil.

Der snackDOGS-Gutschein wird bereits morgen ausgelost, unter allen, die noch heute einen Kommentar schreiben.

Hinweis: Mit der Teilnahme erklärt ihr euch einverstanden, dass ihr im Gewinnfall per E-Mail kontaktiert werdet (denkt daran, eine gültige E-Mail-Adresse im Kontaktformular anzugeben) und eure Kontaktdaten für den Versand an ars canis weitergegeben werden.

Hallo, mein Name ist Alexandra. Vor sechs Jahren zog Mika, ein ungarischer Mischling, aus dem Münchner Tierheim zu mir in die Stadtwohnung. Seitdem machen wir auf sechs Beinen die Stadt und das Umland unsicher. Als Hundenärrin möchte ich auf Isarhunde.de andere Münchner Hundehalter über die "Hundeszene" der Stadt auf dem Laufenden halten, von Erlebnissen berichten und tierische Fundstücke vorstellen.

14 Comments

  1. meh Sagt Antworten

    Mal was, wo es sich lohnt mitzumachen, wenn man nicht aus MÜ kommt 😀
    Die andern Preise waren zwar auch sehr toll aber da lass ich dann lieber denen den Vortritt, die das auch einfacher nutzen können 🙂

    Also heute würde ich gerne gewinnen

  2. Nadine Sagt Antworten

    Bin dabei

  3. Mandy Sagt Antworten

    ein schönes Set…über den Gewinn würde ich mich auch freuen!

  4. Robert Sagt Antworten

    ganz tolle Postkarten, bin auch dabei

  5. Annora Sagt Antworten

    Da wäre ich gerne dabei 🙂

  6. Ingrid Sagt Antworten

    Die Postkarten sind ja klasse.

  7. Karlchen Sagt Antworten

    Uhi, was ein schönes Türchen! Da bin ich dabei…

  8. Lotta Sagt Antworten

    ich hätte nichts dagegen diese schönen Postkarten zu gewinnen, eine würde ich dann meinem Herrchen abgeben.

  9. Jan Sagt Antworten

    Die sind ja viel zu schade zum Versenden!

  10. Riddler568 Sagt Antworten

    bin dabei

  11. Arco Sagt Antworten

    Die sehen ja echt toll aus!!! Machen sich sicher auch gut im Bilderrahmen aufgehängt!

  12. Isa Sagt Antworten

    Windhunde – genau richtig für uns…
    tolle Hunde!

  13. Benjamin Koroll Sagt Antworten

    Ich möchte am Gewinnspiel zu Türchen Nr.: 4 teilnehmen!!!!

    Twittername: bcpcooking

  14. Alle Termine KW 49 | Isarhunde Sagt Antworten

    […] die Kulturgeschichte der Hundefiguren in den Krippen interessiert, dem sei ein Blick hinter das 4. Türchen des Adventskalenders empfohlen. Dort wartet nämlich ein interessanter Artikel auf euch – außerdem könnt ihr noch an […]

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